Wanda und Shaggy exklusiv: Peter Kloeppel teilt unerzählte Geschichten!

Februar 27, 2026

Peter Kloeppel und Linus Volkmann

Bevor die Lichter ausgehen: Entdeckt Linus Volkmanns humorvolle Enthüllungen aus der Welt des Pops, darunter Begegnungen mit Shaggy, Wanda und Peter Kloeppel von RTL Aktuell.

Ich bin der Meinung: Das Lesen von Interviews ist unterhaltsam. Sie ermöglichen Einblicke, vermitteln Nähe und sind im besten Fall informativ, spannend und amüsant. Doch wenn ich an die Interviews zurückdenke, die ich über die letzten gefühlt zweihundert Jahre geführt habe, fallen mir selten die genauen Worte der Interviewten ein – vielmehr erinnere ich mich an die Atmosphäre und das Drumherum.

Hier sind einige Einblicke hinter die Kulissen einiger denkwürdiger Begegnungen, ungeschminkt und ohne die übliche Glanzpolitur.

Wenn Peter Kloeppel sich fragt: Warum ich?

2008, irgendwo im Industriegebiet von Köln. Wir sind beim legendären, aber versteckten Studio des Fotografen Rainer Holz. Ein Shuttlebus hält, die Schiebetür öffnet sich und ein gepflegter Mann steigt aus. Er sieht sich um, eine Spur von Skepsis zeigt sich auf seinem Gesicht, aber er fängt sich schnell – er hat schon Schlimmeres erlebt, war sogar als Kriegsreporter unterwegs. Ich trete aus einem dunklen Eingang hervor und begrüße den Mann. „Schön, dass Sie Zeit gefunden haben!“ Ich weise ihn an, durch ein unauffälliges Garagentor in eine provisorisch eingerichtete Küche zu treten, die wir für das Interview vorbereitet haben. Sein Blick schweift noch einmal zum Shuttle, doch das Fahrzeug setzt sich schon in Bewegung und verschwindet um die Ecke. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Aber das macht nichts. Er ist ein Profi.

Was vorausging: Eine Werbeagentur, die das RTL-Nachrichtenprogramm bei neuen Zielgruppen bekannt machen wollte, hatte mich kontaktiert. Ob wir im Intro-Magazin, für das ich damals tätig war, nicht ein Interview mit ihrem Anchorman Peter Kloeppel führen möchten. Ich erwiderte, dass wir ein Musikmagazin seien und deshalb kaum Berührungspunkte mit dem Programm eines Privatsenders hätten, auch wenn ich den Co-Moderator von Ulrike von der Groeben kannte. Trotzdem ließ ich mich überreden, unter der Prämisse, dass es bei der Interviewreihe „Kochen mit“ stattfinden sollte, kombiniert mit Gesprächen über Musik. Musik war allerdings nicht gerade Kloeppels Steckenpferd. „Im Gegenteil“, freute sich die Agentin, das passe perfekt – Peter Kloeppel sei ein echter Popfan! Das konnte ich mir kaum vorstellen, aber ich stimmte zu. Für die Reihe suchte ich regelmäßig nach bekannten Persönlichkeiten, und das Kriterium erfüllte er zweifellos.

Am Tag des Interviews im Kölner Hinterland musste ich feststellen, dass Peter Kloeppel natürlich nicht darüber informiert worden war, dass er an einer ironisch angehauchten Musikmagazin-Rubrik teilnehmen sollte. Er dachte, ein seriöses Medium würde ihn zu seiner gegründeten RTL-Journalistenschule befragen. Er hatte sich verkalkuliert – ohne mein Wissen und die gusseiserne Pfanne.

Im Nachhinein beeindruckt mich noch immer, wie professionell Kloeppel diesen Termin meisterte und sich mühte, auf Fragen zu seiner vermeintlichen Musikbegeisterung mit ein paar Worten zu Deep Purple oder Ähnlichem zu antworten. Ein Popfan? Von wegen!

Wenn Shaggy einfach verschwindet

Die „Kochen mit“-Rubrik bietet auch andere Geschichten. Eingeladen, mit dem Intro zu kochen, fand sich auch der Musiker Shaggy ein. Ihm wurde seitens der Promo-Agentur nicht wirklich erklärt, was ihn vor Ort erwartete. Er betrat durch das Garagentor das Fotostudio, erfuhr, was geplant war, sah sich um, verließ die Szene ohne ein Wort – und wurde nie wieder gesehen.

