Wie sieht das Theater der Zukunft aus? Ein Gespräch mit Ilja Mirsky, digitaler Dramaturgieberater am Residenztheater München und Dozent für Theater und Digitalisierung.
Herr Mirsky, Sie sind als Berater für digitale Dramaturgie tätig. Wie verändern digitale Medien das Theater?
Sie verwandeln den Raum und diese Transformation beeinflusst die Rolle des Körpers. Mit der Einführung der Elektrifizierung im Theater und dem Aufkommen von Scheinwerfern, die die Bühne gezielt beleuchten konnten, gab es Befürchtungen, dass die Bedeutung der Schauspieler abnehmen könnte. Genau das Gegenteil sollte jedoch der Fall sein. Technologie sollte immer dazu dienen, den Körper zu unterstützen. Digitale Medien erlauben es jetzt sogar, den Körper in die digitale Welt zu erweitern.
Wie funktioniert das?
Ich arbeite seit langem an der Akademie für darstellende Künste in Louisbourg mit einer großen LED-Wand, wie sie auch in komplexen Filmproduktionen verwendet wird. Es handelt sich um einen riesigen Bildschirm, auf dem Bilder projiziert werden, mit denen man in Echtzeit interagieren kann. So kann eine Schauspielerin oder ein Schauspieler in der virtuellen Erweiterung der Bühne erscheinen.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?
Am faszinierendsten finde ich, dass sie Theaterstücke noch zugänglicher macht, insbesondere durch Live-Übersetzungen, die von großen Sprachmodellen generiert werden. Ästhetisch gesehen glaube ich nicht, dass KI grundlegende Veränderungen herbeiführen wird. Ich sehe das Theater eher als eine Ergänzung zur KI: Künstliche Intelligenz versucht, unsere physische Welt in Daten umzuwandeln. Im Theater hingegen haben wir es mit Daten (d.h. Texten) zu tun, die wir in physische Realität übersetzen. Dabei gehen immer Informationen verloren, was wir durch unsere Kreativität ausgleichen.
Wie sieht das Theater der Zukunft aus?
Einerseits werden wir immer mehr technische Möglichkeiten haben, den Bühnenraum zu erweitern. Es wird beispielsweise möglich sein, ein Stück gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt aufzuführen. Oder man könnte eine Inszenierung auf einem Smartphone beginnen und dann auf der Bühne oder auf einer anderen Plattform fortsetzen. Andererseits wird das Theater auch in Zukunft immer Menschen auf die Bühne bringen, die Geschichten erzählen. Diese direkte Interaktion zwischen Menschen ist ein wesentliches Fundament unserer Gesellschaft und unserer Demokratie.
Über die Person: Ilja Mirsky
Ilja Mirsky hat Kognitionswissenschaften und darstellende Künste studiert. Seit 2022 ist er als Dramaturgieberater, spezialisiert auf digitale Dramaturgie, am Residenztheater München tätig. Er arbeitet an einer Doktorarbeit über Theater und Digitalisierung an der Universität Tübingen und der Zürcher Hochschule der Künste; er lehrt an der Akademie für darstellende Künste in Baden-Württemberg.
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Lena Hoffmann ist eine Kulturjournalistin mit Leidenschaft für Theater, Literatur und alternative Kunstformen. Seit 2018 berichtet sie für Inside-Reeperbahn.de über Hamburgs kulturelle Szene und bringt dabei authentische Stimmen, neue Perspektiven und kreative Ausdrucksformen zum Vorschein.