Im Juni zeigt Exberliner drei Facetten des sich wandelnden Berlins: ein neuer, trendiger Flohmarkt an der Maybachufer-Promenade, ein exklusiver Members‑Club im historischen Bauhaus‑Gebäude in Mitte und Möbel, die das Gefängnis‑Motiv ins Designstudio holen. Diese Entwicklungen sagen etwas über Konsum, Stadtentwicklung und Stil in der Hauptstadt aus – und betreffen sowohl Anwohner als auch Besucher.
- Nowkoelln Flowmarkt – monatlicher Flohmarkt am Maybachufer; Mischung aus Second‑Hand, Design und Street Food; zieht viele Besucher an.
- Soho House Berlin – privater Club und Hotel in einem restaurierten 1928er Gebäude in Mitte; Mitgliederangebote und öffentlich buchbare Zimmer.
- Jailhouse‑Design – Möbelkollektion von Noodles Noodles & Noodles mit Betten, Schränken und Regalen im Gefängnis‑Look; richtet sich an Design‑Liebhaber.
Flohmarkt an der Maybachufer‑Promenade: neuer Publikumsmagnet
Der Markt am Maybachufer hat sich in kurzer Zeit von einer lokalen Idee zu einem festen Termin im Berliner Veranstaltungskalender entwickelt. An einem langen Korridor entlang des Kanals reihen sich Stände mit Kleidung, Handwerk und kulinarischen Angeboten – und das Publikum ist bewusst divers.
Ursprünglich polarisierte der Name und das Konzept: Kritiker sahen frühe Zeichen von Verdrängung, Fans lobten neue Impulse für das Viertel. Fakt ist: Anrainer‑Cafés und Eisdielen profitieren wirtschaftlich von den Besuchern, während die Mischung aus wöchentlichem türkischem Markt, monatlichen Designmärkten und dem Flowmarkt das Maybachufer zu einem Handelszentrum innerhalb Neuköllns macht.
Termine & Anreise: Der Nowkoelln Flowmarkt findet in der Regel an einem Sonntag im Monat statt; aktuelle Daten stehen auf der Veranstalterseite. Lage: Maybachufer, U‑Bahn Schönleinstraße. Mehr Infos: nowkoelln.de
Soho House: Private Club trifft historische Mitte
Die Eröffnung des Soho House in einem alten Kaufhaus an der Ecke Torstraße/Prenzlauer Allee markiert einen weiteren Schritt zur Etablierung exklusiver Privaträume in Berlin. Das Gebäude, 1928 errichtet, hat eine wechselvolle Geschichte: Eigentum eines jüdischen Kaufmanns, später genutzt von NS‑Organisationen und nach 1945 als Publikationsarchiv.
Die Restaurierung kombiniert Elemente der Vorkriegsarchitektur mit gezielt rauen, industriellen Details. Empfangsbereiche und Bars behalten bewusst eine rohe Ästhetik, die oberen Etagen präsentieren sich dagegen gediegener: Lounges, eine Spa‑Abteilung mit Hamam, ein Fitnessbereich und eine Dachterrasse mit Blick über Mitte gehören zur Ausstattung.
Mitgliedschaften kosten in etwa €75 pro Monat; für Nicht‑Mitglieder bestehen Übernachtungsmöglichkeiten. Zimmerpreise beginnen bei rund €100, aufwärts bis hin zu großzügigen Suiten. Das Haus richtet sich vor allem an Mitglieder aus Kreativ‑ und Medienbranchen und verstärkt damit die Debatte über Zugang und Exklusivität in Berlins Innenstadt.
Design im Gefängnisstil: Noodles Noodles & Noodles
Experimentelles Mobiliar aus Stahl und klaren Formen prägt die Kollektion von Noodles Noodles & Noodles. Blickfang ist das sogenannte Jailhouse‑Bett: ein Rahmen, der an Gitter erinnert und mit Accessoires wie Handschellen inszeniert wird.
Die Macher betonen, das Produkt richte sich an designaffine Kundschaft – trotzdem spielen Inszenierung und Bildsprache mit Tabus und Fetisch‑Ästhetik. Das Sortiment umfasst zudem Schränke, Tische und Regale, die das industrielle Prinzip fortführen.
Der Showroom ist zugleich Ausstellungsraum: Fotografien und Medieninstallationen ergänzen die Möbelpräsentation, sodass der Einkauf als kuratierte Erfahrung wirkt.
- Adresse Noodles Noodles & Noodles: Schönhauser Allee 156, Prenzlauer Berg (U‑Bhf Senefelderplatz); Öffnungszeiten variieren, Website informiert über aktuelle Zeiten.
- Soho House Berlin: Torstraße 1, Mitte (U‑Bhf Rosa‑Luxemburg‑Platz); Infos zu Mitgliedschaft und Zimmern online.
- Nowkoelln Flowmarkt: Maybachufer, Neukölln (U‑Bhf Schönleinstraße); Termine und Programme auf nowkoelln.de.
Was verbindet diese drei Geschichten? Alle drei spiegeln, wie Kultur, Kommerz und Ambiente in Berlin aktuell zusammenrücken: Straßenmärkte professionalisieren sich, internationale Clubkonzepte beanspruchen historische Orte, und die Designszene spielt provokante Motive gegen den wachsenden Markt für Interior‑Statements aus. Für Anwohner bedeutet das Chancen für lokale Geschäfte, aber auch neue Fragen zu Nutzungsrechten und sozialer Durchmischung.
Wer wissen will, wie sich die Stadt weiterentwickelt, sollte genau beobachten, wie solche Projekte langfristig mit den Quartieren interagieren – und ob neue Angebote dauerhaft zum Stadtbild beitragen oder nur kurzfristige Aushängeschilder bleiben.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.