Julia Tayps, Angehörige der deutschen Minderheit in der Ukraine, gründete ein Kulturzentrum, das seit Kriegsbeginn zu einer Hilfsstelle für alle wurde.
„Meine ersten Erinnerungen an die deutsche Sprache führen mich zurück in unsere Küche: Dort sprachen meine Großmutter und meine Urgroßmutter Deutsch. Ich wurde 1991 in Mukatschewo geboren, im Westen der Ukraine, doch meine Vorfahren kamen vor etwa 250 Jahren aus Franken, wie viele Familien damals. In der Sowjetzeit wurde das Deutsche verboten, aber die ältere Generation sprach es weiterhin unter sich, wie meine Großmutter und Urgroßmutter. Deshalb nenne ich es liebevoll ‚Küchendeutsch‘.“
Für mich war die deutsche Sprache immer ein Teil meines Lebens.
In Transkarpatien zählt die deutsche Minderheit heute etwa 5.000 Personen. Es gibt auch deutschsprachige Kirchen; früher besuchte ich immer mit meiner Großmutter die Messe. Danach trafen sich die Älteren, tranken Tee zusammen und sprachen Deutsch. Ich habe mich oft gefragt: ‚Wo sind die Jungen?‘ Für mich war die deutsche Sprache immer ein Teil meines Lebens.
Deshalb gründete ich 2018 die Organisation ‹Deutsche Jugend in Transkarpatien›. Im Jahr 2023 half uns Deutschland, ein Kulturzentrum in Mukatschewo, das ‹Deutsche Haus›, zu eröffnen. Eine unserer Prioritäten ist die Organisation kostenloser Deutschkurse. Weiterhin bieten wir Jugendclubs, Literaturclubs, eine Theatergruppe, einen Chor und Hausaufgabenhilfe an. Und jedes Jahr veranstalten wir zu Weihnachten eine Reise nach Deutschland.
Seit Kriegsbeginn hat sich unser Kulturzentrum in ein humanitäres Hilfszentrum verwandelt. Wir haben viele internationale Kontakte, zum Beispiel mit UNICEF oder dem UNDP. Zudem befinden wir uns hier – sofern man das sagen kann – in einer relativ sicheren Region der Ukraine, nahe der Grenze zu Ungarn, Polen und der Slowakei. Regelmäßig erhalten wir Hilfsgüterkonvois aus Deutschland und anderen Ländern. Ein Teil der humanitären Hilfe wird an die vielen intern Vertriebenen in der Region verteilt, ein anderer Teil geht an Bedürftige im Osten der Ukraine. Und das natürlich unabhängig davon, ob sie zur deutschen Minderheit gehören oder nicht – Hilfe kennt keine Nationalität.“
Die Deutsche Jugend in Transkarpatien ist eine Partnerorganisation des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa).
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Lena Hoffmann ist eine Kulturjournalistin mit Leidenschaft für Theater, Literatur und alternative Kunstformen. Seit 2018 berichtet sie für Inside-Reeperbahn.de über Hamburgs kulturelle Szene und bringt dabei authentische Stimmen, neue Perspektiven und kreative Ausdrucksformen zum Vorschein.