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Wenn die Chemie nicht stimmt (Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs)

Kannt ihr noch die Hamburger Schule? Musik mit intelligenten Texten, akademisch, diskursiv. Ich war als Student total fasziniert davon, solche Texte wie in einem Germanistikseminar zu entschlüsseln. Doch auch meine Bewunderung hatte ihre Grenzen, wie ich in einem Interview herausfand. Es ging um Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs – kurz OZSWMK, eine geschätzte Indie-Band der Neunziger. Sie waren noch widerständiger als andere Vertreter der Hamburger Schule. Als in den Neunzigern der Sound aus Hamburg populär wurde, veröffentlichte OZSWMK ein Instrumental-Album. Ein deutliches Statement gegen den Trend zu deutschen Texten.

Im Gegensatz dazu sieht sogar Casper mit seinem Anti-Alles noch konformistisch aus. Das Album hieß KEINSEIER, was so viel bedeutet wie „kein Feigling“. Ich las es jedoch immer als KEINS-EIER – also das Hühnerprodukt, und fand das ziemlich albern. Ich wollte herausfinden, ob hinter den Texten wirkliche Ideen steckten oder ob alles nur akademischer Unsinn war. Guter Plan, dachte ich.

Doch für ein konfrontatives Interview benötigt man umfassendes Hintergrundwissen und Souveränität, beides hatte ich nicht, als ich mich mit Carsten Hellberg in einem Café im Schanzenviertel traf. Meine investigativen Fähigkeiten beschränkten sich darauf, immer wieder dieselben Fragen nach der Bedeutung seiner Texte zu stellen, die Hellberg geheimnisvoll offen lassen wollte. Bald schon verlor der Musiker die Geduld: „Soll ich jetzt meine Texte hier erklären?“ Ja, Bruder, bitte erklär! Das schien damals mein größter Wunsch zu sein.

Carsten von OZSWMK kam diesem Wunsch nicht nach. Ich fühlte mich in meinem Glauben bestätigt, dass hier nur heiße Luft verkauft wurde. Er dachte wahrscheinlich: Was ist das für ein Spinner – und wann ist dieses verdammt nochmal vorbei?

Später feierte die Band ihr großes Live-Comeback. Ich habe es leider verpasst. Vielleicht hätte ich noch einmal die Chance bekommen, alle Beteiligten wegen der Bedeutung einzelner Textzeilen aus den Neunzigern zu nerven. Na, dann beim nächsten Mal!

Wenn selbst Wanda mit den Augen rollen

Um Himmels willen, Wanda! Es ist 2014. Der Hype um das Debüt-Album „Amore“ der interessanten Austropop-Herausforderer manifestiert sich in meiner Heimatstadt Köln durch eine nervenaufreibende Verknappung. Ihr erstes Konzert hier findet in der überschaubaren Szene-Bar King Georg statt. Ausverkauft? Selbstverständlich. Und am Abend selbst ist der Laden brechend voll, die Menschenmassen stapeln sich geradezu übereinander. „Eins, zwei, drei, vier, es ist so schön bei dir“. Der zweite Auftritt ein halbes Jahr später ist etwas größer im Club Bahnhof Ehrenfeld, aber immer noch nicht adäquat für das immense Interesse. Wieder ausverkauft, seit Wochen. Es wird eng.

Warum erzähle ich das? Um den Kontext für das nach dem Konzert anberaumte Interview mit der Band zu setzen, auf das ich mich brennend freute. Meine Begeisterung für Wanda würde sich über die Jahre normalisieren, aber davon ahnte ich an diesem Abend in Köln Ehrenfeld noch nichts. Im Gegenteil. Ich glaubte der Band jedes Wort, jede Pose, ich war in dieser „Amore“-Phase verliebt wie selten zuvor. Trotz meiner langjährigen Erfahrung als abgeklärter Musikjournalist verschwamm die Grenze zwischen Pop und Realität, zwischen Kunstfiguren und Musikern vollständig. Ich dachte, diese Wiener lebten ihre Texte. Also brachte ich Red Bull Jägermeister zum Gespräch und wunderte mich, dass niemand außer mir davon trank. Den Mitschnitt des Interviews, auf dem man hört, wie ich nüchtern beginne und binnen 40 Minuten betrunken lalle, bewahre ich als Schandfleck. Der Ton von Marco Wanda und Christian Hummer, die sich dem Interview (oder sollte ich sagen: dem Alkoholexperiment) stellten, schwankte zwischen genervt und ehrlich besorgt. Letzteres ist mir heute besonders peinlich. Sie mochten zwar Songs wie „Gib mir Schnaps“ geschrieben haben – aber so, wie ich das alles interpretierte und umsetzte, wollten sie es offensichtlich dann doch nicht haben.

