Am Sonntag verwandelte ein Kulturprojekt einen 60 Kilometer langen Autobahnabschnitt im Ruhrgebiet in eine einzige Festmeile – nach Schätzungen besuchten rund zwei Millionen Menschen die Veranstaltung. Die Aktion, Teil des Programms der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, setzte bewusst auf die Umnutzung einer Verkehrsader und wurde zum publikumsträchtigen Experiment öffentlicher Raumgestaltung.
Wie die A40 zur Kulturpromenade wurde
Die Strecke zwischen Duisburg und Dortmund blieb für den Autoverkehr komplett gesperrt. Auf einer Fahrbahnreihe wurden Zehntausende Sitzgelegenheiten aufgestellt; die Gegenspur war für Radfahrer und Skater freigehalten, die zwischen den Aufführungen pendeln konnten.
Organisatoren gaben bekannt, dass bis zu 20.000 Tische Platz boten und das Angebot bewusst möglichst vielfältig angelegt wurde. Damit entstand statt beschleunigter Fahrzeuge ein breit gefächertes Kulturangebot direkt auf der Fahrbahn.
Programm und Publikum
Das Spektrum reichte von Lesungen und lokaler Lyrik über Hip-Hop‑Acts bis hin zu nachgestellten historischen Szenen. Einzelne Darbietungen präsentierten traditionelle Trachten und Musik aus anderen Ländern. Besucher konnten gleichzeitig Plätze zum Essen, Gespräche und Live‑Vorstellungen nutzen.
- Literatur & Lyrik: Lesungen lokaler Autorinnen und Autoren
- Musik: Rapper und traditionelle Ensembles aus der Region und der Gemeinde
- Kulturdarstellungen: Nachstellungen ländlichen Lebens aus dem frühen 20. Jahrhundert
- Interkulturelles: Vorführungen mit traditionellen Kostümen und Musik
Logistische Herausforderungen und Wirkung
Ein derart großes Veranstaltungsfeld erfordert umfangreiche Planung: Verkehrsmanagement, Sanitätsdienste, Reinigung und Sicherheitskonzepte mussten koordiniert werden. Für viele Besucherinnen und Besucher bot sich ein neues Erlebnis urbaner Begegnung — die Autobahn wurde zum temporären Treffpunkt.
Die Aktion wirft zugleich Fragen für künftige Stadtplanung und Mobilität auf. Temporäre Sperrungen dieser Größenordnung zeigen, wie öffentliche Flächen anders genutzt werden können, stellen aber auch Anforderungen an Verkehrsumleitungen und die Infrastruktur der Nachbarstädte.
Für Anwohner und Pendler bedeutete die Sperrung Umwege und veränderte Verkehrsflüsse; die langfristigen ökologischen und sozialen Effekte solcher Experimente bleiben Teil der Debatte über urbanen Raum und nachhaltige Mobilität.
Relevanz heute
Solche Projekte sind mehr als einmalige Events: Sie liefern praktische Erkenntnisse zur Umnutzung von Verkehrsflächen und geben Städten Argumente für alternative Planungen. In Zeiten, in denen Städte nach Lösungen für Klimaschutz, Lebensqualität und Verkehr suchen, zeigt das Festival, welche Diskussionen möglich sind — und welche Kompromisse nötig wären.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.