Berlin empfängt wieder Stars und Besucher aus aller Welt und bestätigt seinen Status als Filmhauptstadt. Die Berlinale steht für Vielfalt und lebhafte Diskussionen.
Die roten Teppiche stehen im Kontrast zum Berliner Wintergrau, und die Stadt verwandelt sich erneut in eine Kinometropole anlässlich der 76. Berlinale. Im Gegensatz zu den Filmfestspielen von Cannes und Venedig widmet sich die Berlinale, die 1951 ins Leben gerufen wurde, besonders engagierten Werken. Festivaldirektorin Tricia Tuttle betonte bei der Vorstellung des Programms die herausragenden Filmemacher mit ihrer deutlich erkennbaren Handschrift.
Berlinale 2026: Das Persönliche im Fokus
Die meisten Filme dieser Ausgabe widmen sich nicht politischen Themen wie Donald Trump, Rassismus, Klimawandel oder dem Aufstieg der neuen Rechten. Stattdessen stehen persönliche und familiäre Themen im Vordergrund. Im neuen Film des ungarischen Regisseurs Kornel Mundruczo „Am Meer“, mit Amy Adams in der Hauptrolle, reflektiert eine Frau ihre Identität und ihr Leben nach einer Entzugskur. Nach „Pieces of a Woman“ (2021) ist dies der zweite Film, den der Regisseur mit Hollywoodstars dreht.
Schauspieler im Wettbewerb: Amy Adams, Elle Fanning, Channing Tatum
In der sozialen Satire „Rosebush Pruning“ des brasilianischen Regisseurs Karim Aïnouz glänzt ein erstklassiges Ensemble: Elle Fanning, Pamela Anderson, Jamie Bell und Riley Keough, die Enkelin von Elvis Presley. Der Film handelt von vier Geschwistern, die ein Familiengeheimnis entdecken.
Der mit Spannung erwartete „Josephine“, der im Rahmen des Berlinale Special gezeigt wird, zeigt Channing Tatum als Familienvater, dessen achtjährige Tochter Zeugin eines Verbrechens wird.
Ein beliebtes Winterfestival: 330.000 Eintrittskarten, öffentliche Kinosäle
Obwohl die Berlinale weniger Stars als die Filmfestspiele von Cannes oder die Mostra von Venedig anzieht, weiß sie dennoch, wie man Prominente, insbesondere während manchmal kontroverser Pressekonferenzen, in den Vordergrund stellt. Das weniger glamouröse Image des Festivals ermöglicht es, Filmemacher aus weniger medienpräsenten Ländern zu fördern.
Die Berlinale war schon immer ein Volksfestival. Kein anderes großes Festival verkauft so viele Eintrittskarten an das allgemeine Publikum: 2025 wurden fast 330.000 Tickets verkauft. Im Gegensatz zu Cannes oder Venedig sind die Kinosäle in Berlin nicht ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten: Sie sind ein fester Bestandteil der Stadt.
Von einer Ost-West-Bühne zum internationalen Festival
Auch in diesem Jahr bietet das Programm der Berlinale mehr Sektionen als die meisten seiner Wettbewerber. Neben dem Wettbewerb haben das Panorama und das Forum eine echte internationale Bedeutung. Die Sektion Panorama ist ein Sprungbrett für das unkonventionelle Kino, während das Forum radikale und ästhetisch experimentelle Werke in den Vordergrund stellt.
Die Berlinale war immer ein Schaufenster für das ostdeutsche Kino, sowohl vor als auch nach dem Fall der Mauer. Das Festival ermöglichte es diesen Filmen, erstmals ein breites westliches Publikum und internationale Vertriebe zu erreichen.
In den letzten Jahren hat sich das deutsche Kino zunehmend behauptet. Auch Produktionen aus Asien, Afrika und Lateinamerika werden hervorgehoben. Die Berlinale dient nun mehr als ein globales Forum denn als Brücke zwischen Ost und West.
Deutsches Kino im Wettbewerb: Vier Filme, vier Perspektiven
In diesem Jahr repräsentieren vier Filme das deutschsprachige Kino, eine Auswahl, die das ganze Spektrum dieses Kinos widerspiegelt, von Fragen der ostdeutschen Identität („Etwas ganz Besonderes“ von Eva Trobisch) über ambitionierte Filmkunst („Meine Frau weint“ von Angela Schanelec) bis hin zu historischem Genrekino („Rose“ von Markus Schleinzer) und Migrantenschicksalen. Ilker Çatak, der 2023 für seinen Film „Das Lehrerzimmer“ für einen Oscar nominiert war, erzählt in seinem neuen Film „Gelbe Briefe“ das Schicksal eines türkischen Intellektuellenpaares, das zur Emigration gezwungen ist.
Filme aus Afghanistan, dem Tschad und Singapur
Abseits des Wettbewerbs setzt die Berlinale auf eine Vielfalt der Genres. Die romantische Komödie „No Good Men“ der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat wird zur Eröffnung präsentiert. Ein parodistischer Dokumentarfilm steht mit „The Moment“ auf dem Programm, während Isabelle Huppert in einem Vampirfilm die legendäre „Blutgräfin“ verkörpert. Diese Werke werden außerhalb des Wettbewerbs gezeigt.
Zwei Filme aus zwei sehr unterschiedlichen Ländern, die das Erwachsenwerden thematisieren, stehen im Zentrum des Wettbewerbs. Mahamat-Saleh Haroun aus dem Tschad präsentiert „Soumsoum, the Night of the Stars“ und Anthony Chen aus Singapur schließt seine Familiensaga mit „We Are All Strangers“ ab.
Regisseur Wim Wenders ist Präsident der internationalen Jury
Einer der bekanntesten deutschen Filmemacher, Regisseur Wim Wenders, wird der internationalen Jury der diesjährigen Berlinale vorstehen. Bis zum 21. Februar hat die Jury Zeit, über die Filme zu entscheiden, die verschiedene Preise, darunter den Goldenen Bären, gewinnen werden. Das Festival endet am 22. Februar mit dem traditionellen Publikumstag, an dem Tausende Berliner zu regulären Preisen die Festivalfilme sehen können.
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Lena Hoffmann ist eine Kulturjournalistin mit Leidenschaft für Theater, Literatur und alternative Kunstformen. Seit 2018 berichtet sie für Inside-Reeperbahn.de über Hamburgs kulturelle Szene und bringt dabei authentische Stimmen, neue Perspektiven und kreative Ausdrucksformen zum Vorschein.