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Wie es der Besoffski-Text trotzdem auf den Titel geschafft hat …

Wenn die Fragen havarieren (The Ark)

Faszination Schweden! Nirgendwo sonst klingt Pop so perfekt – egal in welcher Spielart. Oft ist mir der ästhetisierte Ansatz unserer „skandinavischen Nachbarn“ zu übertrieben. Mando Diao oder The Hives hatten für mich immer etwas von einem Baukasten. Dann doch lieber The Ark, eine Band, die den hyperstylischen Schweden-Pomp auf die Spitze getrieben hat. Ich liebte ihr grelles Debüt WE ARE THE ARK, der Glamrock war so schrill, so heiß, so queer, so Queen … ach, wisst ihr was?, hört doch selbst:

In einem Konferenzraum der Plattenfirma EMI (R.i.P.), der eher nach einem Büro als nach Glamour aussieht, treffe ich auf Sänger Ola Salo, der eine Musical-Ausbildung hat und trotz lässiger Interviewkleidung in dieser Büroatmosphäre wie ein Fabelwesen wirkt. In jener Zeit (Mitte der 2000er) dominieren skandinavische Acts erneut die Indie- und auch die echten Charts. Ich freue mich darauf, mit Ola dieses Phänomen zu erörtern – woher es kommt, was den nordischen Pop so einflussreich macht. Ich habe mir viele Acts, Verweise und Theorien notiert, er wird staunen.

Im kurzen Geplänkel, bevor das offizielle Interview beginnt, erzählt er von seinen jüngsten Erfahrungen auf Promotour in Deutschland. Ständig würde man ihn nach dem schwedischen Popgeheimnis fragen, dazu könne er nichts sagen, die Einfallslosigkeit der Presse ermüde ihn. Er hoffe, das würde jetzt anders, lächelt aufmunternd und fordernd zugleich.

In meinem Kopf herrscht sofort Alarmstufe Rot, ich schaue auf meine mitgebrachten Fragen. Handeln die wirklich alle von Schweden? Was hatte ich mir dabei bloß gedacht? Wen könnte ich feuern nach diesem Desaster, das gleich eintreten würde? Aber wer weiß … vielleicht reagiere ich ja unter Druck blitzgescheit.

Ich starre auf das DinA4-Blatt, formuliere im Kopf krampfhaft neue Fragen, nichts ergibt Sinn. Ola Salo beginnt mich zu fixieren. Warum spricht dieser schwitzende Typ immer noch nicht, fragt er sich vermutlich. Ich muss etwas sagen. Egal was. Ich stammele: „Öhhh, why are scandinavian, öh, acts so special?“ Okay, ich habe es auch gehört. Das wird hier noch eine laaaange und unangenehme halbe Stunde werden – soviel steht schon mal fest.

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Wenn Herbert Feuerstein sich die letzte Ehre gibt

Bei diesem Interview ist gar nichts schiefgegangen. Ich hatte gehofft, der langjährige Storyrunner des deutschen MAD-Hefts, Sidekick von Harald Schmidt und Buchautor, würde mich zuhause auf seinem Altersruhesitz empfangen, aber leider nein. Also telefonierten wir nur. Für mich war das immer noch ein großer Moment. Ein Zitat aus diesem Gespräch über die Anfänge der deutschen MAD-Ausgabe lautet: „Aus Amerika kam für die Alfred-E.-Neumann-Ahnengalerie auf der Umschlagrückseite eine Zeichnung, die Alfred als Hitler darstellte. Das empfand ich als heikel, aber da das amerikanische ‚MAD‘ hauptsächlich von jüdischen Autoren verfasst wurde, traute ich mich, es auch bei uns zu veröffentlichen – und hatte Glück. Es blieb unbeanstandet.“ Später sprach ich auch noch mit einem Zeichner, der sogar noch länger als Feuerstein selbst bei dem Magazin geblieben war. Ivica Astalos bestätigte die satirische Freiheit, die man bei MAD damals genoss – nur an einer bestimmten Grenze stieß der ehemalige Fix-&-Foxi-Zeichner dann doch: „Die Amerikaner mochten es nicht, wenn ich Brustwarzen zeichnete“, erinnerte er sich im Interview.

Als ich Feuerstein am Ende unseres Gesprächs erklärte, welche Rolle er für eine bestimmte Form von Humor in Deutschland gespielt habe, winkte er ab, so groß sei sein Vermächtnis nun auch wieder nicht. „Irgendwann wird mein Gesicht wieder in den Zeitungen und im TV sein – aber erst, wenn ich gestorben bin. Und selbst dann wird der Kommentar der meisten bloß sein: ‚Ach, der hat noch gelebt?‘“.

Zwei Jahre später war er dann tatsächlich noch einmal omnipräsent. Herbert Feuerstein starb 2020 im Alter von 83 Jahren. Ich möchte glauben, dass ich damals das letzte Interview mit ihm führte. Und selbst wenn nicht, war es verdammt nah dran. Ruhe in Macht.

Was bisher geschah? Hier alle Popkolumnentexte im Überblick.

ME

Linus Volkmann schreibt freiberuflich unter anderem für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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