Aidas Popkolumne: Ist Kunstfreiheit unantastbar? Ein kritischer Blick!

März 20, 2026

Aida fragt, ob wir genügend für unserer Freiheit unternehmen. Die Probleme beim Namen nennen, wie Conan O

Aida hat die Oscar-Verleihung verpasst, aber trotzdem eine klare Meinung dazu. Wie leise sind wir, wenn es um die Einschränkung von Kunst- und Meinungsfreiheit geht?

Habt ihr euch die Nacht um die Ohren geschlagen, um die Oscars live zu verfolgen? Ich muss gestehen – ich habe es nicht. Doch gleich um sechs Uhr morgens war ich online, um zu sehen, wer die Preise abgeräumt hat, was ich verpasst habe und welche Entscheidungen der Academy völlig daneben waren.

Sean Penn als rassistischer General in „One Battle After Another“ für die beste Nebenrolle? Nein danke, solcher offensichtlicher Oscar-Köder sollte nicht belohnt werden, vor allem nicht, wenn Benicio del Toro für seine brillante Darstellung im selben Film nominiert war (danach hatte sogar ich, die normalerweise kein Bier trinkt, Lust auf „ein paar kleine Biere“) und Delroy Lindo für seine herausragende Rolle als Mundharmonikaspieler im ebenso großartigen Musik-Zombie-Rassismus-Thriller „Sinners“. „Marty Supreme“ ging komplett leer aus? Nach Timothée Chalamets unüberlegten Kommentaren zu Oper und Ballett vielleicht verständlich, aber schade um den unterhaltsamen Film, und natürlich, dass die Welt brennt und die Verleihung so tut, als wäre alles in Ordnung.

Der Film des Jahres aus meiner Sicht

Passend dazu, dass mein persönlicher Film des Jahres (und einer der besten, die ich je gesehen habe) in zwei Kategorien nominiert war, jedoch keine Trophäe gewinnen konnte: „Ein einfacher Unfall“. Jafar Panahis Film über Moral, Humanismus und das Verlangen nach Rache angesichts unmenschlicher Gewalt ist für mich der Film des Jahres und hat durch das staatlich durchgeführte Massaker im Iran im Januar und den nun seit zwei Wochen andauernden Krieg erschreckende Aktualität erlangt.

Der Film behandelt nicht nur den Iran, sondern vor allem die Frage, was uns zu Menschen macht. Sollen wir unseren niederen Instinkten nach Rache nachgeben? Ist es erlaubt, sich auf das Niveau einer gewalttätigen Übermacht zu begeben und genauso abscheulich zu sein wie die Monster, die man bekämpft? Oder müssen wir unsere Menschlichkeit, unseren Humanismus und unseren Gerechtigkeitssinn bewahren – gerade dann, wenn es schwierig ist? Jeder wird darauf wohl eine eigene Antwort haben. Doch es ist wichtig, darüber nachzudenken.

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Witze, die tödlich sein können

Der Regisseur Jafar Panahi, der selbst als politischer Gefangener im Iran im Gefängnis saß und mit einem Ausreise- sowie Arbeitsverbot belegt war (welches er ignorierte), war in den letzten Monaten weltweit unterwegs, um über seinen Film zu sprechen. In Cannes, wo er die Goldene Palme für den besten Film gewann, in Berlin zur Berlinale, wo ich ihm zuhören durfte, und in einem beeindruckenden Interview bei Jon Stewart in der „Daily Show“. Dort eröffnete er das Gespräch, indem er Stewart erklärte, dass er im Iran für ein Zehntel dessen, was Stewart und seine Kollegen jeden Abend in ihren Late-Night-Shows sagen, bereits mit der Todesstrafe rechnen müsste.

Und das bringt uns dann wieder nach Deutschland: Kunst- und Meinungsfreiheit sind hier im Grundgesetz garantiert (Artikel 5, ich habe es kürzlich nachgeschlagen, aus Gründen). Aber es scheint mir, als wäre es momentan sehr in Mode, mit dem Vorschlaghammer darauf einzuschlagen. In meiner letzten Kolumne habe ich bereits über die Vorgänge bei der Berlinale und die Versuche des Kulturstaatsministers und seines Hauses berichtet, die Intendantin Tricia Tuttle aus fragwürdigen Gründen zu verdrängen. Das hat zwar vorerst nicht funktioniert, aber ob die Berlinale wirklich weiterhin dieses stolz politische Festival bleibt, das einst als „Schaufenster der freien Welt“ gegründet wurde, bezweifle ich.

