Die 60. Berlinale beginnt nächste Woche und setzt bewusst auf ihre Rolle als Brücke zwischen Ost und West: Hollywood-Stars treffen auf frische Premieren aus Asien, das Programm kombiniert Erfolgsproduktionen mit politisch aufgeladenen Stoffen. Für Zuschauer und Branche bedeutet das: ein weltweit beachtetes Schaufenster mit Einfluss auf Auszeichnungen, Verbreitung und aktuelle Debatten im Kino.
Festivaldirektor Dieter Kosslick kündigte an, dass die Jubiläumsausgabe mehr als 400 Filme zeigen wird – ein Programm, das Traditionslinien der Berlinale wieder betont und zugleich neue internationale Strömungen abbildet. Den Auftakt bildet eine chinesische Produktion, die an historischen Bruchlinien ansetzt und damit thematisch bewusst an deutsche Fragen von Trennung und Wiederannäherung anknüpft.
Am 11. Februar feiert Wang Quan’ans „Apart Together“ (Tuan Yuan) seine Weltpremiere und eröffnet den zehn Tage langen Wettbewerb um den Goldenen Bären. Der Film erzählt von einem Soldaten, der 1949 nach Taiwan flieht und Jahrzehnte später auf die Frau seines Lebens trifft – eine Erzählung, die Kosslick in Bezug auf die 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung stellte.
Internationale Stars und kontroverse Rückenwinde
Das Hauptprogramm umfasst Beiträge aus 18 Ländern und versammelt sowohl kommerziell erwartete Blockbuster als auch Autorenfilm. Auf dem roten Teppich werden unter anderem Leonardo DiCaprio mit Martin Scorseses Thriller „Shutter Island“, Shah Rukh Khan mit dem Drama „My Name is Khan“ sowie die Besetzung von Roman Polanskis „The Ghost Writer“ erwartet, dem Ewan McGregor und Pierce Brosnan angehören. Polanski selbst befindet sich derzeit unter Hausarrest in der Schweiz und wartet auf mögliche Auslieferungsverfahren in einem lang zurückliegenden Verfahren.
Laufende Diskussionen um Regisseure und Fälle aus der Vergangenheit verändern die Wahrnehmung großer Namen – für die Berlinale ist das Teil der Auseinandersetzung, die Festivalprogramm und Publikum gleichermaßen verlangt.
- Eröffnung: 11. Februar – „Apart Together“ (Wang Quan’an) – Weltpremiere
- Große Namen: Martin Scorsese („Shutter Island“), Roman Polanski („The Ghost Writer“)
- Asiatischer Fokus: mehrere neue Produktionen aus China und Japan
- Weitere Premieren: Gerard Depardieu in „Mammuth“, James Franco in „Howl“, Ben Stiller in „Greenberg“
- Programmende: 20. Februar – Abschlussfilm „About Her Brother“ (Yoji Yamada)
Die Filmauswahl reicht von grob kommerziellen Titeln bis hin zu intimen Autorenarbeiten. Das zeigt sich etwa an der Gegenüberstellung von Scorseses groß angelegtem Thriller und Yoji Yamadas zurückhaltender Familiengeschichte, die das Programm am 20. Februar abschließt.
Über die Preise entscheidet eine Jury unter Vorsitz von Werner Herzog, zu der unter anderem Renée Zellweger zählt. Bei einer Gala werden am Abend die Goldenen und Silbernen Bären verliehen; die Zeremonie markiert das formelle Ende des Wettbewerbs, das Festival selbst schließt am folgenden Tag.
Für das Publikum wie für die Branche steckt in der Berlinale-Edition mehr als nur Glamour: Vertriebsrechte, Festivalsichtbarkeit und die mediale Resonanz über die Preisvergabe können über den weiteren Lebensweg vieler Filme entscheiden. Zugleich bleibt die Veranstaltung ein Ort, an dem filmische Narrative über Geschichte und Gegenwart neu verhandelt werden – von politisch aufgeladenen Stoffen bis zu internationalen Popproduktionen.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.