Blackface in Berliner Aufführung löst Empörung aus: Theater verteidigt Praxis als Tradition

Mai 22, 2026

Blackface in Berlin play just 'tradition'

Ein Berliner Theaterstück hat in den letzten Tagen eine hitzige Debatte über Repräsentation und Bühnenpraxis ausgelöst: Am Schlosspark Theater spielt ein älterer weißer Darsteller die Rolle eines afroamerikanischen Charakters – mit dunkler Schminke. Die Aufführung stößt auf heftige Kritik aus der Community, während die Leitung die Entscheidung als Teil einer Theatertradition verteidigt.

Regisseur Thomas Schendel begründete die Wahl damit, keinen passenden älteren schwarzen Schauspieler mit der verlangten deutschen Artikulation gefunden zu haben; deshalb sei man auf Make-up zurückgegriffen. Der 76-jährige Joachim Bliese übernimmt die Figur „Midge“, einen Afroamerikaner, dessen Dialoge über Rassismus und Alter zentrale Themen des Stücks sind.

Kritik aus der Community

Vertreter der Initiative für Schwarze Deutsche (ISD) reagierten empört. Ihr Sprecher bezeichnete die Erklärung des Regisseurs als unzureichend und verwies darauf, dass in Berlin ausreichend qualifizierte schwarze Künstler tätig seien. Auf der Facebook-Seite des Theaters sammelten sich zahlreiche wütende Kommentare, viele Nutzer bezeichneten die Inszenierung als verletzend und rückwärtsgewandt.

Historisch ist das Problem klar verankert: Blackface war Teil einer US-amerikanischen Minstrel-Tradition, die rassistische Stereotype bediente. In Deutschland sorgten in den vergangenen Jahren mehrfach Ereignisse für Debatten, bei denen hellhäutige Personen mit dunkler Schminke für Empörung sorgten.

Die Reaktion des Theaters

Das Haus zeigte sich überrascht von der Intensität der Reaktionen und verwies darauf, dass es in Berlin bereits andere Produktionen gab, in denen die Rolle ähnlich besetzt worden sei, ohne vergleichbaren Aufruhr. Schendel lud Kritiker zu einer Aufführung ein; laut Theaterangaben nahm niemand dieses Angebot an.

Das Ensemble will die geplanten Vorstellungen vorerst durchführen.

  • Stück: „I’m Not Rappaport“ – zentrale Themen: Alter, Freundschaft, Rassismuserfahrung
  • Schauspieler: Joachim Bliese (76) in der Rolle des Midge
  • Entscheidung: Einsatz von Make-up statt Besetzung mit schwarzem Schauspieler
  • Reaktionen: Kritik von ISD, Empörung in sozialen Medien
  • Status: Aufführungen sollen wie geplant stattfinden

Was macht die Angelegenheit aktuell relevant? Es geht weniger um eine einzelne Inszenierung als um eine anhaltende Frage: Wie gehen deutsche Bühnen mit Diversität und angemessener Darstellung um, besonders in einer Metropole wie Berlin, in der ein vielfältiges Schauspielerfeld zur Verfügung steht?

Die Debatte berührt mehrere Ebenen: öffentliche Wahrnehmung, künstlerische Freiheit, und die Verantwortung kultureller Institutionen gegenüber marginalisierten Gruppen. Einige Stimmen fordern eine offenere Dialogkultur zwischen Häusern und betroffenen Communities; andere sehen in der Kontroverse eine Chance, Casting‑ und Probenprozesse zu überdenken.

Konkrete Folgen sind noch unklar. Denkbar sind Proteste, ein Vertrauensverlust in das Haus und verstärkte öffentliche Diskussionen über Besetzungsprinzipien. Kulturelle Institutionen stehen damit vor der Herausforderung, ihre Praxis transparent zu machen und auf berechtigte Kritik zu reagieren, ohne künstlerische Debatten zu unterdrücken.

Unabhängig vom Ausgang der aktuellen Auseinandersetzung bleibt die Frage, wie Theater heutigen Diversitätsanforderungen gerecht werden können, zentral – für Zuschauer, Künstler und Leitung gleichermaßen.

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