Paulas Popwoche: Liebe, Leidenschaft und Musik – Entdecke die Hits für schwierige Tage!

April 18, 2026

Robyn

Warum Naïka an Fettes Brot denken lässt, wie Robyn die Liebe als Rebellion interpretiert und was „Heated Rivalry“ zu bieten hat.

Instagram scheint überwiegend Zeitverschwendung zu sein, doch gelegentlich stößt man auf ein Video, das wirklich fasziniert.

So ging es mir mit einem Song von Naïka, den ich dort entdeckt habe.

Der Track ist ein Kracher und die Botschaft erst recht: Während überall Katastrophen geschehen, geht „die Welt“ weiter, als ob nichts wäre. Ich bin mir nie sicher, ob diese weit verbreitete Erzählung zutrifft, dass die meisten Menschen „einfach so“ weitermachen. Ich sehe viel Traurigkeit, viele Kämpfe, viele nachdenkliche Köpfe, die überlegen, wie die Dinge verbessert werden könnten – und generell zu viel Betroffenheit. Dennoch kann ich das Gefühl der Ohnmacht und den Eindruck von Verrohung und Ignoranz nachvollziehen. Die Ausbeutung wird immer brutaler, aber auch farbenfroher; der Kapitalismus versteckt das von ihm erzeugte Elend immer geschickter. Und das Patriarchat führt einen offenen Krieg gegen Frauen, Kinder und das Leben selbst.

Das Lied von Naïka erinnert mich an einen Megahit, der schon mehr als 20 Jahre alt ist – ihr könnt ihn wahrscheinlich alle mitsingen, er wurde uns über VIVA täglich ins Kinder- oder Jugendzimmer geliefert.

Selbst der Titel ähnelt sich: an Tagen wie diesen, what a day. Seit mindestens zwei Jahrzehnten gibt es dieses Gefühl eines teilnahmslosen Wir und eines betroffenen Die. Bei Fettes Brot rollen die imaginären Panzer in die friedliche Idylle, in das normale, geordnete Leben. Naïka, die haitianische Wurzeln hat, kennt politische Gewalt nicht nur von Bildschirmen – sie ist Teil ihrer Familiengeschichte.

Wir leben längst in einer globaleren Welt, in der sich das Elend mittlerweile „besser“ verteilt hat. Die „Steine im Magen“, über die Fettes Brot 2005 sangen – ein Zeugnis der Nullerjahre-Erzählung, dass es vielen gut ging und jeder Zugang zu Überkonsum hatte –, wirken heute fast zynisch, da auch hier Menschen hungern. Man denkt an „Heal the World“, „Feed the World“ und generell an die „Kinder in Afrika“, denen US-Stars immer wieder helfen wollten. Heute ist das kaum noch vorstellbar, da Menschen auf unseren eigenen Straßen sterben und vielen nichts anderes übrigbleibt, als sich mit Fentanyl zu betäuben.

LESEN  Zah1de Skandal: Ist sein neuer Hit „Rede“ etwa ein Plagiat?

Auch das Ausmaß von Kriegen erleben viele im Westen nun nicht mehr nur, wenn sie zum Bäcker gehen und dort die Zeitung lesen, sondern weil sie morgens auf ihr Smartphone starren, das mit der ganzen Welt verbunden ist, weil die Ungerechtigkeiten anderswo die hier direkt beeinflussen – die bereitwillig auch jede Sozialpolitik zugunsten von noch mehr nationalstaatlicher Konkurrenz zurückfahren – und weil, ach ja: das Thema Spritpreise.

Das abgeschottete Vergnügungspark-Idyll, das Fettes Brot besang, hat es natürlich nie wirklich gegeben, und nur wenige konnten sich diesen Schein gegenseitig vorspielen (es gab ja auch damals schon Radio und Bücher, Jungs…). „An Tagen wie diesen“ war trotzdem ein großartiger Song – genau für die Welt, für die er wohl geschrieben wurde: für VIVA. Und es war auch gut, dass mich der Song von Naïka genau dort getroffen hat, wo er treffen sollte: beim Durchscrollen von irgendwelchem Unsinn auf Instagram.

