Seit langem ein prägendes Element der Kultur in der Hauptstadt, gehört die Berliner Techno-Szene zu den sechs neuen Einträgen auf der „UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland“.
Die Entscheidung fiel diese Woche auf der Konferenz der Kulturminister der 16 Bundesländer Deutschlands zusammen mit Kulturministerin Claudia Roth.
Zu den weiteren neuen kulturellen Schätzen auf der Liste gehören das Bergsteigen in Sachsen, die ‚Finsterwalder‘ Sangeskultur in Brandenburg, die ‚Kirchseeoner Perchtenlauf‘-Tradition am Neujahrstag in Bayern, die ‚Schwälmer‘ Weiße Stickerei aus Hessen und ‚Viez‘, die Weinherstellung aus Äpfeln, Birnen oder Quitten in der moselfränkischen Region.
Die Liste umfasst jetzt 150 Einträge, die die Vielfalt des kulturellen Lebens in Deutschland zeigen.
Warum Berliner Techno ausgewählt wurde
Roth lobte die neuen Einträge als wichtigen Hinweis auf ein erweitertes Kulturverständnis, das die „absurde Trennung“ zwischen ernster und Unterhaltungskultur ablehnt.
Die Aufnahme der Berliner Techno-Kultur sei ein Indiz dafür, sagte sie.
„Ob Subkultur oder traditionelles Handwerk, all das ist Teil des kulturellen Reichtums unseres Landes“, erklärte Roth in einer Pressemitteilung zur Entscheidung.
„Die neuesten Einträge unterstreichen die Vielfalt und Vitalität kultureller Praktiken“, sagte Timon Gremmels (SPD), Vorsitzender der Kulturministerkonferenz.
„Die Liste unseres immateriellen Erbes wächst somit weiter, ebenso wie unser Engagement, Traditionen zu pflegen und langfristig für zukünftige Generationen zu bewahren“, fügte er hinzu.
In den 1980er Jahren entwickelte sich die Berliner Clubszene zu einem der weltweit führenden Zentren der damals beliebten Techno-Subkultur.
Insbesondere das Genre der elektronischen Musik wurde zu einer Art Soundtrack der Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, symbolisiert durch legendäre Clubs wie Tresor, der 1991 eröffnet wurde, und die jährliche Love Parade.
Die Deutsche UNESCO-Kommission definiert Techno als Musik „gekennzeichnet durch elektronische Klänge, die in einer rhythmisch monotonen Struktur aneinandergereiht sind. Sie zeichnet sich durch eine sehr hohe Modulierbarkeit und Bandbreite von Frequenzen aus. DJs führen von einem Track zum nächsten über synchronisierte Übergänge, den sogenannten ‚Mix‘.“
Von der Nische zur Subventionierung
Die Initiative, die Techno-Kultur in die UNESCO-Liste aufzunehmen, wurde von der gemeinnützigen GmbH Rave the Planet vorangetrieben, deren Management Love Parade-Mitinitiator Matthias Roeingh, aka Dr Motte, angehört. Zur Unterstützung der Initiative organisierte Rave the Planet bereits 2022 und 2023 Techno-Paraden in Berlin.
Die Techno-Szene hofft, dass ihr Status als Teil des immateriellen Kulturerbes soziale und rechtliche Vorteile bringen wird. Laut der Website von Dr Mottes Initiative wird dadurch das Bewusstsein gefördert, dass Techno längst aus seiner Nische herausgetreten ist und zu einer eigenen Kulturform geworden ist.
Darüber hinaus könnten die Hürden und Anforderungen für die Eröffnung und den Betrieb von Clubs gesenkt werden. Es wird auch gehofft, dass der Zugang zu staatlichen Subventionen und wohltätigen Finanzierungen für Clubs, die während der Covid-19-Pandemie besonders finanziell angeschlagen waren, einfacher wird.
Welche weiteren neuen Traditionen gibt es auf der Liste?
Beim Bergsteigen in Sachsen bezieht sich die Kommission insbesondere auf die Berghütten und ‚Boofen‘, traditionelle Freiluft-Übernachtungsplätze, die von Kletterern genutzt werden. Das ‚Boofen‘ ist „ein ganzheitliches Erlebnis, das soziale Interaktion im Kontext eines respektvollen und zurückhaltenden Umgangs mit der Natur ermöglicht“.
Laut der Deutschen UNESCO-Kommission entwickelte sich die ‚Finsterwalder‘ Sangeskultur aus einem drei- bis vierstimmigen A-cappella-Gesang, dem Couplet von 1899 des Komponisten Wilhelm Wolff „Wir sind die Sänger von Finsterwalde“. In der kleinen Stadt im östlichen Brandenburg ist dies eine identitätsstiftende Sangeskultur, die Chöre und Musikgruppen ständig weiterentwickeln.
Der ‚Kirchseeoner Perchtenlauf‘ findet im oberbayerischen Markt Kirchseeon statt, wo die Perchten – erschreckende, schön maskierte Figuren – umherziehen, um das neue Jahr einzuläuten. Die Kirchseeoner Perchten gelten als Glücksbringer, die symbolisch die Geister der Dunkelheit vertreiben und die Geister neuer Anfänge wecken.
Die ‚Schwalm‘ Weiße Stickerei ist eine traditionelle Handwerkstechnik, die in der Region Schwalm in Hessen und darüber hinaus praktiziert wird. Verschiedene Motive werden mit weißem Faden auf fest gewebtem Leinen gestickt.
Zuletzt ist ‚Viez‘ ein Wein, der aus kultivierten Apfel-, Birnen- und Quittensorten hergestellt wird. Laut Beschreibung der UNESCO-Kommission stärkt der Anbau die Biodiversität und prägt das Bild der Kulturlandschaft in der moselfränkischen Sprachregion.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.