Die Traditionellen Deutschen Essenszeiten im Wandel
In vielen europäischen Ländern, wie Frankreich und Spanien, beginnen die Einheimischen oft erst um 20 Uhr oder später zu Abend zu essen. In Italien ist es sogar nicht unüblich, erst um 22 Uhr zum Abendessen, der sogenannten cena, zu sitzen.
In Deutschland hingegen sind die traditionellen Essenszeiten am Abend deutlich früher. In vielen deutschen Haushalten wird das Abendessen typischerweise zwischen 17 und 19 Uhr serviert.
Deutsche bevorzugen nicht nur ein frühes Abendessen, sondern oft auch ein kaltes. Neben Abendessen ist Abendbrot eine gängige Bezeichnung für die Mahlzeit am Abend. Traditionell ist das Abendbrot eher eine Brotzeit als ein warmes, umfangreiches Gericht und besteht aus Brotscheiben, die mit Käse, Wurst und eingelegtem Gemüse belegt sind.
Auf den ersten Blick mag dies vielleicht etwas eintönig klingen, doch bedenkt man, dass Deutschland über 300 Brotsorten und eine Vielzahl an Wurstsorten besitzt, erscheint das Abendbrot gleich viel ansprechender.
Im Norden Deutschlands wird gerne ein eingelegter Bismarckhering hinzugefügt, während im Süden oft ein Wurstsalat neben der Brotscheibe gereicht wird.
Woher stammt die Tradition des Abendbrots?
Kulturforscher sind sich im Allgemeinen einig, dass die deutsche Gewohnheit, am frühen Abend kalte Speisen zu verzehren, ihre Ursprünge in den 1920er Jahren hat. In dieser Zeit begann die Industrie, den Alltag zu dominieren – im Gegensatz zu den eher landwirtschaftlich geprägten Strukturen in Ländern wie Italien und Frankreich.
Viele deutsche Fabriken verfügten über Kantinen, in denen die Arbeiter mittags eine heiße, sättigende Mahlzeit erhielten, was ein großes Abendessen überflüssig machte. Die Praxis, abends nur eine brotbasierte Kleinigkeit zu essen, verbreitete sich nach dem Krieg noch weiter, als auch die Zahl der berufstätigen Frauen stark zunahm.
Essen die Deutschen wirklich noch so früh?
Obwohl das frühe Abendbrot und ein großer, warmer Mittagstisch in Deutschland noch immer beliebt sind, hat natürlich auch die Globalisierung mit neuen Ernährungstrends und Arbeitsmustern ihre Spuren hinterlassen und die Vorliebe für ein frühes Abendessen aus Brot und Käse beeinflusst.
In den meisten großen deutschen Städten finden sich Restaurants, die bis Mitternacht geöffnet haben, und es wird oft auch nach 22 Uhr noch Essen serviert.
Auch der Inhalt des traditionellen deutschen Abendbrots wird zunehmend hinterfragt, da viele Ernährungsexperten empfehlen, abends eine kohlenhydratarme Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Die klassische Wurstbeilage verliert ebenfalls an Beliebtheit, da immer mehr Menschen eine vegetarische oder vegane Ernährung bevorzugen. Allerdings gibt es mittlerweile auch eine wachsende Auswahl an veganen und vegetarischen Fleischalternativen in deutschen Supermärkten.
Wie steht es um andere Mahlzeiten?
Laut einer kürzlich in der Berliner Morgenpost veröffentlichten YouGov-Umfrage ist das Frühstück tatsächlich die beliebteste Mahlzeit des Tages in Deutschland.
Ein Drittel der 2050 Befragten betrachtet das Frühstück als „wichtigste Mahlzeit“ des Tages und nur einer von vierzehn Erwachsenen gibt an, nie zu frühstücken.
Die meisten Personen zwischen 18 und 24 Jahren essen morgens Frühstück, und nur zwei Prozent sagen, dass sie dies nie tun. Im Gegensatz dazu geben unter den älteren Menschen ab 45 Jahren acht Prozent an, morgens nichts zu essen.
Was die Menschen zum Frühstück bevorzugen, variiert ebenfalls stark zwischen den Generationen. Ältere Menschen bevorzugen ein herzhaftes Frühstück mit Brot, Käse und Wurst, während die Beliebtheit von Obst und Müsli bei den unter 24-Jährigen doppelt so hoch ist wie bei allen Erwachsenen insgesamt.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.