Das Gesichtstattoo hat nun auch die letzte Bastion gesellschaftlicher Tabus durchbrochen und ist im Mainstream angekommen.
1. Der Vorreiter
Die Akzeptanz von Tattoos im Gesicht als allgemeine Stiloption verdanken wir dem Auftritt des mit Gesichtstattoos versehenen Rappers und R’n’B-Sängers Post Malone bei den „MTV Video Music Awards“ 2018, wo er überraschenderweise neben Aerosmith auftrat. Auf Malones Stirn prangt das Wort „stay away“ umgeben von Stacheldraht, und unter seinen Augen finden sich die Worte „always“ und „tired“.
Ähnlich hat sich auch der stark tätowierte Instagram-Berühmtheit Justin Bieber neuerdings für Tattoos im Gesichtsbereich entschieden.
2. Erzählkunst ist entscheidend
Anscheinend muss diese Art der Körperkunst erst von weißen Popstars praktiziert werden, um Mainstream zu werden. Nach dem Beispiel von Lil Wayne, der bereits in den frühen 2000ern sein Gesicht mit Tinte zierte, hat sich das Gesichtstattoo bereits eine Weile im US-HipHop etabliert, der künstlerisch oft als „unzurechenbar“ gilt: Sucht nach Namen wie 21 Savage und Gucci Mane und bewundert Werke wie „Messer zwischen den Augenbrauen“ oder „Eistüte auf der Wange“, während das Gesicht von 6ix9ine wie die Innenseite einer Toilettenkabinentür aussieht.
3. Die neunziger Jahre
Schon seit den 90er Jahren lassen sich Musiker aus den Genres Punkrock, Hardcore und Metal Tattoos zwischen die Ohren stechen.
Darunter Mitglieder von Bands wie Korn, Mastodon, Blink-182 und Rancid.
4. Charles Manson
Ein besonders berüchtigtes Beispiel für ein Gesichtstattoo war lange Zeit das Hakenkreuz, das sich der Mord-Sektenführer Charles Manson 1970 auf die Stirn tätowieren ließ, was tatsächlich eher ein Brandzeichen war.
5. Das Schönheitsideal
In den Kulturen der Ureinwohner Neuseelands und Polynesiens waren Gesichts- und Körperbemalungen, die durch Kratzen und Schaben aufgetragen wurden, Teil des Schönheitsideals und Ausdruck des sozialen Status.
Bei den nordafrikanischen Berbern waren spirituelle, blau-grüne Tätowierungen im Gesicht hauptsächlich Frauen vorbehalten.
6. Das Statement
In westlichen Kulturen galt das Gesichtstattoo bislang oft als Ausdruck der Ablehnung gesellschaftlicher Normen. Ein extremes Beispiel dafür sind lateinamerikanische Straßengangs wie Mara-18, deren Mitglieder ihre Gangsymbole über das ganze Gesicht stechen lassen. In Ländern wie El Salvador kann ein solches Tattoo ausreichen, um vor Gericht zu landen.
7. Problem bei der Jobsuche
In den USA werden Gesichtstattoos von Tätowierern auch „Job-Stopper“ genannt.
8. Die Träne
Das wohl bekannteste Kriminellen-Tattoo ist die Träne unter dem Auge. Sie kann für das Verbüßen langer Haftstrafen, für einen begangenen Mord oder dafür stehen, dass man im Gefängnis auf diese Weise von einem Vergewaltiger „gekennzeichnet“ wurde. Doch sie wird auch als Zeichen der Trauer getragen, wie etwa Amy Winehouse, die 2007 auf diese Weise um ihren Ehemann Blake Fielder-Civil trauerte, der im Gefängnis saß.
9. Die Modewelt
Auch die Modeindustrie hat längst begonnen, mit diesen „gefährlichen“ Styles zu spielen, auch wenn sie nur aufgemalt sind: John Galliano malte bereits 1996 für eine Givenchy-Show den Models ethnische Verzierungen ins Gesicht.
10. Die Nachahmer
Weitere bekannte Persönlichkeiten, die Gesichtstattoos imitierten: Money Boy, Zayn Malik (Ex-One-Direction) und LaFee.
11. Das Rolling-Stones-Album
Auf dem Cover des sechzehnten Albums der Rolling Stones, TATTOO YOU von 1981, ist ein stark bearbeitetes und bemaltes, androgynes Porträt von Mick Jagger zu sehen.
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Tom Schneider ist Musikliebhaber, DJ und Redakteur bei Inside-Reeperbahn.de. Er schreibt mit Herzblut über neue Bands, alte Legenden und die Hamburger Clubszene. Seine Artikel verbinden Recherche mit persönlichem Erleben und bieten echten Mehrwert für Musikfans.