Eine Anekdote aus den frühen Nullerjahren wirft ein ungewohnt ernüchterndes Licht auf das Tourleben von Blink-182: Auf dem Abschluss einer gemeinsamen Reise mit Cypress Hill gerieten zwei Bandmitglieder derart außer Kontrolle, dass das Konzert für sie zur Tortur wurde. Travis Barker hat die Szene nun in einem aktuellen Gespräch mit Zane Lowe noch einmal ausführlich beschrieben – und zieht daraus eine klare Lehre.
Der Vorfall datiert auf das Jahr 2004, als Blink-182 ihr selbstbetiteltes fünftes Album live präsentierte. Laut Barker kamen die Rapper von Cypress Hill vor dem Gig in die Garderobe und boten an, den letzten Tourabend gemeinsam zu beenden – mit Cannabis. Was als routinierte Geste unter Kollegen begann, eskalierte schnell.
Barker schildert, dass das Gras überraschend stark wirkte; binnen Minuten verloren er und Gitarrist Tom DeLonge das Gefühl für Zeit und Situation. Der Schlagzeuger geriet in Panik: Als einziger high auf der Bühne zu stehen, erschien ihm als Alptraum. DeLonge, der nach eigenen Angaben kaum rauchte, ließ sich wider Erwarten überreden.
Das Konzert als Zeitdehnung
Unvorbereitet und benommen betraten die beiden die Bühne, während Bassist Mark Hoppus nüchtern blieb. Barker beschreibt das Set als das längste seiner Karriere – jeder Song zog sich endlos, er selbst fühlte zwar Muskelbewegungen, war aber geistig abwesend. DeLonge war so weit weg, dass er zwischen den Stücken nicht mehr scherzen oder das Publikum erreichen konnte.
Im Verlauf des Auftritts wandte sich DeLonge zu Barker und formte mit den Lippen: „Ich will nach Hause.“ Barker, gleichermaßen betroffen, dachte laut seiner Darstellung nur: „Gilt für mich genauso.“ Hoppus erkannte die Lage und kommentierte das Verhalten später offen während des Sets.
- Wann: Abschluss der Tour, 2004
- Wer: Travis Barker, Tom DeLonge (beide high), Mark Hoppus (nüchtern), B‑Real und Sen Dog (Cypress Hill)
- Warum relevant: öffentliches Auftreten unter Einfluss, Sicherheits- und Profi‑Konsequenzen
- Folge: Barker verzichtete nach dem Erlebnis auf Cannabis
Die Geschichte war teilweise schon in Barkers Biografie zu finden; im neuen Interview mit Lowe ergänzte er Details und betonte die anhaltende Wirkung auf seine Einstellung. Für Barker endete der Abend nicht als lustige Anekdote, sondern als deutliche Grenze: Keine weiteren Auftritte unter Rauschzustand.
Warum das heute noch interessiert: Tourneen stehen weiterhin für extreme Belastungen – Müdigkeit, Erwartungsdruck und Gruppendynamik können in riskante Situationen führen. Wenn gestandene Profis wie Barker und DeLonge damit Probleme bekommen, lässt das Fragen zur Tourorganisation, zu Pausenregelungen und zu Hilfsangeboten für Musiker aufkommen.
Aus redaktioneller Sicht bleibt die Episode eine prägnante Erinnerung daran, dass Bühnenpräsenz nicht nur Entertainment ist, sondern auch Verantwortung gegenüber Publikum und Kollegen. Barkers Schlussfolgerung, sein Konsumverhalten zu ändern, gibt dem Vorfall zudem einen lehrreichen Abschluss statt einer bloßen Peinlichkeit.
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Tom Schneider ist Musikliebhaber, DJ und Redakteur bei Inside-Reeperbahn.de. Er schreibt mit Herzblut über neue Bands, alte Legenden und die Hamburger Clubszene. Seine Artikel verbinden Recherche mit persönlichem Erleben und bieten echten Mehrwert für Musikfans.