Ralph Fiennes hat bei der Berlinale mit seinem Regiedebüt für Aufsehen gesorgt: Seine moderne Neuinterpretation von Shakespeare’s Coriolanus verlegt die Tragödie in eine Gegenwart, die an aktuelle Kriegsbilder erinnert. Für Zuschauer bedeutet das mehr als eine klassische Bühnenadaption — der Film verbindet politische Dramen, militärische Gewalt und familiäre Loyalität auf eine Weise, die heute wieder relevant erscheint.
Von der Bühne auf die Leinwand
In Fiennes‘ Version nimmt er selbst die Titelrolle ein und stellt den römischen Feldherrn als charismatischen, aber unflexiblen Militär dar, der in den Wirren der Politik scheitert. An seiner Seite spielt Vanessa Redgrave die ehrgeizige Mutter, deren Forderungen nach Ehre und Pflicht das Schicksal ihres Sohnes maßgeblich bestimmen.
Die Inszenierung tauscht Tuniken und Schwerter gegen moderne Ausrüstung: Schusswaffen, Smartphones und postmoderne Kriegsführung ersetzen die antiken Requisiten, sodass die Geschichte wie eine Reflexion auf jüngere internationale Konflikte wirkt. Gedreht wurde in Belgrad; das Drehbuch stammt von John Logan, der bereits für große Historienstoffe erprobt ist.
Handlung in Kürze
Der Film zeichnet den Aufstieg eines gefeierten Feldherrn nach, dessen militärische Erfolge ihn in politische Höhen führen. Dort prallen seine Prinzipientreue und der Zorn einer entfremdeten Bevölkerung aufeinander, was in seiner Verbannung endet. Isoliert schließt er sich dem Gegener an — erst im letzten Moment versucht seine Mutter, ihn mit einer dramatischen Intervention zurückzugewinnen.
- Hauptrollen: Ralph Fiennes (Coriolanus), Vanessa Redgrave (Volumnia), Gerard Butler (Aufidius)
- Regie: Ralph Fiennes — sein erster Spielfilm als Regisseur
- Drehbuch: John Logan
- Produktion: Dreharbeiten in Belgrad; moderne Kriegsbilder als Bezugspunkt
- Festivalstatus: Im Wettbewerb um den Goldenen Bären der Berlinale
Zwischen Macht, Politik und Intimität
Fiennes betont, dass ihn die Bilder aus den Kriegsgebieten der letzten Jahre bei der Entscheidung leiteten, die Tragödie in die Gegenwart zu holen. Die Inszenierung stellt Fragen nach dem Verhältnis von Militär und Politik, nach öffentlicher Meinung und persönlicher Ehre — Themen, die in vielen Ländern aktuell diskutiert werden.
Ein markantes Element der Adaption ist die Beziehung zwischen Coriolanus und seinem Widersacher Aufidius: Regisseur und Darsteller haben bewusst eine körperliche Nähe in den Kampfszenen angelegt, die auf eine komplexe, fast erotisch aufgeladene Verbindung zwischen den Männern verweist. Das ergänzt die politische Spannung um eine persönliche Ebene.
Redgrave beschrieb die Rolle ihrer Figur als schwierig und fordernd; sie habe dem Projekt aber Vertrauen und Rückhalt durch die Regiearbeit Fiennes’ zugeschrieben. Gerard Butler wiederum sagte, die Auseinandersetzung mit Shakespeare sei für ihn eine willkommene intellektuelle Herausforderung.
Wettbewerb und Kontext
Der Film gehört zu 16 Titeln, die an der Berlinale um den Goldenen Bären konkurrieren. Die unabhängige Jury unter der Leitung von Isabella Rossellini entscheidet am Samstag über den Sieger. Zu den weiteren Konkurrenten zählen Wirtschaftsdramen und Animationsfilme, die das Festivalprogramm in diesem Jahr bewusst breit aufstellen.
Warum der Film jetzt wichtig ist
Die Aktualisierung von Shakespeare macht die alten Konflikte plötzlich greifbar für ein Publikum, das mit Live-Bildern aus Krisengebieten aufgewachsen ist. Für Kinobesucher bedeutet das: eine klassische Stoffvorlage, die als Spiegel für heutige politische Debatten fungiert — über Krieg, Führung und die Macht der Öffentlichkeit.
Die positive Resonanz bei der Pressevorführung deutet darauf hin, dass Fiennes’ Zugriff sowohl filmisch als auch inhaltlich Fragen aufwirft, die Zuschauer über die Berlinale hinaus beschäftigen könnten.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.