Was also tun? Lieben, sagen manche.

Robyn beispielsweise – für Popfans ohnehin die derzeitige Königin. Während die einen sich verhärten (Männer), auch weil es von ihnen erwartet wird, werden Frauen weicher. Die einen gegeneinander und gegen uns, die anderen füreinander. Das sagen viele und besingen es manche.

„If you’re scared, say you’re scared“ und: „I used to have thicker skin, but I chose to let you in“.

Oder Daniel Schreiber, ein Meister der einfühlsamen Essays. Er schreibt über die Liebe, und man denkt kurz: schon wieder? Bis einem klar wird, dass es tatsächlich aus der Zeit gefallen wirkt, weil etwas passiert ist, das wir nie hätten zulassen dürfen. Nämlich die Geringschätzung der Liebe, das „veraltete“ Gefühl der Liebe, die Tatsache, dass das Wort Liebe nur noch ideologisch aufgeladen und instrumentalisiert verwendet wird.

LESEN  Oasis Reunion-Konzert: „Hello“ als erster Song!

„Liebe! Ein Aufruf“ ist persönlich und historisch und politisch und wichtig, weil wir das einfach nicht ignorieren dürfen. Denn hinter der Liebe steht Solidarität – und nur die kann uns retten.

Und nun doch kurz etwas über „Heated Rivalry“

Von einem Hype zu sprechen, wäre eine massive Untertreibung – selten gab es eine so offensichtliche Reibung. Wer es noch nicht gesehen hat: Es geht um zwei Eishockeyspieler, die sich begehren, und die Probleme, die daraus erwachsen. Ein bisschen wie Romeo & Julia, aber mit einem anderen Ausgang. Ich bin nicht der größte Fan, weil ich von diesen glatten, schlanken, jungen Körpern und deren pornoinspirierten Annäherungen sehr gelangweilt bin. Zwischendurch fühlt es sich an, als würde man auf den Bildschirmschoner eines Hotel-Fernsehers starren und dabei dissoziieren. Die guten Schauspieler machen es jedoch immer wieder wett. Sie SIND die Serie – das steht fest.

Auch wenn viele die Sexszenen loben, habe ich eher das Gefühl, dass die Begeisterung darüber nur zeigt, wie sehr Sexualität manipuliert ist. Dass viele dies bereits als besonders schön empfinden, irritiert mich. Ich sehe angespannte Gesichter, ich höre, wie einer dem anderen sagt, er solle sich hinknien, ich nehme wahr, dass man zwar nachfragt, ob alles in Ordnung ist, aber am Ende natürlich ein Ja erwartet wird. Es ist auch mal zärtlich, es ist auch mal spielerisch – aber immer wieder verwoben in Erlerntes, Gesehenes, Kämpferisches. ABER: Die beiden finden immer wieder einen Weg heraus, und ich vermute, das ist es, was vielen gefällt. Denn da gibt es irgendwann echte Vertrautheit, endlich ZEIT, endlich wirklich Raum füreinander. Vielleicht ist das die Sehnsucht der Menschen, vielleicht ist das, wonach man strebt, nachdem man jetzt ein Jahrzehnt komplett durch Dating-Apps und Social Media geformt wurde. Vielleicht passiert ja was. Vielleicht finden wir wieder zusammen. Wir Narren.

LESEN  Duran Duran Hits: Entdecken Sie die besten Alben im ultimativen Ranking!

Was bisher geschah? Hier alle Popkolumnentexte im Überblick.

ME

Paula Irmschler schreibt freiberuflich unter anderem für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

Ähnliche Beiträge:

Bewerten Sie diesen {Typ}

Neueste Artikel

Nina Chuba postet Memes: Streit um Stuttgart nimmt virale Wendung

Berlinale: aktuelle Pflichtfilme und Tipps fürs Festival

UNESCO-Welterbe 2026: zehn Jubiläen, die Reisende jetzt kennen sollten

Theater nutzt Wissenschaft: so verändern Experimente jetzt die Bühnenkunst

Schreibe einen Kommentar

Share to...