Die angeblich verschollene Urfassung von Fritz Langs Stummfilmklassiker Metropolis, im vergangenen Jahr in einem Archiv in Buenos Aires entdeckt, kehrt restauriert auf die große Leinwand zurück: Die wiederentdeckte Schnittfassung soll im Februar auf der Berlinale uraufgeführt werden und verändert erstmals seit Jahrzehnten die Rekonstruktion des Films. Für Filmfans und Filmgeschichte bringt die Neufassung neue Einsichten in Langs ursprüngliche Vision.
Premiere und Begleitung
Gezeigt wird die restaurierte Fassung bei einer Gala am 12. Februar im Friedrichstadt-Palast; die Aufführung wird live mit dem Originalscore begleitet, gespielt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Die Berlinale bezeichnet die Präsentation als besonderen Beitrag zum Festivalprogramm und als Chance, einen wichtigen Moment deutscher Filmkultur neu zu erleben.

Die Entdeckung wurde im Museum für Film in Buenos Aires (Museo del Cine) gemacht: Dort lag eine 16‑mm-Kopie mit rund 30 Minuten zusätzlich enthaltenem Material, das lange als verschollen galt.
Wer hat restauriert — und was ändert sich?
Die Wiederherstellung übernahm die Friedrich‑Wilhelm‑Murnau‑Stiftung in Wiesbaden. Restauratoren arbeiteten nach eigenen Angaben sorgfältig, um Bild- und Tonwolken zu glätten, fehlende Szenen zu integrieren und die Bildqualität der 16‑mm-Aufnahmen bestmöglich an das vorhandene Material anzupassen.

- Fundort: Museo del Cine, Buenos Aires (Discovery im vergangenen Jahr)
- Format: 16‑mm‑Kopie mit ergänzenden Szenen, etwa 30 Minuten länger
- Restaurator: Friedrich‑Wilhelm‑Murnau‑Stiftung (Wiesbaden)
- Premiere: Berlinale-Gala, 12. Februar, Friedrichstadt-Palast, mit Live‑Orchester
- Weitere Aufführung: Alte Oper Frankfurt, begleitet vom Staatsorchester Braunschweig
- Vertrieb: Transit Film GmbH (München) übernimmt die anschließende Veröffentlichung
Festivaldirektor Dieter Kosslick würdigte die Bedeutung des Fundes für die Filmgeschichte und hob hervor, wie selten sich Chancen bieten, ein Werk in einer näher an der ursprünglichen Fassung liegenden Version zu sehen. Die Murnau‑Stiftung betonte, dass mit der Restaurierung ein lang gehegter Wunsch nach Wiedergutmachung für das Filmerbe erfüllt werde.
Warum das für Zuschauer relevant ist
Für Historiker, Filmwissenschaftler und ein interessiertes Publikum eröffnet die erweiterte Fassung die Möglichkeit, Regieentscheidungen, Erzählstränge und Bildkompositionen neu zu bewerten. Szenen, die in bisherigen Versionen fehlten, können Handlungsmotive klarer machen und das Verständnis für Langs Intention vertiefen.
Darüber hinaus hat die Auffindung eines längeren Schnitts praktische Folgen: Archive und Restauratoren stehen vor der Aufgabe, vorhandene Fassungen zusammenzuführen und Publikumsversionen zu kennzeichnen — ein Prozess, der Standards für die Bewahrung filmischer Quellen neu justieren kann.
Die Berlinale‑Vorführung und die folgenden Aufführungen bieten die erste Gelegenheit, die restaurierte Fassung vor Publikum zu erleben; spätere Verleihtermine und Veröffentlichungen durch Transit Film werden darüber entscheiden, wie breit der Film anschließend zugänglich sein wird.
Ähnliche Beiträge:
- Friedrichstadt-Palast: Entdecken Sie die größte Theaterbühne der Welt!
- Besuchen Sie die Berlinale: Ihr ultimativer Guide zum berühmten Filmfestival in Deutschland!
- Polanski bei Berlinale nur noch Schattenfigur
- Berlinale eröffnet mit Coen-Brüdern: True Grit gibt den Festivalauftakt
- Berlinale 60: Diese Premieren und Stars bestimmen das Festival heute

Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.