Am 28. August erscheint das neue Studioalbum von Dinosaur Jr., Anlass genug für ein Treffen mit Sänger und Gitarristen J Mascis in Berlin — an einem der heißesten Tage des Sommers. Die Absprache war klar: Über die Platte soll die Musik selbst sprechen; stattdessen drehten sich Gespräch und Zeit mit ihm um Fahrradstrecken, Essen und Erinnerungsstücke.
Im Grübeln über einen freien Tag in der Stadt fällt Mascis’ Antwort kurz aus: Er fährt Rad. Wenn in Berlin nichts Dringendes ansteht, zieht er das Fahrrad vor — eine einfache Routine, die für ihn Alltag und Orientierung zugleich ist.
Die Stadt und die verschwundenen Läden
Dass er gern durch Gitarrengeschäfte streift, überrascht nicht. Was ihn ärgert: Viele der Läden, die er kannte, sind nicht mehr da. Er hofft, dass wieder ein richtig guter Gitarrenladen in Berlin eröffnet. Bis dahin bleibt das Rad sein Rückzugsort.

Über seine erste Gitarre sagt Mascis, dass er sie vor Jahren an das Museum of Pop Culture in Seattle veräußerte. Damals erschien ihm der Erlös enorm; im Rückblick beobachtet er, wie sich Sammlermärkte verschieben — was einst als große Summe galt, hat heute einen veränderten Marktwert.
Ausmisten, Erinnerungen, praktische Folgen
Sein Haus sei voller Dinge, räumt er ein. Verkaufserlöse haben ihm früher größere Anschaffungen ermöglicht — etwa eine neue Küche. Ob er jetzt noch einmal ausmistet? Vielleicht. Ein bisschen Platz würde sicher guttun, auch wenn Gitarren offenbar ausgenommen bleiben.
Was ihn wirklich erfreut, ist schlicht: gutes Essen. Er nennt besonders gern Thai– und vietnamesische Küche, während er zu italienischen Gerichten nur dann Ja sagt, wenn sie direkt in Italien zubereitet werden. Mexikanisch wie es in den USA oft serviert wird, lehnt er überwiegend ab — an der Grenze zu Mexiko gelte eine andere Bewertung.
- Album: „There Near“ erscheint am 28. August.
- Ort des Gesprächs: Berlin, an einem heißen Sommertag.
- Alltagsritual: Fahrradfahren statt Sightseeing.
- Erinnerungsstück: Erste Gitarre verkauft an Museum of Pop Culture (Seattle).
- Ganz persönliche Vorliebe: Asiatische Küche vor amerikanisch geprägten Varianten.
Lachen, Shows und Überraschungen
Wann hat er zuletzt echt gelacht? Mascis nennt aktuelle TV-Satire als Quelle für echte Heiterkeit, verweist aber auch auf enttäuschende Live-Comedy-Erfahrungen. Für ihn hat gezwungenes Lachen nichts mit Humor zu tun — und das Publikum solle frei entscheiden, wann etwas witzig ist.
Eine der eher verblüffenden Fähigkeiten des Gitarristen ist sein Umgang mit den Skiern: Er fahre gerne geradeaus und umgehe Kurven, wann immer es möglich sei. Ein eigenwilliger Stil, den manche als stur bezeichnen würden — Mascis selbst sieht darin schlicht eine pragmatische Vorliebe.
Das Treffen endete, wie es begonnen hatte: ohne große Diskussionen über die neue Platte. Mascis will, dass die Musik für sich spricht. Für Fans bedeutet das: Auf das Album hören — und ihn vielleicht künftig wieder auf einer seiner Radtouren durch die Stadt sehen.
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Tom Schneider ist Musikliebhaber, DJ und Redakteur bei Inside-Reeperbahn.de. Er schreibt mit Herzblut über neue Bands, alte Legenden und die Hamburger Clubszene. Seine Artikel verbinden Recherche mit persönlichem Erleben und bieten echten Mehrwert für Musikfans.