Ein missglückter KI-Versuch hat Brian May zu einem drastischen Appell veranlasst: Der Queen‑Gitarrist warnt davor, künstliche Intelligenz und die Technik-Infrastruktur, die sie antreibt, unkontrolliert zuzulassen. Seine Kritik richtet sich sowohl gegen die Technologie selbst als auch gegen geplante Datenzentren in Großbritannien — mit konkreten Forderungen an die Politik.
Der 79‑jährige Musiker, promovierter Astrophysiker und Gitarrist von Queen, teilte kürzlich auf Instagram ein von Meta‑KI erzeugtes Cover des Albums „The Game“ (1980). Statt der vertrauten Schwarz‑Weiß-Aufnahme mit den vier Bandmitgliedern ergab die KI eine verzerrte, kaum wiedererkennbare Variante — für May ein Anschauungsbeispiel dafür, wie überschätzt die Technik ist.
Scharfe Worte statt Internet‑Spaß
May reagierte nicht mit Spott, sondern mit Skepsis und Sorge: Er fragte offen, ob das wirklich die Form von Intelligenz sei, die in Zukunft die Welt leiten werde, und forderte seine Follower auf, den Nutzen der Technologie kritisch zu hinterfragen. In seinen Posts heißt es, dass die Gesellschaft sich fragen müsse, ob sie diese Entwicklung wirklich will — und ob der Preis dafür vertretbar sei.
Er ging zudem über die rein künstlerische Kritik hinaus und richtete eine klare Botschaft an die Politik: In einem direkten Appell an Andy Burnham, den Bürgermeister der Greater Manchester‑Region, forderte May, Pläne zum Bau großer Rechenzentren zu stoppen, bevor „es zu spät“ sei. Er argumentiert, solche Anlagen würden Landschaften und lokale Strukturen nachhaltig verändern.
Was konkret bedroht sein soll
May nennt mehrere Gründe für seine Sorge, nicht nur ästhetische oder persönliche Vorbehalte gegenüber Algorithmen:

- Ressourcenverbrauch: Rechenzentren benötigen große Mengen Energie und Wasser.
- Landschaft und Infrastruktur: Große Industrieanlagen können lokale Ökosysteme und Gemeinschaften beeinträchtigen.
- Kulturelle Folgen: Künstliche Inhalte könnten traditionelle kreative Prozesse verdrängen oder entwerten.
- Politische Steuerung: Die Frage, wer KI kontrolliert und reguliert, hat direkte Folgen für Demokratie und Arbeitsmarkt.
May stellte seine Kritik in einen grösseren Kontext: Für ihn ist Wissen nicht einfach in Chips zu fassen — als Wissenschaftler und Künstler verbindet er ästhetische, soziale und technische Perspektiven.
Auswirkungen auf Queen‑Pläne
Neben der Debatte um Technik kündigte die Band Ende des Jahres eine 4K‑Neufassung ihres legendären Budapest‑Konzertfilms von 1986 an; auch ein remastertes Live‑Album ist geplant. Ob Queen in absehbarer Zeit wieder mit Sänger Adam Lambert auf Tour gehen werden, ließ die Band offen.
May selbst äußerte, dass politische Umstände — namentlich das angesprochene Klima in den USA unter Präsident Donald Trump — eine ausgedehnte US‑Tour aktuell unwahrscheinlich erscheinen ließen. Ob und wie sich diese Einschätzung verändert, bleibt abzuwarten.
Warum das für Leser relevant ist
Die Debatte berührt nicht nur Fans: Entscheidungen über neue Rechenzentren betreffen Energiepreise, regionale Entwicklung und Umwelt. Gleichzeitig steht die Rolle der künstlichen Intelligenz in Kultur und Alltag auf dem Prüfstand — von Urheberrecht bis zur Glaubwürdigkeit digitaler Inhalte.
Mays Intervention zeigt, wie Prominente technische und politische Themen öffentlich verknüpfen können — und welche Hebel das in der öffentlichen Meinung und bei politischen Entscheidungen auslösen kann.
Ob seine Kritik politische Folgen haben wird, hängt nun von lokalen Entscheidungen, dem öffentlichen Druck und der weiteren Diskussion um Regulierung und Bauvorhaben ab. Für die Debatte ist seine Stimme jedenfalls ein markantes Zeichen kritischer Öffentlichkeit.
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Tom Schneider ist Musikliebhaber, DJ und Redakteur bei Inside-Reeperbahn.de. Er schreibt mit Herzblut über neue Bands, alte Legenden und die Hamburger Clubszene. Seine Artikel verbinden Recherche mit persönlichem Erleben und bieten echten Mehrwert für Musikfans.