Kürzlich verwandelte sich ein Dorf in der Lausitz zu einem der sichtbarsten Orte sorbischer Tradition: In Turnow bei Cottbus feierten Bewohnerinnen und Bewohner das Fastnachtfest Zapust. Die Versammlung ist mehr als ein lokales Brauchtum – sie zeigt, wie lebendig Sprache und Gemeinschaft einer kleinen Minderheit in Ostdeutschland noch sind.
Auf den Spuren eines alten Rituals
Der traditionelle Ablauf des Festes reicht weit ins bäuerliche Jahr zurück: Zapust markierte früher die Woche vor der Aussaat und verband Arbeitstakte mit gemeinschaftlichen Zeremonien. Heute mischen sich historische Elemente mit modernen Karnevalstraditionen.

In Turnow führte eine farbenprächtige Prozession durch die Straßen, angeführt von Musizierenden und begleitet von Trachten. Junge unverheiratete Paare präsentierten sich in festlicher Kleidung; die Männer trugen dabei oft Blumen, die ihnen von ihren Partnerinnen überreicht wurden.
Rituale, Stationen, Gemeinschaft
Die Parade machte Halt bei angesehenen Dorfbewohnern, darunter auch kommunale Repräsentanten. An diesen Stationen gibt es symbolische Gesten: etwa kleine Beiträge für die Zapust-Kasse oder Grußformeln, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Am Abend folgte ein Tanz, der als sozialer Kern des Festes gilt.

Die britische Fotografin Penny Bradfield dokumentierte die Ereignisse vor Ort und liefert damit einen visuellen Einblick in Bräuche, die sonst eher selten im Fokus stehen.
- Was: Zapust, sorbisches Fastnachtfest
- Wo: Lausitz, diesmal besonders sichtbar in Turnow (bei Cottbus)
- Wer: Angehörige der sorbischen Minderheit, lokale Musikkapellen und Dorfbewohner
- Bedeutung: Verbindung von Tradition, Gemeinschaft und kultureller Identität
Die Sorben bilden eine anerkannte slawische Minderheit in Deutschland mit rund 60.000 Angehörigen, überwiegend in Brandenburg und Sachsen. Solche Feierlichkeiten sind eine praktische Form des kulturellen Weitergebens: Sprache, Lieder und Handlungsabläufe bleiben so lebendig.
Warum das heute Relevanz hat
Ländliche Regionen in Ostdeutschland stehen unter demografischem Druck; Bräuche wie Zapust werden dadurch nicht nur zu einem kulturellen Rückgrat, sondern auch zu einem Mittel, das öffentliche Bewusstsein zu schärfen. Für die Sorben geht es um mehr als Nostalgie – es geht um Sichtbarkeit und Anerkennung im Alltag.
Politisch hat der Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur in Deutschland einen offiziellen Stellenwert: Es gibt Fördermaßnahmen und regional sichtbare zweisprachige Beschilderungen. Trotzdem bleibt die Weitergabe an die nächste Generation eine dauerhafte Herausforderung.
Fotografien und Berichte aus Turnow machen diese Debatten anschaulich: Sie zeigen Feste als lebendige Praxis, nicht nur als Museumsexponate.
Langfristig entscheidet sich hier, ob die sorbische Identität in der Region wächst, stagniert oder sich verändert – und das betrifft lokale Politik, Bildungsangebote und das kulturelle Leben in der Lausitz gleichermaßen.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.