Deutschland hat eine mehr als 3.500 Jahre alte Sphinx an die Türkei zurückgegeben — ein Schritt, der die Debatte um Rückgaben antiker Kunstwerke neu anheizt. Die Skulptur soll nach Restaurierungsarbeiten an ihrem ursprünglichen Fundort bei Hattuşa aufgestellt werden, berichten türkische Medien.
Nach Angaben des Archäologen Tahir Aksekili ist geplant, die Sphinx am Eingangsbereich eines Museums nahe der alten hethitischen Hauptstadt Hattuşa zu platzieren, etwa 240 Kilometer nordöstlich von Ankara. Zuvor wird die Statue in Istanbul konservatorisch bearbeitet.
Der türkische Kulturminister Ertuğrul Günay begrüßte die Rückkehr als historischen Moment und verwies darauf, dass die Skulptur nach fast einem Jahrhundert wieder in die Heimat gelangt. Medienberichten zufolge hatte er gegenüber Deutschland mit einem Aussetzen deutscher Ausgrabungsgenehmigungen in der Türkei gedroht, falls die Rückgabe nicht erfolgt wäre.
Die Sphinx — mit einem Löwenkörper und einem menschlichen Kopf — war Anfang des 20. Jahrhunderts von deutschen Archäologen entdeckt und 1915 nach Deutschland gebracht worden. Dort gehörte sie lange zum Bestand des Pergamonmuseums in Berlin; ein Zwillingsstück war bereits früher an die Türkei zurückgegeben worden.
- Alter: rund 3.500 Jahre
- Fundjahr: 1915 (entdeckt von deutschen Archäologen)
- Zwischenstation: Restaurierung in Berlin, derzeit Konservierung in Istanbul
- Neuer Standort: Museumseingang bei Hattuşa
- Politischer Hintergrund: Rückgabe vereinbart im Mai nach diplomatischem Druck
Das deutsche Kulturministerium wertete die Rückgabe als freiwillige Geste und bezeichnete den Vorgang als einen Einzelfall — eine Formulierung, die darauf abzielt, weitere Rückgabeforderungen an deutsche Museen einzudämmen. Im Hintergrund laufen parallele Auseinandersetzungen: Ägypten fordert seit Langem die Rückgabe der berühmten Büste der Nofretete aus dem Neuen Museum in Berlin.
Für die Praxis der Archäologie und für Museen hat diese Rückgabe mehrere Konsequenzen. Sie stärkt Ansprüche von Herkunftsländern, verändert Verhandlungsdynamiken zwischen Instituten und Staaten und beeinflusst die Bereitschaft zu künftigen Kooperationen bei Ausgrabungen und Forschung.
Rechtlich bleiben Fragen offen: Welche Präzedenzwirkung hat die Vereinbarung? Wird Deutschland künftig häufiger Einzelfälle als freiwillige Lösungen darstellen, um breit angelegte Rückgabeforderungen zu vermeiden? Experten erwarten, dass diplomatische Kanäle und bilaterale Abkommen in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen.
Beobachter nennen drei Punkte, die jetzt relevant sind:
- Ob andere Herkunftsländer ähnliche Erfolge bei Rückforderungsfällen erzielen können;
- Wie Museen in Europa ihre Sammlungsstrategie und Provenienzforschung anpassen;
- Welchen Einfluss solche Entscheidungen auf die Zusammenarbeit internationaler Ausgrabungsprojekte haben.
Die Sphinx wird nach Abschluss der Konservierung in Istanbul nach Hattuşa überführt. Für Kulturpolitik und Öffentlichkeit bleibt die Frage, ob dieser Fall eine Ausnahme darstellt oder den Beginn einer nachhaltigeren Wende in der Rückgabepolitik markiert — mit Auswirkungen weit über die beteiligten Länder hinaus.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.