Die 60. Berlinale rückt näher und versammelt in wenigen Wochen ein Programm mit internationalen Stars und viel politischem und kommerziellem Potenzial. Die Auswahl der Wettbewerbsfilme ist nahezu abgeschlossen – was die Festivalentscheidung bedeutet, reicht von Kinostarts über Verträge bis zur öffentlichen Diskussion.
Festivalleiter gaben bekannt, dass das Hauptprogramm aus rund 26 Beiträgen bestehen wird und am 11. Februar mit dem chinesischen Regisseur Wang Quan’ans Film „Apart Together“ eröffnet. Unter den angekündigten Weltpremieren findet sich ein breiter Mix aus Autorenkino, Hollywoodnamen und kontroversen Stoffen.
Die wichtigsten Titel im Überblick
- „Greenberg“ (Noah Baumbach) – US-Premiere mit Ben Stiller, Jennifer Jason Leigh und Rhys Ifans; ein Porträt eines New Yorkers, der nach Los Angeles flieht, wird im Wettbewerb erwartet.
- „The Kids Are Alright“ (Lisa Cholodenko) – US‑französische Koproduktion mit Julianne Moore und Annette Bening; erzählt wird die Geschichte zweier Kinder, die ihren biologischen Vater suchen.
- „The Killer Inside Me“ (Michael Winterbottom) – mit Jessica Alba, Casey Affleck und Kate Hudson; wird außer Konkurrenz gezeigt.
- „Mammuth“ (Benoît Delépine) – Wettbewerbsfilm mit Gérard Depardieu und Isabelle Adjani; erwartet wird die Anwesenheit Depardieus zur Premiere.
- „Howl“ (Rob Epstein) – Wettbewerbsbeitrag mit James Franco in der Rolle des Beat‑Poeten Allen Ginsberg.
- „Please Give“ (Nicole Holofcener) – US‑Film mit Catherine Keener, Amanda Peet und Rebecca Hall; außer Konkurrenz und thematisch in New Yorker Immobilienkonflikte eingebettet.
Die Berlinale setzt außerdem einen deutlich sichtbaren Schwerpunkt auf asiatisches Kino. Neben Wang Quan’ans Eröffnungsfilm stehen Beiträge von Zhang Yimou („A Woman, a Gun and a Noodle Shop“) und Koji Wakamatsu („Caterpillar“) sowie der Abschlussfilm „About Her Brother“ (Otouto) von Yoji Yamada.

Nicht nur das Programm, auch die politische Dimension zieht Aufmerksamkeit an: Oskar Roehlers Projekt „Jud Süss“, das die Entstehung des gleichnamigen NS‑Propagandafilms thematisiert und Moritz Bleibtreu als Joseph Goebbels zeigt, dürfte intensive Debatten auslösen.
Stars, Kontroversen und Premieren
Regisseur Roman Polanski, der sich derzeit in der Schweiz unter Hausarrest befindet und einem möglichen Auslieferungsverfahren in die USA gegenübersteht, hat seinen Film „The Ghost Writer“ für den Wettbewerb fertiggestellt; die Hauptdarsteller Ewan McGregor und Pierce Brosnan werden erwartet. Martin Scorseses neuer Thriller „Shutter Island“ mit Leonardo DiCaprio wurde ebenfalls angekündigt, ebenso ein Beitrag mit Bollywood‑Star Shah Rukh Khan („My Name Is Khan“).

Dass so viele international profilierte Namen zusammenkommen, erhöht die mediale Reichweite der Berlinale deutlich. Für Produzenten und Verleiher ist das Festival ein zentraler Marktplatz: Verträge, Festivalpreise und Presseresonanz können hier über den weiteren Vertrieb und über Awards‑Chancen entscheiden.
Termine und Preise
Die Preisverleihung mit Verleihung des Goldenen Bären und der Silbernen Bären ist für den 20. Februar angesetzt; am 21. Februar endet die Festivalausgabe offiziell. Beobachter rechnen damit, dass die Vergabe der Hauptpreise Einfluss auf den Kinostartkalender und die Saison der internationalen Festivals nimmt.
Insgesamt verspricht die 60. Berlinale ein Programm, das künstlerische Vielfalt mit kommerzieller Zugkraft verbindet — und gleichzeitig Raum für kontroverse Debatten lässt. Für Zuschauer wie für die Branche werden die kommenden Wochen zeigen, welche Titel neben Lob auch nachhaltige Verbreitung und Diskussion erreichen.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.