Gemeinsam gegen Fake News: Wie wir Desinformation bekämpfen können

Mai 22, 2025

Ensemble contre la désinformation

Weltweit kämpfen Medienprofis gegen Manipulation und Vertrauensverlust. Auf Einladung des Auswärtigen Amtes teilen sie ihre Erfahrungen.


An einem sonnigen Frühlingstag versammeln sich in Berlin 15 Journalisten aus verschiedenen Ländern in einem Seminarraum. Ein Fernsehredakteur und Podcaster aus Serbien findet klare Worte, um die Bedrohungen für Medienprofis in seinem Heimatland zu beschreiben, die der aktuellen Regierung im Wege stehen.

Er erhält Zustimmung von einer Online-Journalistin aus Georgien und der Leiterin einer NGO aus Tadschikistan. Für sie ist die direkte staatliche Einflussnahme auf ihre Arbeit alltäglich. „Es ist schon schlimm genug, dass Journalisten in vielen Ländern damit rechnen müssen, dass ihre Geräte gehackt werden. Aber was tun, wenn der eigene Staat solche Aktionen ermöglicht, sich nicht einmal versteckt?“, fragte sie. Bei einem vorherigen Roundtable mit einem Vertreter von Reporter ohne Grenzen wurde die Pressefreiheit in den verschiedenen Ländern diskutiert, wobei eine Journalistin die Situation in ihrem Land nur als „Flucht“ beschreiben konnte.

Vertrauensverlust in den Medien

Während einer Woche diskutieren Medienprofis über die Einschränkungen der Pressefreiheit als Teil eines Besuchsprogramms der Bundesrepublik Deutschland. Sie sprechen insbesondere über ein Thema, das auch in Deutschland immer problematischer wird: Desinformationskampagnen und ihre Folgen für die wichtige Arbeit der Medien. In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap glauben 42 Prozent der Befragten, dass die Medien nicht mehr glaubwürdig sind – der höchste Wert seit 1950. „Wir erleben einen deutlichen Vertrauensverlust“, sagte Steffen Grimberg, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands Berlin-Brandenburg.

Viele Medienvertreter kämpfen gegen den Vertrauensverlust in ihren Ländern. Eine Fernsehjournalistin aus Botswana stellte die entscheidende Frage: „Wie können wir dieses Vertrauen zurückgewinnen?“ Die Antwort von Steffen Grimberg erntete zustimmende Nickens: durch saubere Arbeit und klare Darstellung journalistischer Qualitätsstandards. „Hier muss die Branche sich selbst kritisch betrachten. Wir beobachten ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Berichterstattung und Kommentar – das ist eine beunruhigende Entwicklung“, erklärte Grimberg.

Die Herausforderung der Selbstzensur

Im Laufe des Tages wurde deutlich: Der Druck auf Journalisten weltweit hat mehrere Schichten. Desinformation spielt eine entscheidende Rolle, interagiert jedoch mit anderen Aspekten wie repressiven Tendenzen, Finanzierungsmängeln und einem Phänomen, über das immer mehr Medienprofis klagen: eine Verengung des Meinungskorridors, die zu Formen der Selbstzensur führt. Reporter ohne Grenzen beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema und führt derzeit eine qualitative Studie dazu durch. „Wir tun uns noch schwer mit diesem Begriff“, erklärt Katharina Viktoria Weiß, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei Reporter ohne Grenzen. „Besonders im Vergleich zu den Bedrohungen, denen Journalisten in anderen Ländern ausgesetzt sind, erscheinen solche Probleme eher marginal. Dennoch sind sie Teil des Spektrums und dürfen nicht ignoriert werden.“

Ein investigativer Journalist aus Südafrika, der an der Reise teilnahm, war überrascht, wie die Bedrohung durch Desinformation in Deutschland wahrgenommen wird. „Man hat den Eindruck, dass die Menschen hier sich erst jetzt für das Thema interessieren. Menschen in Afrika sind es gewohnt, Informationen zu hinterfragen, wir sind in dieser Hinsicht viel widerstandsfähiger als die Westler.“ Er unterstützt den Kampf westlicher Medien gegen Desinformation, wünscht sich jedoch gleichzeitig eine Aufarbeitung oft voreingenommener Berichte des Westens über afrikanische Länder.

Erkennen und Entlarven

Die Gruppe zeigte sich beeindruckt von der Herangehensweise der gemeinnützigen Redaktion Correctiv, die im November 2023 internationale Aufmerksamkeit erregte, indem sie ein deutsches rechtsextremes Netzwerk aufdeckte. Laut Caroline Lindekamp, Leiterin des Faktenforums bei Correctiv, reicht es nicht mehr aus, gegen Desinformationskampagnen anzukämpfen, indem man falsche Wahrheiten widerlegt – das sogenannte „Debunking“: „Es ist ebenso wichtig, die Menschen im Voraus auf die Merkmale von Fake News vorzubereiten.“ Correctiv engagiert sich in diesem Bereich des „Prebunking“ mit Informationsveranstaltungen und Aufklärungskampagnen. Generell ist es wichtig, Bürgerinnen und Bürger stärker einzubeziehen. Das ist auch der Ansatz des Faktenforums, einer Online-Plattform von Correctiv. Sie ermöglicht es den Bürgerinnen und Bürgern, unabhängig von ihren journalistischen Kenntnissen, an der Überprüfung von Fakten teilzunehmen und sich für einen auf Fakten basierenden Diskurs einzusetzen.

Nach einer ereignisreichen Woche, die die Gruppe unter anderem zur Bundeszentrale für politische Bildung und zum Deutschen Institut für Auswärtige Politik führte, resümiert der Journalist aus Südafrika: „Ich habe hier so viele großartige Kollegen getroffen, die unter schwierigsten Bedingungen fantastische Arbeit leisten, dass mir die Bedeutung und die Ehre unseres Berufs noch bewusster geworden sind.“

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