Vor 150 Jahren wurde Rainer Maria Rilke geboren. Zu Lebzeiten bereits gefeiert, berührt der deutschsprachige Dichter auch heute noch Menschen weltweit.
Rainer Maria Rilke, geboren am 4. Dezember 1875, gilt heute als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker. Nach seinem Tod im Jahr 1926 im Alter von nur 51 Jahren wurden in ganz Europa Ehrungen und Gedenkveranstaltungen abgehalten. In Berlin äußerte der Schriftsteller Robert Musil den oft zitierten Satz: „Dieser große Dichter hat nichts anderes getan, als die deutsche Dichtung zum ersten Mal zu vollenden.“
Verehrt und umstritten
Dennoch war Rilke nicht unumstritten. Bertolt Brecht kritisierte den „bürgerlichen“ Dichter mit der Bemerkung, er schriebe „an der Wirklichkeit vorbei“. Und sein Schriftstellerkollege Gottfried Benn bezeichnete Rilkes Gedichte als „Knetmasse der Reime“. Von seinen Kritikern wurde er als unpolitischer Ästhet und „Liebling des Bürgertums“ angesehen, dessen lyrische Poesie die sozialen Konflikte seiner Zeit überdeckte.
Heute sind diese Kritiken weitgehend in Vergessenheit geraten. Rilke wird weltweit gelesen und geschätzt. Nicht nur Studenten der Germanistik kennen sein Gedicht „Der Panther“, sein „Stunden-Buch“, die „Duineser Elegien“ oder seinen einzigen Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“. Rilke hat auch Eingang in die Popkultur gefunden. Die amerikanische Sängerin Lady Gaga etwa erklärte in einem Interview: „Ich lese täglich Rilke.“ Sie ließ sich sogar ein Zitat aus „Briefe an einen jungen Dichter“ in gotischen Lettern auf ihren linken Arm tätowieren.
Obwohl viele junge Menschen Rilkes Verse mögen, ist seine Biografie weniger bekannt. Bereits zu Lebzeiten wurde er von einigen als „Heiliger“ verehrt, wie Clemens J. Setz in seinem Buch „Rainer Maria Rilke. 100 Seiten“ schreibt. Trotzdem stand er nie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit als Person. Er war kein Star der Literaturwelt. Es scheint eher, als ob der Dichter auf der Flucht war. Rilke war ständig unterwegs und lebte an verschiedenen Orten. Er kannte viele Menschen, denen er wunderbare Briefe schrieb.
René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke wurde in Prag geboren. Seine Mutter, die den frühen Tod ihrer ältesten Tochter nie überwunden hatte, zog ihn zunächst als Mädchen auf. Doch er musste die Militärschule in St. Pölten und später die Handelsakademie in Linz besuchen, bevor er 1892 nach Prag zurückkehrte, um Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie zu studieren. Danach wandte er sich dem Rechtsstudium zu und zog nach München. Dort traf er die Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé, die einen entscheidenden Einfluss auf ihn hatte. Sie überzeugte ihn, seinen Vornamen von René in Rainer zu ändern, was „männlicher“ sei. 1897 folgte er ihr nach Berlin.
Ähnliche Beiträge:
- Deutsches Archiv erwirbt Rilke-Sammlung: Einzigartige Werke des berühmten Dichters entdeckt!
- Die Brüder Grimm: Wie ihre Märchen weltweit die Popkultur prägen. Entdecken Sie magische Fakten!
- Bayerische Königsschlösser zum Weltkulturerbe ernannt: Ein majestätisches Erbe!
- Goethe-Städte entdecken: Auf den Spuren des poetischen Genies!
- Deutschland feiert Beethoven: 250 Jahre alter Popstar im Rampenlicht!

Lena Hoffmann ist eine Kulturjournalistin mit Leidenschaft für Theater, Literatur und alternative Kunstformen. Seit 2018 berichtet sie für Inside-Reeperbahn.de über Hamburgs kulturelle Szene und bringt dabei authentische Stimmen, neue Perspektiven und kreative Ausdrucksformen zum Vorschein.