Eine neue Ausstellung rückt Berlins junge Kunstszene ins Rampenlicht — doch gerade ihre Befristung und die Kosten sorgen für Streit. „Based in Berlin“ versammelt 80 lokale Positionen, während viele Stimmen die fehlende dauerhafte Ausstellungsinfrastruktur der Stadt anprangern.
Die Schau im historischen Monbijou Atelierhaus eröffnet eine Bühne für Malerei, Skulptur, Film, Text und Performance; sie ist aber zugleich Sinnbild eines grundsätzlichen Problems: Es fehlt ein permanenter Ort für zeitgenössische Kunst in Berlin.
Seit Jahren locken günstige Mieten und ein offenes Klima Kreative an — doch viele von ihnen sehen ihre Arbeiten eher im Ausland angemessen präsentiert als in der eigenen Stadt. Bei der Eröffnung betonte Bürgermeister Klaus Wowereit, dass die Ausstellung jungen Künstlern eine längst überfällige Sichtbarkeit biete.
Gleichzeitig bleibt die Initiative umstritten. Ein bereits vor zwei Jahren vorgelegter Plan für ein neues Museum für Gegenwartskunst war aus finanziellen Gründen fallengelassen worden. Kritiker monieren nun, dass für ein sechswöchiges Projekt rund €1,6 Millionen eingesetzt wurden, statt in eine dauerhafte Lösung zu investieren.
Hunderte Künstler und Kuratorinnen unterzeichneten eine offene Stellungnahme an die Stadtspitze: Kurzfristige Großprojekte könnten den Bedarf nach langfristiger Infrastruktur nicht ersetzen. Die Debatte berührt damit grundlegende Fragen über Kulturförderung und Prioritäten kommunaler Politik.
Die Ausstellung selbst entstand aus einem offenen Aufruf: Aus rund 1.200 eingereichten Portfolios wählten fünf Kuratoren 80 Arbeiten aus — eine Querschnittsaufnahme, die bewusst unterschiedliche Arbeitsweisen und Themen zusammenführt.
- Laufzeit: sechs Wochen (bis 24. Juli)
- Ort: Monbijou Atelierhaus (mit Begleitprogrammen an weiteren Häusern)
- Teilnehmer: etwa 80 Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Disziplinen
- Budget: circa €1,6 Millionen
- Auswahl: rund 1.200 Bewerbungen, Auswahl durch fünf Kuratoren
Begleitveranstaltungen finden in mehreren Berliner Institutionen statt, darunter der Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) und die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof. Zudem gibt es ein umfangreiches Performance- und Filmprogramm.
Für die Kuratoren war ein zentrales Anliegen nicht nur die Präsentation fertiger Werke, sondern auch ein Blick auf Entstehungsprozesse: Wie entstehen Arbeiten in einem städtischen Umfeld, das ständig im Wandel ist?
Ein Beispiel für diese Herangehensweise ist Rocco Bergers Beitrag „Oil Painting 2010“: Ein Schlauch tropft Altöl auf eine Plastikfläche, die sich allmählich verändert und so die Vergänglichkeit von Bildproduktion sichtbar macht. Solche Arbeiten betonen den Prozesscharakter vieler Beiträge.
Andere Positionen kommentieren die politische Dimension der Förderung direkt. Ein fotografisches Werkpaar etwa setzt ein großes Porträt des Bürgermeisters neben Bilder seiner wichtigsten Herausforderer und spielt damit auf die Verbindung zwischen kultureller Förderung und politischem Kalkül an.
Die Wahl des temporären Ausstellungsortes ist bezeichnend: Das Atelierhaus steht nur noch kurz — der Abriss ist für September vorgesehen. Die Vergänglichkeit des Ortes verleiht der Schau eine zusätzliche, ironische Ebene.
Was bleibt, lässt sich nüchtern zusammenfassen: Die Ausstellung kann Sichtbarkeit schaffen und Diskussionen befördern, sie ersetzt aber nicht die institutionelle Verankerung, die viele in der Berliner Kunstszene fordern. Die Frage, ob Stadtpolitik und Kulturförderung daraus konkrete, nachhaltige Konsequenzen ziehen, entscheidet langfristig darüber, ob Berlins Gegenwartskunst dauerhaft vor Ort verankert wird.
Praktische Daten und Orte im Überblick:
| Element | Details |
|---|---|
| Ausstellungstitel | Based in Berlin |
| Hauptort | Monbijou Atelierhaus (temporär) |
| Weitere Orte | n.b.k., Nationalgalerie/Hamburger Bahnhof und drei weitere Einrichtungen |
| Anzahl Künstler | 80 |
| Laufzeit | sechs Wochen (bis 24. Juli) |
| Haushaltsmittel | ca. €1,6 Millionen |
Für Besucher bedeutet das: Wer Berlins aktuelle Kunstszene erleben will, findet in der Schau einen konzentrierten Einstieg. Für die Branche aber bleibt die zentrale Forderung dieselbe — mehr dauerhafte Räume, bessere Produktionsbedingungen und eine nachhaltige Kulturpolitik.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.