Wegen gestörter Lieferketten aus dem Iran verteuern sich die Därme, die traditionell für die Nürnberger Bratwurst verwendet werden – und das kurz vor der Grillsaison. Metzger und Händler warnen, dass die höheren Beschaffungskosten auf Preisschilder und damit auf den Verbraucherpreis durchschlagen könnten.
Worum geht es genau?
Der Rohstoff, um den es geht, heißt Schafsaitling – der natürliche Darm, in den Bratwürste gefüllt werden. Viele deutsche Metzger beziehen große Mengen davon aus dem Iran, einem Land mit langer Tradition im Handel von Tiernebenprodukten. Jetzt sind die Preise für diese Därme binnen anderthalb Jahren deutlich gestiegen.
Claus Steiner, Inhaber einer regional bekannten Metzgerkette, berichtet, dass sich der Preis für 90 Meter Saitling von etwa 6,30 Euro vor 18 Monaten auf rund 17,20 Euro erhöht hat. Das entspricht nahezu einer Verdreifachung und bedeutet spürbare Mehrkosten bei der Produktion.
Treiber der Verteuerung
Hinter dem Preissprung stehen mehrere Faktoren, die zusammenkommen:
- Politische Spannungen rund um Irans Nuklearprogramm, die Handelswege und Exportbedingungen belasten.
- Ein genereller Rückgang des Fleischkonsums in Teilen der Welt, wodurch weniger Schlachtnebenprodukte verfügbar sind.
- Gestiegene Nachfrage aus Ländern wie China, die zuletzt mehr Därme importieren.
Steiner betont, dass Därme kein primäres Produkt der Schlachtung sind: fallen weniger Tiere, sinkt automatisch auch das Angebot an Saitling. Zugleich treiben geopolitische Risiken die Preise für die verbliebenen Liefermengen nach oben.
Direkte Folgen für Verbraucher und Metzger
Kurzfristig erwarten Metzger keinen Einbruch der Nachfrage nach der regional geschützten Nürnberger Bratwurst. Die Spezialität darf nach EU-Regeln nur so genannt werden, wenn sie in der Region um Nürnberg hergestellt wird – ähnlich wie bei Parma-Schinken oder Champagner.
Dennoch werden Mehrkosten vermutlich an Kundinnen und Kunden weitergegeben: entweder in Form leicht erhöhter Verkaufspreise oder durch Anpassungen in der Produktionskette.
| Aspekt | Aktueller Stand |
|---|---|
| Preis (90 m Schafsaitling) | Ca. 17,20 € (vor 18 Monaten ca. 6,30 €) |
| Hauptlieferland | Iran |
| Alternativen | Importe aus anderen Ländern (z. B. Ägypten), Schweinedärme |
Welche Alternativen gibt es?
Metzger prüfen derzeit verschiedene Strategien: Manche suchen nach neuen Bezugsquellen wie Ägypten; andere erwägen den Einsatz von Schweinedärmen. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass Schweinedärme geschmacklich und in der Textur von Schafsaitling abweichen können. Für traditionelle Produkte wie die Nürnberger Bratwurst ist das nicht immer eine akzeptable Lösung.
Langfristig könnten Hersteller auf vermehrte Lagerhaltung, andere Füllmaterialien oder technische Lösungen setzen. Solche Anpassungen benötigen aber Zeit und Kapital – und verändern den Produktionsprozess.
Wie relevant ist das für die nächste Grillsaison?
Für Verbraucher bedeutet das: leichte Preissteigerungen bei regionalen Wurstsorten sind wahrscheinlich, aber ein Mangel ist derzeit nicht angekündigt. Für die Metzgerbranche ist das Thema ein Hinweis darauf, wie sensibel traditionelle Lebensmittel auf geopolitische und strukturelle Veränderungen in den Lieferketten reagieren.
Der Fall zeigt außerdem ein generelles Problem: Bei Produkten, deren Herstellung auf Nebenströmen basiert, können schon kleine Verschiebungen in Produktion oder Nachfrage große Effekte auf Preis und Verfügbarkeit haben.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.