Langsamstes Konzert der Welt wird zehn Jahre alt: Zuschauer erwartet rekordlange Performance

Juni 3, 2026

World's slowest concert crawls to 10th anniversary

Ein ungewöhnliches Musikexperiment feierte am Montag sein zehnjähriges Bestehen – obwohl das Werk erst in mehr als sechs Jahrhunderten enden soll. Für Besucher ist die Aufführung in der mittelalterlichen Kirche von Halberstadt eine ungewöhnliche Einladung, den eigenen Zeitsinn zu hinterfragen; organisatorisch bleibt das Projekt dagegen fragil.

Der Komponist John Cage schrieb das Stück Organ2/ASLSP (As Slow as Possible) in den 1980er Jahren als Orgelversion einer zuvor entstandenen Klavierkomposition. Die Aufführung in der St.-Burchardi-Kirche begann am 5. September 2001 und ist auf insgesamt 639 Jahre angelegt; das Ende ist für das Jahr 2640 vorgesehen.

Initiatoren verstehen die Langzeitaufführung als Gegenentwurf zur Beschleunigung des Alltags: Der langsame, kontinuierliche Klang soll dazu anregen, Wahrnehmung und Rhythmus neu zu justieren. Gleichzeitig hat das Projekt ganz handfeste Herausforderungen: Anwohnerbeschwerden über durchdringende Töne zwangen die Verantwortlichen, lärmisolierende Maßnahmen an der Kirche vorzunehmen.

  • Start: 5. September 2001
  • Gesamtdauer: 639 Jahre (Ende 2640)
  • Ort: St.-Burchardi-Kirche, Halberstadt
  • Komponist: John Cage
  • Finanzierung: überwiegend private Spenden, keine gesicherten öffentlichen Zuschüsse
  • Nächstes Etappenziel: 2071, Abschluss des ersten von acht Teilen

Rainer O. Neugebauer, Vorsitzender der für das Vorhaben verantwortlichen Stiftung, betont, dass jeder weiterlaufende Tag bereits ein Ereignis sei – besondere Jubiläumsaufführungen sind deshalb nicht geplant. Zugleich weist er auf die prekäre Haushaltslage hin: Das Projekt existiert hauptsächlich dank privater Unterstützung und müsse wirtschaftlich sehr sparsam geführt werden.

Für Kulturinteressierte bleibt die Chance auf unmittelliche Erfahrung: Die Kirche ist für Besucher geöffnet, die den langsamen Wandel der Klanglandschaft vor Ort verfolgen wollen. Auf diese Weise wird das Stück nicht nur als musikalische Kuriosität, sondern auch als öffentlich zugängliches Langzeitexperiment erfahrbar.

Warum das heute relevant ist: In einer Zeit, in der Tempo als Wert gilt, stellt das Vorhaben eine laufende Provokation des Gewohnten dar – und wirft zugleich Fragen zur Nachhaltigkeit kultureller Projekte auf, die über Generationen gedacht sind.

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