Berlinale 60: Diese Premieren und Stars bestimmen das Festival heute

September 18, 2026

Berlinale 60: Diese Premieren und Stars bestimmen das Festival heute

Die 60. Berlinale beginnt in dieser Woche in Berlin — eine Jubiläumsausgabe, in der asiatische Produktionen besonders sichtbar sind, zugleich aber auch Premieren großer Hollywood-Regisseure für Aufmerksamkeit sorgen. Warum das wichtig ist: Die Auswahl signalisiert, wie Festivals heute sowohl regionale Filmlandschaften stärken als auch das internationale Star-Kino zur Schau stellen.

Als Festivaleröffnung läuft Wang Quan’ans Historienfilm „Apart Together“, der das Schicksal eines 1949 von Mao-Regime Geflohenen und seine spätere Wiederbegegnung mit einer früheren Liebe erzählt. Die Jury wird vom deutschen Regisseur Werner Herzog geleitet; zu den Mitgliedern zählt die Oscar-Preisträgerin Renee Zellweger. Am 20. Februar fällt die Entscheidung über die Goldenen und Silbernen Bären.

  • Berlinale-Eröffnung: „Apart Together“ (Wang Quan’an) – Familiendrama mit historischem Hintergrund
  • Weltpremiere (außer Konkurrenz): „Shutter Island“ (Martin Scorsese) – Thriller mit Leonardo DiCaprio
  • „The Ghost Writer“ (Roman Polanski) – Politischer Spannungsfilm mit Ewan McGregor und Pierce Brosnan
  • Abschlussfilm (außer Konkurrenz): „About Her Brother“ (Yoji Yamada)
  • Weitere Beiträge: Zhang Yimou („A Woman, A Gun and A Noodle Shop“), Koji Wakamatsu („Caterpillar“), Shah Rukh Khan („My Name is Khan“)

Die Anwesenheit von Scorsese und Polanski sorgt für Gesprächsstoff. Scorseses Thriller feiert seine Berlin-Premiere zwar außer Konkurrenz, wird aber wegen seines Stars Leonardo DiCaprio und der Spannungslastige Handlung intensiv beachtet. Polanskis Film entstand, während der Regisseur sich in der Schweiz aufhielt und mit Auslieferungsfragen an die USA konfrontiert war; er selbst wird nicht vor Ort erwartet, die Hauptdarsteller sollen beim Galaabend jedoch erscheinen.

Publikum bei einer Filmpremiere mit rotem Teppich und Blitzlicht
Anwesenheit von Stars wie Scorsese zieht Medien und Publikum an.

Festivaldirektor Dieter Kosslick hat mehrfach darauf hingewiesen, dass viele Beiträge aus dem Hauptwettbewerb sich um Familienkonstellationen drehen — oft mit konfliktreichen oder gebrochenen Beziehungen. Dieser Schwerpunkt spiegelt eine programmatische Richtung wider, die auf intime Erzählungen statt auf bloße Schauwerte setzt.

Provokante Stoffe und kontroverse Stoffbearbeitungen zählen ebenfalls zum Programm: Oskar Roehlers Film über die Entstehung des NS-Propagandafilms „Jud Süß“ hat im Vorfeld Diskussionen ausgelöst. Auch Michael Winterbottom schickt mit „The Killer Inside Me“ eine düstere Genrearbeit ins Rennen, während der Street-Art-Künstler Banksy mit der Doku „Exit Through the Gift Shop“ überraschend leise am Festival teilnehmen will.

Ein Höhepunkt für ein breites Publikum ist die Open-Air-Vorführung der restaurierten Fassung von Metropolis am Brandenburger Tor — die neue Version enthält wiederentdeckte Szenen, die vor kurzem in Argentinien geborgen wurden und den Klassiker visuell und narrativ ergänzen.

Open‑Air‑Vorführung vor dem Brandenburger Tor mit Leinwand und Zuschauern
Open‑Air‑Vorführung von Metropolis am Brandenburger Tor zieht großes Publikum an.

Die Berlinale fungiert seit langem als Sprungbrett für kleinere Produktionen: Filmschaffende abseits des Mainstreams bekommen hier Aufmerksamkeit, die zu Festivaltouren und internationalen Vertriebsdeals führen kann. Ein Beispiel aus dem Vorjahr ist der peruanische Beitrag „The Milk of Sorrow“, der später eine Oscar-Nominierung im Bereich Bester fremdsprachiger Film erhielt.

Gleichzeitig warnen Kritiker, dass das Festivaljahr mit vielen Veteranen auf dem Programm — etwa Scorsese, Polanski und Yamada — auch eine Herausforderung für die Positionierung jüngerer, mitten in der Karriere stehender Regisseure sein kann. Jan Schulz-Ojala, ein Berliner Filmkritiker, äußerte die Sorge, dass Mittelkarriere-Regisseure künftig eher Cannes oder andere Festivals bevorzugen könnten.

Was gilt daraus für Zuschauer und Branche? Kurzfristig verspricht die Berlinale eine Mischung aus Publikumshits, politischen Stoffen und Entdeckungen aus Asien. Langfristig bleibt spannend, ob das Festival seine Rolle als Plattform für aufstrebende Talente bewahrt oder zunehmend als Bühne für etabliertes Autorenkino fungiert. Die Berlinale dauert elf Tage; die wichtigsten Preisentscheidungen stehen am 20. Februar an.

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