Diese Woche zeigt die Alte Nationalgalerie in Berlin eine seltene Gesamtschau zur *Romantik* — anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens. Die Ausstellung bringt zahlreiche Gemälde zurück in die Öffentlichkeit, von denen viele Jahrzehnte im Depot lagen, und bietet die Chance, die Kunst dieses Schlüsselzeitraums neu zu lesen.
Was jetzt zu sehen ist
Gezeigt werden rund 140 Werke aus der Ursprungssammlung, die der Berliner Bankier Joachim Heinrich Wagener dem preußischen König 1861 überließ. Darunter finden sich zentrale Arbeiten von Künstlern wie Caspar David Friedrich und Karl Friedrich Schinkel, die für das Bild der deutschen Romantik prägend sind.
Museumsdirektor Udo Kittelmann betonte bei der Eröffnung, die Präsentation ermögliche eine neue Bewertung dieser Epoche: Es gehe darum, Bekanntes mit frischen Augen zu betrachten und bislang verborgene Bestände zu zeigen.
Provenienz und Geschichte
Wagener sammelte systematisch zeitgenössische Kunst mit dem Ziel, eine nationale Galerie zu begründen. Sein erstes großes Objekt war Schinkels Bild Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer (1815), das als eines der Glanzstücke der Schau gilt.
Die Bilder wurden zunächst an der Berliner Prachtstraße Unter den Linden präsentiert. Etwa 15 Jahre später zog die Sammlung in die neu errichtete Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel ein, ein Bauwerk des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler.
Warum die Ausstellung jetzt wichtig ist
Für Besucher bedeutet die Schau mehr als historische Rückschau: Viele Werke waren lange nicht öffentlich zugänglich. Die Wiederpräsentation verändert, wie Kunsthistoriker und Publikum die Entwicklung der frühen nationalen Sammlungsstrategien und die Rolle bürgerlicher Mäzene einschätzen.
Kuratorin Angelika Wesenberg kündigte außerdem ein wissenschaftliches Begleitprogramm an: Ein Kolloquium soll die in mehreren dicken Bänden überlieferten Künstlerbriefe aus Wagener’s Nachlass systematisch auswerten — Quellen, die bislang kaum erschlossen sind.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Stiftungsjahr der Kollektion | 1861 |
| Ursprüngliche Schenkung | 262 Werke an König Wilhelm I. |
| Aktuell ausgestellt | ca. 140 Werke aus der Ursprungssammlung |
| Wichtigste beteiligte Künstler | Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel u. a. |
| Erster Ausstellungsort | Unter den Linden |
Die Schau verspricht, nicht nur Kunstfreunde anzusprechen, sondern auch neue Forschungsperspektiven zu eröffnen: Die Briefe könnten Aufschluss über Netzwerke, Erwerbsstrategien und Geschmacksvorstellungen der frühen Sammlergeneration geben.
Wer die Ausstellung besucht, bekommt damit nicht nur zentrale Bilder der Romantik zu sehen, sondern auch einen lebendigen Einblick in die Geschichte der Museumsgründung in Deutschland.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.