Die Berlinale hat am Montag die ersten Filme und die Jury für die 62. Ausgabe (9.–19. Februar) vorgestellt – und damit früh die wichtigsten Gesprächsthemen gesetzt: ein 9/11-Drama mit Tom Hanks, ein Epos von Zhang Yimou und ein international besetztes Wettbewerbsprogramm, das Publikum und Kritiker gleichermaßen anziehen dürfte.
Zum Auftakt der Ankündigungen rückte Regisseur Stephen Daldry mit „Extremely Loud and Incredibly Close“ ins Blickfeld. Die Verfilmung des Romans von Jonathan Safran Foer begleitet einen Jungen auf seiner Suche durch New York nach einem Schlüssel, der an seinen im Anschlag Verstorbenen erinnert. Tom Hanks, Sandra Bullock und Max von Sydow gehören zur Besetzung; die Produktion wird außerhalb des Wettbewerbs gezeigt.
Aus China kommt ein weiteres großes Projekt: Zhang Yimou bringt mit „The Flowers of War“ ein Historienwerk über das Massaker von Nanking. In der Rolle eines westlichen Protagonisten ist Christian Bale zu sehen. Das Drama, das bereits in den USA als Golden-Globe-Kandidat gehandelt wurde, läuft ebenfalls außer Konkurrenz.
Das Wettbewerbsfeld bringt sowohl politische Stoffe als auch Arthaus-Positionen: Der philippinische Regisseur Brillante Mendoza schickt mit „Captive“ ein Drama ins Rennen, in dem Isabelle Huppert eine von Extremisten entführte Helferin spielt. Ebenfalls für den Wettbewerb genannt sind unter anderem Antonio Chavarrias’ Thriller „Childish Games“ und das internationale Projekt „Postcards from the Zoo“ des indonesischen Regisseurs, der unter dem Namen Edwin firmiert.
- Extremely Loud and Incredibly Close (Stephen Daldry) – 9/11-Drama; Staraufgebot; außer Konkurrenz
- The Flowers of War (Zhang Yimou) – Historienfilm über Nanking; Christian Bale; außer Konkurrenz
- Captive (Brillante Mendoza) – Entführungsdrama mit Isabelle Huppert; Wettbewerb
- Childish Games (Antonio Chavarrias) – spanischer Thriller; Première
- Postcards from the Zoo (Edwin) – Indonesisch-deutsch-chinesische Koproduktion; Wettbewerb
Die Festivalleitung unterstreicht mit dieser Mischung aus kommerziellen Namen und Festivalautoren die Absicht, ein breites Publikum anzusprechen und zugleich die Hauptpreise – den Goldenen Bären und die Silbernen Bären – mit anspruchsvollen Beiträgen zu belegen.
Den Vorsitz der Wettbewerbsjury übernimmt der britische Regisseur Mike Leigh. Zu seinen Jurykollegen zählen internationale Namen aus Film und Literatur: Jake Gyllenhaal, Charlotte Gainsbourg, Anton Corbijn, François Ozon, Boualem Sansal, Barbara Sukowa und Asghar Farhadi, der in diesem Jahr mit dem Goldenen Bären geehrt wurde.
- Vorsitz: Mike Leigh
- Prominente Mitglieder: Jake Gyllenhaal, Charlotte Gainsbourg, Anton Corbijn
- Regie- und Literaturnamen: François Ozon, Boualem Sansal, Barbara Sukowa
- Frühere Preisträger im Gremium: Asghar Farhadi
Abseits des Wettbewerbs weist das Programm mehrere Sonderreihen auf: In der Berlinale Special-Sektion zeigt Kevin Macdonald eine mehrteilige Dokumentation über das Leben von Bob Marley, Werner Herzog präsentiert die vierteilige Reihe „Death Row“, und Bollywood-Star Shah Rukh Khan wird für die Vorführung des deutsch-indischen Films „Don – The King is Back“ erwartet.
Kleinere Überraschungen ergänzen das Line-up: Guy Maddin steuert mit „Keyhole“ eine surrealistische Gangstergeschichte bei, besetzt unter anderem mit Jason Patric und Isabella Rossellini, und Salma Hayek tritt in der spanischen Komödie „La chispa de la vida“ auf.
Die Ankündigung gibt einen ersten Eindruck davon, welche Themen und Talente die Berlinale in diesem Jahr in den Fokus rücken wird: große historische Erzählungen, politisch aufgeladene Gegenwartsstoffe und ein breites Spektrum an Genres. Weitere Programmbekanntgaben werden in den kommenden Wochen folgen, während die Festivalvorbereitungen Fahrt aufnehmen.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.