In Bremen startet an diesem Donnerstag das weltweit erste «Festival der Sprachen» — ein dreiwöchiges Programm, das mit Installationen, Veranstaltungen und Bildungsangeboten die Vielfalt der menschlichen Sprachen in den Mittelpunkt rückt. Für Besucherinnen und Besucher entsteht im Vorplatz der Universität eine auffällige Holzpyramide, die als sichtbares Symbol für die globale Sprachlandschaft dienen soll.
Die sogenannte Pyramide der Sprachen wird aus exakt 6.500 Holzquadern aufgebaut — einer für jede Sprache, die Linguisten derzeit zählen. Jeder Block erhält vor dem Einbau eine Sprachinschrift; zusammen sollen die Elemente zu einer rund sechs Meter hohen Skulptur aufgeschichtet werden.
„Wir wollen Sprache greifbar machen“, sagt der Bremer Sprachforscher Thomas Stolz. Er gehört zu den Initiatoren und betont, dass die Aktion nicht nur ästhetisch wirken, sondern auch Bewusstsein schaffen solle für die gesellschaftliche Bedeutung von Sprache und die Bedrohung mancher Sprachgemeinschaften.
Baumeister Hans Krings koordinierte die technische Umsetzung in Absprache mit der Stadt. Die Konstruktion verlangt Detailarbeit: rund 13.000 Schrauben und Windlasten, die bei Sturm die Stabilität prüfen könnten, gehörten zu den Herausforderungen.
Programm und Ziele
Das Festival läuft insgesamt 21 Tage und umfasst mehr als 100 Einzelveranstaltungen an unterschiedlichen Orten in Bremen — von Hochschulvorträgen über Einführungslektionen bis zu Konzerten und Ausstellungen. Die Organisatoren erwarten Gäste aus dem In- und Ausland.

- Ort: Universitätsplatz Bremen und weitere Spielstätten in der Stadt
- Laufzeit: 21 Tage; Aufbau der Pyramide beginnt am 21. September und dauert etwa eine Woche
- Konzept: 6.500 Holzquader = 6.500 Sprachen, jede mit eigener Beschriftung
- Angebote: Über 100 Events — Sprachkurse, Theater, Musik, Ausstellungen
- Technik: Ca. 13.000 Schrauben, konstruktive Maßnahmen gegen Windbelastung
Das Festival hat zwei überlappende Absichten: zum einen die Feier der sprachlichen Vielfalt, zum anderen ein klares Signal für den Schutz von bedrohten Sprachen. Stolz verweist auf seine eigenen Feldstudien — etwa zur Chamorro-Sprache auf Guam — und macht deutlich, dass viele kleine Sprachgemeinschaften akut gefährdet sind.
Warum das jetzt wichtig ist
Sprachverlust ist kein abstraktes Problem: Sprache trägt Wissen, Identität und kulturelle Praxis. Wenn eine Sprache verschwindet, gehen spezifische Wissensbestände verloren — etwa ökologisches Wissen oder erzählerische Traditionen. Das Festival will deshalb sowohl Öffentlichkeit als auch junge Menschen für Linguistik und Sprachschutz gewinnen.
Parallel zur Pyramide gibt es Workshops, mit denen Schülerinnen und Schüler niedrigschwellig an neue Sprachen herangeführt werden sollen. Zudem planen Wissenschaftlerinnen und Aktivisten Diskussionsrunden über Erhaltungsstrategien und digitale Dokumentation.
Die Initiatoren streben an, dass die Aktion über Bremen hinaus Wirkung zeigt: die Pyramide soll zum Nachdenken anregen und Debatten über Bildungspolitik, Minderheitenrechte und kulturelle Vielfalt befördern.
Ob die visuelle Installation letztlich zehntausende Besucher anzieht oder vor allem in Fachkreisen diskutiert wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Mit dem Festival rückt das Thema Sprache für einige Wochen in den öffentlichen Raum — und macht sichtbar, was sonst oft nur in wissenschaftlichen Nischen behandelt wird.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.