Eine Reinigungsangestellte im Dortmunder Ostwall Museum hat offenbar eine Skulptur von Martin Kippenberger für eine Verschmutzung gehalten und das Werk bei der Säuberung so stark beschädigt, dass eine Wiederherstellung ausgeschlossen wird. Der Vorfall rückt die Frage in den Fokus, wie Museen sensible Leihgaben vor unbeabsichtigter Zerstörung schützen können.
Das betroffene Objekt, ein Installationsstück mit dem Titel „When It Starts Dripping From the Ceiling“ (sinngemäß: „Wenn es von der Decke zu tropfen beginnt“), stand nach Angaben des Museums im Auftrag eines privaten Sammlers ausgestellt. Versicherer hatten den Wert der Arbeit auf rund 800.000 Euro beziffert.
Wie es zu dem Schaden kam
Bei der Installation handelt es sich um einen Turm aus Holzbrettern, unter dem ein Gummikanal mit einer dünnen beigen Farbschicht lag – ein Element, das Regenwasser simulieren sollte. Mitarbeiterinnen sahen diese Schicht offenbar als echte Verschmutzung an. Eine Reinigungskraft entfernte die Farbe während der Reinigungsarbeit, wodurch die künstlerische Gestaltung zerstört wurde.
Das Museum teilte mit, dass der Schaden Ende des vergangenen Monats festgestellt worden sei und eine Rückführung in den ursprünglichen Zustand nicht möglich erscheine. Unklar ist, ob die betroffene Reinigungskraft von der externen Firma über die hausinternen Vorgaben informiert worden war: Reinigungspersonal soll demnach einen Abstand von 20 Zentimetern zu Exponaten einhalten.
Konkrete Folgen und offene Fragen
Der Vorfall hat mehrere unmittelbare Auswirkungen: Versicherungsfragen müssen geklärt, konservatorische Gutachten eingeholt und die Abläufe für Leihgaben überprüft werden. Für Leihgeber ist ein solcher Schaden ein Vertrauensbruch, der künftige Kooperationen gefährden kann.
- Wertverlust: Die Arbeit gilt als unbrauchbar für die ursprüngliche Präsentation.
- Versicherung: Ansprüche und Schadensregulierung sind jetzt Thema.
- Haftungsfragen: Unklarheit besteht über die Verantwortung der externen Reinigungsfirma.
- Provenienz von Leihgaben: Museen könnten strengere Auflagen bei Ausstellungen fremder Werke einführen.
Solche Missgeschicke sind kein Novum: Bereits in den 1980er-Jahren wurde an einer deutschen Kunsthochschule ein Werk von Joseph Beuys durch eine Reinigungsaktion beschädigt, weil eine Fettspur für Schmutz gehalten worden war. Das zeigt, wie sensibel der Umgang mit konzeptueller Gegenwartskunst sein kann – besonders wenn künstlerische Mittel bewusst täuschend eingesetzt werden.
Für das Ostwall Museum dürfte nun eine interne Überprüfung folgen: Wer war informiert, welche Schulungen gibt es für Fremdpersonal, und welche Maßnahmen sind nötig, damit Leihgaben künftig besser geschützt sind? Antworten darauf werden auch für andere Häuser wichtig sein, die regelmäßig Werke externer Sammler zeigen.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.