Menschliches Gehör: Entdecken Sie, warum wir echte Hör-Tiere sind!

Januar 7, 2026

« L’humain est un animal de l’ouïe »

Singen löst Gefühle aus, schafft Verbindungen und stärkt das Immunsystem. Der Neurologe Eckart Altenmüller erklärt, warum kein anderes Lebewesen so hört, fühlt und Töne erzeugt wie wir.


Herr Professor Altenmüller, als Neurologe und Musiker haben Sie 30 Jahre lang die Auswirkungen des Singens erforscht. Was empfinden Sie selbst, wenn Sie singen?

Ich erlebe ein tiefes Wohlbefinden. Ich fühle mich leistungsfähig, freue mich über meinen gesunden Körper und die Emotionen, die ich mit meiner Stimme erzeugen kann. Es befreit mich und macht mich glücklich.

Singen Menschen also, um glücklich zu sein?

Das auch, aber Singen ist viel mehr. Es ist ein sehr altes Kommunikationssystem. Unsere Vorfahren nutzten melodische und rhythmische Töne, um Emotionen zu teilen und Gruppen zu koordinieren. Es gibt kein anderes Lebewesen, das so viele akustische Muster aufnehmen und erzeugen kann wie der Mensch. Der Mensch ist ein Hörtier. Es ist wahrscheinlich, dass dies früher eine Überlebensstrategie war – es gibt die Theorie, dass unsere Vorfahren nachts aktiv waren und sich über Töne verständigten.

Welches Ergebnis aus all den Studien, die Sie gelesen haben, hat Sie am meisten überrascht?

Wie sehr Singen die Gesundheit beeinflusst – und wie selten wir es nutzen. Gemeinsames Singen erhöht den Gehalt an Immunglobulin A im Speichel, einem wichtigen Antikörper gegen Krankheitserreger. Der Effekt ist vor allem mit Freude und positiver emotionaler Wahrnehmung verbunden, wenn man zusammen singt. Hier sieht man, wie direkt musikalische Aktivität auf körperliche Prozesse einwirkt.

Die ersten Lautäußerungen von Babys zeigen es sehr deutlich: Sie erzeugen melodische und rhythmische Muster, lange bevor sie sprechen.

Ab wann ist dieses grundlegende Verhalten sichtbar?

Schon im Mutterleib. Die ersten Lautäußerungen von Babys zeigen es sehr deutlich: Sie erzeugen melodische und rhythmische Muster, lange bevor sie sprechen. Eltern weltweit können diese Muster instinktiv verstehen und ihre Babys durch Singen beruhigen. Das zeigt, wie tief verwurzelt Singen in uns ist. Es strukturiert Emotionen, schafft Verbindungen und gehört zu unseren grundlegenden Überlebensmechanismen.

Warum fällt es dann vielen Menschen oft schwer, sich zu überwinden und zu singen?

In unserer westlichen Kultur versuchen wir, unsere innere Welt zu verbergen, weil wir denken, dass sie uns verwundbar macht. In Deutschland haben wir zudem das Singen mit Expertise belastet. In vielen Kulturen ist das Singen selbstverständlicher Teil des Alltags. Afrikanische Stämme oder Aborigines haben rituelle Gesänge, und niemand schämt sich dafür. Menschen singen, wie sie sprechen. Bei uns hat sich eine Perfektionsanforderung entwickelt, die vielen Angst macht.

Was gibt Ihnen Hoffnung für die Zukunft des Singens?

Das gemeinsame Singen erlebt heute ein Revival. Projektchöre, gemeinschaftliche Gesangsveranstaltungen, neue Festivals: Überall entstehen offene Formate, an denen jeder teilnehmen kann. Die Menschen suchen diese Form der Gemeinschaft. Wenn wir die Nachwuchsarbeit in Chören fördern, hat das Singen eine strahlende Zukunft.

Professor Eckart Altenmüller

ist Neurologe, Musiker und einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der Auswirkungen von Musik und Gesang. Er leitete viele Jahre das Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin in Hannover und erforscht seit Jahrzehnten, wie Singen das Gehirn, die Emotionen und die Gesundheit beeinflusst.

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