Victoria and Albert Museum in London holt Dresdner Kunstdirektor

Juni 22, 2026

Dresden art director to take over London's Victoria and Albert

Martin Roth, bislang Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), wechselt zum Beginn des Septembers an die Spitze des Londoner Victoria and Albert Museum – als erster Deutscher in dieser Rolle. Der Wechsel fällt zu einem politisch geladenen Zeitpunkt: Die Debatte um eine Dresdner Ausstellung in Peking und die Inhaftierung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei haben das Thema Kultur und Menschenrechte erneut in den Fokus gerückt.

Roth bestätigte seine Ernennung mit großer Wertschätzung für das V&A, räumte zugleich ein, dass ihm der Abschied aus Dresden persönlich schwerfalle. Für die neue Aufgabe nannte er als Vorzug die Möglichkeit, sich stärker auf inhaltliche Fragen zu konzentrieren und weniger Verwaltungspflichten zu tragen.

Seit 2001 leitete Roth die SKD und trug Verantwortung für einige der bekanntesten Sammlungen Deutschlands. Unter seiner Leitung standen unter anderem das Historische Grüne Gewölbe, die Gemäldegalerie Alte Meister und die Galerie Neue Meister. Seine Amtszeit war nicht frei von Kontroversen.

Kontroverse um Peking-Ausstellung

Die Teilnahme der SKD an der Ausstellung in Peking wurde international kritisiert – vor allem wegen Chinas Menschenrechtsbilanz. Die Situation eskalierte, als Ai Weiwei kurz nach Eröffnung der Schau festgenommen wurde; daraufhin wuchs der öffentliche Druck, deutsche Leihgaben zurückzuziehen.

Roth verteidigte die Entscheidung, an der Ausstellung mitzuwirken, und wies darauf hin, dass unterschiedliche Länder kulturpolitische Fragen verschieden bewerten und abwägen. Seine Haltung wurde teils als pragmatisch, teils als umstritten wahrgenommen.

In Dresden gewann Roth zudem Anerkennung für sein Krisenmanagement: Während der schweren Fluten 2002 koordinierte er die Evakuierung zahlreicher Gemälde und Skulpturen und organisierte anschließend Ausstellungen im Inland und Ausland, um dringend benötigte Mittel für Restaurierungen zu akquirieren.

  • Wichtigstes Datum: Amtsbeginn im V&A voraussichtlich Anfang September.
  • Karriere: Generaldirektor der SKD seit 2001; erste deutsche Leitung am V&A.
  • Sammlungsverantwortung: Grünes Gewölbe, Gemäldegalerie Alte Meister, Galerie Neue Meister u. a.
  • Streitpunkt: Beteiligung an Peking-Ausstellung nach Kritik an Chinas Menschenrechtspolitik; Anhörung durch Ai-Weiwei-Fall verstärkte Proteste.
  • Reputation: Lob für schnelles Handeln während der Elbeflut 2002 und für internationale Ausstellungstourneen.

Der Wechsel hat mehrere Folgen: Für das V&A bedeutet er möglicherweise eine stärkere deutsch-britische Perspektive in der Programmarbeit. Für Dresden beginnt die Suche nach einer neuen Leitung, die zugleich museale Bewahrungspflichten und öffentliche Erwartung an politische Sensibilität ausbalancieren muss.

Wie sich Roths Stil und Prioritäten im V&A konkret auswirken werden, bleibt offen. Klar ist nur: Sein Ruf als erfahrener Museumsmanager trifft in London auf ein Haus mit globaler Ausstrahlung – und auf eine Öffentlichkeit, die Kulturpolitik zunehmend auch als Teil der Außenpolitik versteht.

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