Künstler*innen fordern von der Stadt Berlin Schadenersatz, weil Teile der berühmten East Side Gallery bei Restaurierungsarbeiten entfernt, übermalt oder ohne Einwilligung reproduziert worden sein sollen. Die Auseinandersetzung hat praktische Folgen für das kulturelle Erbe der Stadt und könnte Präzedenzwirkung für den Umgang mit öffentlichen Kunstwerken haben.
Die East Side Gallery erstreckt sich über rund 1,3 Kilometer der Berliner Mauer. Direkt nach dem Fall der Mauer 1990 bemalten internationale Künstlerinnen und Künstler dieses Stück als Mahnmal für Frieden; nach der Wiedervereinigung verfielen die Motive zunehmend, bevor im Jahr 2000 umfangreiche Restaurierungen begannen.
Konflikt um Entfernung und Nachmalen
Bei den Restaurierungen kam es nach Angaben Beteiligter zu Eingriffen durch ein Sandstrahlverfahren, das viele Originalarbeiten entfernte. Daraufhin baten Verantwortliche die Urheber, ihre Motive erneut aufzutragen – eine Bitte, die nicht alle akzeptierten. Einige Künstler kritisierten, sie seien weder ausreichend an den Einnahmen beteiligt worden noch habe man die künstlerische Authentizität respektiert.
Der Bildhauer und Maler Bodo Sperling hat nun juristisch reagiert. Laut Bericht der Berliner Morgenpost verlangt sein Anwalt Hannes Hartung eine Entschädigung von mindestens 20.000 Euro, weil Sperlings Arbeit mit dem Titel „The transformation of the pentagram to a peace star in a Europe without walls“ entfernt und ohne seine Zustimmung neu aufgetragen worden sei. Hartung sagte dem Bericht zufolge, weitere Künstler seien ähnlich behandelt worden; für zwei von ihnen fordert er jeweils 3.000 Euro.
Der Anwalt betont, die Werke hätten mit größter Sorgfalt behandelt werden müssen – in der Form, wie man es bei Wandmalereien alter Techniken erwarten würde. Frühere Forderungen nach Ausgleichszahlungen seien zuvor abgelehnt worden.
Nicht alle Maler reagierten gleichermaßen ablehnend: Einige übermalten ihre Arbeiten wieder, wenn auch mit Vorbehalten. Ein bekanntes Beispiel ist der russische Künstler Dmitry Vrubel, der 2009 feststellen musste, dass sein ikonisches „Brother Kiss“-Bild entfernt worden war. Beim Wiederauftragen berichtete er, er habe dabei durchaus Sorge empfunden, weil Details nicht mehr exakt erinnerlich gewesen seien.
Was jetzt auf dem Spiel steht
- Rechtliche Folgen: Die Urteile könnten festlegen, in welchem Umfang Städte für Eingriffe in öffentliche Kunst haften.
- Kulturelles Erbe: Entscheidungen beeinflussen, wie empfindliche Werke bei künftigen Restaurierungen behandelt werden.
- Finanzen und Tourismus: Forderungen könnten städtische Haushalte belasten und die Verwaltungspraxis gegenüber Touristenattraktionen verändern.
| Aspekt | Kurzinfo |
|---|---|
| Ort | East Side Gallery, Berlin |
| Länge | Circa 1,3 km |
| Ursprung | Gemalt 1990 als Friedensdenkmal |
| Restaurierungen | Seit etwa 2000, teils mit Sandstrahlen-Eingriffen |
| Aktuelle Forderungen | Mindestens €20.000 (Sperling) sowie je €3.000 für zwei weitere Künstler laut Anwalt |
| Quellen | Berliner Morgenpost, ergänzende Berichte in The Local |
Die laufenden Klagen machen deutlich, dass es bei Restaurierungen öffentlicher Kunst nicht nur um technische Fragen geht, sondern auch um Rechte, Wertverteilung und die Bewahrung von Originalität. Beobachterinnen und Beobachter sollten nun auf den weiteren Verlauf der Verfahren sowie auf mögliche Anpassungen bei künftigen Erhaltungsmaßnahmen achten.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.