Wo bleibt die Musikwelt?

Und die Versuche der Einflussnahme hören nicht auf: In den letzten zwei Wochen war ein Preis in aller Munde, der zuvor so gut wie ignoriert wurde, der Buchhandlungspreis. Warum er dieses Jahr endlich angemessene Aufmerksamkeit erhielt? Weil drei nominierte Buchhandlungen aus mutmaßlich politischen Gründen von der Liste der Preisträger gestrichen wurden. Eh, was bitte? Zum Glück hagelte es Kritik und sogar Rücktrittsforderungen an Weimer. Gut so, denn zumindest zeigt der Kulturbetrieb endlich, dass noch Leben in ihm steckt. Oder?

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Ich bin nicht sicher, aus der Musikszene ist bezüglich dieser Debatten ziemlich wenig zu hören. Glauben wir etwa, dass es Pop und Co. nicht früher oder später auch treffen wird? Große Teile der Musikszene sind von staatlicher Förderung abhängig, und das betrifft nicht nur die Indies, sondern auch einige Major-Projekte, die nicht Shirin David oder Helene Fischer heißen. Das können Fördermittel für Aufnahmen sein, für Tourneen, für internationale Auftritte und die Möglichkeit, auf Showcase-Veranstaltungen zu spielen. Zu glauben, dass derartige Eingriffe des Bundes in die Kunstfreiheit am Pop vorbeigehen, halte ich für äußerst naiv.

Protest – aber bitte nicht zu konkret

Der Kabarettist und ehemalige EU-Abgeordnete Nico Semsrott hat Ende des letzten Jahres die PRÜF-Demos initiiert, die über monatliche Demos deutschlandweit Druck aufbauen sollen, damit Parteien, die als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, geprüft werden, ob sie sich noch auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung befinden. Am Samstag zum Beispiel gab es Demos unter anderem in Berlin. Gute Sache – aber noch ist die Resonanz aus der Musikwelt verhalten. Zwar ist in Berlin zum Beispiel Kid Simius aufgetreten, aber im Vergleich zu früheren Demos war es doch recht dünn. Wir erinnern uns: Bei den Anti-AfD-Demos vergangener Jahre standen auch richtig große Namen auf der Bühne und haben durchaus Publikum gezogen. Diese Demos waren aber, das wissen wir heute, reichlich diffus und ohne konkrete Forderungen. Und deswegen womöglich auch so erfolglos. Jetzt wird’s konkret – und es scheint, als ob da dann viele lieber erst einmal abwarten.

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Aber worauf warten wir? Dass die Angriffe auf Kunst- und Meinungsfreiheit noch stärker werden? Dass der – sowieso schon fragile und nie wirklich dem Ideal entsprechende – Grundkonsens des demokratischen Lebens komplett gesprengt wird? Die Wahlen in Baden-Württemberg haben gezeigt, dass rechtsextreme Aussagen kein Hinderungsgrund für den Aufstieg einer Partei mehr sind, und wir haben noch eine Menge Wahlen vor uns dieses Jahr. Mit jeder dieser Wahlen wächst die Wahrscheinlichkeit, dass eine Partei an die Macht kommt, die von Kunst- und Meinungsfreiheit gar nichts wissen will.

Wo das endet, sehen wir beispielsweise in Ungarn, dessen Ministerpräsident Victor Orbán in den letzten Jahren, man kann es kaum anders sagen, teils sehr erfolgreich versucht hat, Medien- und Kulturbetrieb unter seine Kontrolle zu bringen. Dafür wurde er dieser Tage von den Kolleg:innen der Zeitung Welt mit einem Gastbeitrag belohnt. Der Vibeshift, er scheint real. Aber eigentlich zeigt uns die ältere und auch neuere Popgeschichte ja eines zumindest eindeutig: Autoritarismus und Faschismus klingen Scheiße. Vielleicht steht die Popwelt ja wenigstens dagegen auf.

Aida Baghernejad schreibt freiberuflich unter anderem für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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