Im September konzentriert sich in Berlin vieles auf Bewegung, Handwerk und Klang: Der Berliner Marathon zieht Spitzenathleten und eine Million Zuschauer an, eine kleine Werkstatt im Prenzlauer Berg setzt auf Möbel aus geborgtem Holz, und ein traditionsreicher Radiosender erlebt in veränderter Form eine Wiedergeburt. Für Berlinerinnen und Berliner bedeutet das: Straßen voller Menschen, nachhaltiges Design vor der Haustür und eine neue Stimme für die multikulturelle Szene.
Berlin-Marathon: Schnellstrecke mit Geschichte
Der Kurs durch die Hauptstadt gilt als einer der schnellsten der Welt – flach, breit und für spätsommerliche Läufe gut geeignet. Am 26. September starten wieder Zehntausende auf der Straße des 17. Juni; die Spitze der Konkurrenz peilt Bestzeiten an, während die breiten Zuschauerreihen Tempo und Stimmung liefern.
Für Zuschauer und Pendler hat das praktische Folgen: Umfangreiche Straßensperrungen und veränderte ÖPNV-Verbindungen prägen den Tag, und wer entlang der Strecke stehen will, sollte früh kommen. Neben den Läufern nehmen traditionell auch Rollstuhlfahrer und Inline-Skater an den Veranstaltungen teil – das Programm läuft über zwei Tage (25.–26. September).
Die Strecke ist zudem ein symbolischer Ort: 1990 liefen die ersten Läuferinnen und Läufer nach der Wiedervereinigung durch das Brandenburger Tor. Für viele Teilnehmer bleibt das Rennen daher mehr als ein reiner Wettkampf.
- Datum: 26. September (Hauptlauf); Nebenveranstaltungen 25.–26. September
- Startzeit: 09:00 Uhr, Straße des 17. Juni / Kleiner Stern
- Ziel & Siegerehrung: Straße des 17. Juni nahe Sowjetischem Ehrenmal; Preisverleihung am Brandenburger Tor gegen 14:00 Uhr
- Teilnehmer: Rund 40.000 Läuferinnen und Läufer; zahlreiche Rolli- und Skate-Teilnehmer
| Event | Datum | Ort | Praxis-Tipp |
|---|---|---|---|
| Berlin-Marathon | 26. September | Straße des 17. Juni / Brandenburger Tor | Früh an den Streckenrand, ÖPNV-Änderungen beachten |
| Not A Wooden Spoon | laufend | Oderberger Straße 2, Prenzlauer Berg | Termin für Maßanfertigungen vorher abklären |
| Radio Multicult | Sendestart 1. September | 88.4 & 90.7 FM (Berlin) | Online-Stream verfügbar unter multcults Website |
Werkstatt-Möbel: Upcycling mit Charakter
Im Prenzlauer Berg hat sich in einer schlichten Werkstatt ein kleiner Produzent auf Möbel aus wiederverwendetem Holz spezialisiert. Der Inhaber, ursprünglich aus London, kombiniert Material aus Abrisshäusern, Sperrmüll und Sägewerksresten zu Einzelstücken: Tische, Lampen, Schränke – jedes Teil trägt Spuren seiner Herkunft.
Die Werkstatt wirkt bewusst reduziert: hinter einer hellen Fassade lagern Bretterstapel, in der Werkstatt riecht es nach Sägemehl. Weil die Nachfrage hoch ist, finden sich nur wenige Objekte im Schaufenster; wer ein eigenes Stück möchte, kann es vor Ort in Auftrag geben. Preise bewegen sich im mittleren Segment – für Handarbeit und langlebige Materialien erwarten Kundinnen und Kunden eine entsprechende Investition.
Ein kleines Café nebenan lädt zu einer Pause ein und ergänzt die ruhige Nachbarschaftsatmosphäre.
Adresse & Kontakt: Oderberger Str. 2, Prenzlauer Berg. Öffnungszeiten variieren; besser vorab per E‑Mail an michael@notawoodenspoon.com nachfragen.
Radio Multicult: Die Rückkehr einer Stimme für Vielfalt
Nach Jahren ohne eine echte Berliner Plattform für internationale Musik startet Anfang September ein neues, privat finanziertes Programm, das die frühere Sendung wiederaufnimmt – unter leicht veränderter Form. Die Macher sehen das Angebot nicht als nostalgische Kopie, sondern als lokale Antwort auf ein offenes, musikalisch vielfältiges Berlin: von Balkan- und afrobeat‑Klängen bis zu lateinamerikanischen Rhythmen.
Die ursprüngliche öffentlich-rechtliche Station hatte 2008 eingestellt werden müssen; die Lücke füllte damals ein auswärtiges Programm aus Köln, das der Berliner Szene jedoch nur begrenzt nahekam. Die neue Sendung will wieder stärker mit Clubs, DJs und lokalen Initiativen zusammenarbeiten.
Sendestart: 1. September auf 88.4 und 90.7 FM; parallel wird ein Webstream angeboten. Aktuelle Informationen und das Programm sind online abrufbar.
Für Hörerinnen und Hörer bedeutet das: mehr lokale Vielfalt im Radio, neue Spielorte für internationale Acts und eine zusätzliche Plattform für Musikerinnen und Musiker, die in etablierten Formaten selten Gehör finden.
Ob Marathon, Manufaktur oder neuer Radiosender – die Ereignisse im September zeigen, wie unterschiedlich sich Öffentlichkeit in Berlin heute formiert: als Großereignis, als handwerkliche Gegenentwurf und als kulturelle Rückkehr.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.