Forderungen nach Absage der Rammstein-Konzerte in der Schweiz
Im Zuge mehrerer Vorwürfe sexueller Übergriffe richten sich Frauenrechtsgruppen und politische Organisationen gegen die bevorstehenden Auftritte der deutschen Metal-Band Rammstein in der Schweiz. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht der Frontmann der Band.
Konzerte in Bern stehen auf dem Spiel
Rammstein soll am 17. und 18. Juni im Wankdorf-Stadion in Bern, als Teil ihrer aktuellen Europatournee, zwei ausverkaufte Konzerte geben.
Kürzlich haben mehrere Frauen behauptet, sie seien auf After-Show-Partys von Rammstein unter Drogen gesetzt und dazu gebracht worden, sexuelle Handlungen mit dem 60-jährigen Sänger Till Lindemann zu vollziehen.
Die Anwälte Lindemanns wiesen diese Vorwürfe am Donnerstag entschieden zurück.
Politische und gesellschaftliche Stimmen erheben sich
Die Juso (Jungsozialistinnen und Jungsozialisten Schweiz), die Jugendorganisation der Sozialdemokratischen Partei, hat eine Petition gestartet, die die Veranstalter auffordert, die Berner Konzerte abzusagen.
„Die Durchführung der Konzerte würde bedeuten, dass der Veranstalter klar hinter Rammstein steht, was ein sehr schlechtes Signal an die Betroffenen sendet“, heißt es in der Petition.
Die Petition fordert den Konzertveranstalter Gadget ABC auf, die notwendigen Schlüsse aus der Situation zu ziehen, die Konzerte in Bern abzusagen und den Zuschauern den vollen Ticketpreis zu erstatten.
Unterstützung für diese Forderung kommt auch von Brava, einer NGO gegen Gewalt an Frauen, der feministischen Friedensorganisation CFD und den SP Frauen Schweiz, einer fortschrittlichen sozialdemokratischen feministischen Bewegung.
„Diese Vorwürfe der sexuellen Nötigung müssen ernst genommen werden“, sagte der Vizepräsident der Juso, Thomas Bruchez.
„Die einzige verantwortungsvolle Maßnahme in diesem Kontext ist die Absage der Konzerte“, erklärte er gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur ATS am Freitag.
Die Zeitung Blick berichtete, dass das Feministische Streikkollektiv Bern mögliche Aktionen außerhalb des Stadions in Erwägung ziehe.
Hintergrund zur Band Rammstein
Rammstein, eine 1994 gegründete Industrial-Metal-Band, ist bekannt für ihre harten Gitarrenriffs, tabubrechende Aktionen und theatrale Bühnenshows mit intensiver Pyrotechnik.
Ihre Lieder behandeln Themen von Kannibalismus bis Nekrophilie, und der Bandname selbst ruft Erinnerungen an die Flugshow-Katastrophe von Ramstein im Jahr 1988 hervor, bei der 70 Menschen starben und mehr als 1000 verletzt wurden.
Eine junge irische Frau berichtete auf Social Media, dass sie auf einer Backstage-Party in Vilnius von Lindemann unter Drogen gesetzt und sexuell belästigt worden sei.
Seitdem sind auf Plattformen wie Twitter, Instagram und YouTube ähnliche Geschichten aufgetaucht.
Die deutsche Zeitung Die Welt berichtete am Dienstag, dass Alena Makeeva, eine russische Frau, die beschuldigt wird, junge Frauen für sexuelle Handlungen mit Lindemann angeworben zu haben, von allen weiteren Rammstein-Konzerten ausgeschlossen wurde.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.