Antisemitismus als Karriere-Boost? So nutzt du es wie Macklemore!

Mai 26, 2025

Macklemore live bei

Knick vs. Kick

Um in der Musikbranche wieder an Fahrt zu gewinnen, muss man zunächst einmal einen Tiefpunkt erlebt haben. Macklemore liefert hierfür ein Paradebeispiel. Sein Album BEN aus dem Sommer 2023 erwies sich als kommerzieller Reinfall. Während sein vorheriges Album noch in den Top Ten in Deutschland landete, kam BEN nicht über Platz 37 hinaus und verschwand nach nur einer Woche wieder aus den Charts. Auch in den USA stürzte es ähnlich schnell ab, im Gegensatz zu seinem 2017er Album GEMINI, das 39 Wochen lang in den Top 100 blieb und eine Platin-Auszeichnung erhielt. Ein klarer Karriereknick, wie mir ein Kollege von der Musikexpress-Redaktion in einer E-Mail am 06.02.2023 bestätigte:

„Hi Linus, eine Agentur bietet Macklemore für ein Interview nächste Woche in Berlin an. Meiner Meinung nach ist er total out – siehst du das anders und möchtest du das machen? Liebe Grüße!“

Ich habe nicht einmal auf diese E-Mail geantwortet – und mein Kollege fragte nicht weiter nach. Also, Mission Karriereknick: erfolgreich abgeschlossen.

I bims 1 Nahostexperte!

Wenn die neueste Musik eines alternden Partyrappers niemanden mehr interessiert, muss man sich eben anders in Szene setzen. Macklemore legte im Frühjahr 2024 mit der Single „Hind’s Hall“ nach, die den komplexen Nahostkonflikt für eine populistische, einseitige Geschichte nutzte. Die Algorithmen und unsere postfaktische Gegenwart sprangen darauf an, was den bereits abgeschriebenen Rapper wieder ins Rampenlicht rückte. Er versuchte sogleich, diese neue Relevanz zu konservieren, indem er bald darauf eine Fortsetzung des Liedes veröffentlichte: „Hind’s Hall 2“ – damit es auch jeder versteht.

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Nie wieder Krieg

Der Song „Hind’s Hall“ thematisiert ein fünfjähriges Kind, das bei einem israelischen Angriff getötet wurde. Es geht darum, Opfern ein Gesicht zu geben und sie aus der Anonymität von Statistiken herauszuholen. Ähnlich wie der auf dem Nova-Festival entführte und später in den Hamas-Tunneln unter Rafah getötete Hersh, ist auch Hind ein unschuldiges Opfer. Jeder Tote ist einer zu viel. End this war!

Verschwörungstheorien? Immer gut!

Der Rebell ist in der Popkultur stets attraktiver als der Bewahrer. Daher ist es wenig hilfreich zu erwähnen, dass nach dem 7. Oktober die Verbreitung des Hashtags #freepalestine die von #westandwithisrael um das Zwanzig- bis Fünfzigfache übertraf. Vor allem auf TikTok und in den sozialen Medien wimmelt es von Pro-Palästina- und antisemitischen Posts. Doch um als Rebell neu durchzustarten, muss die Behauptung aufgestellt werden, dass das, was man zu sagen hat, von „den Eliten“ nicht gewünscht sei. Macklemore baut seine Rolle als „White Saviour“ auf genau dieser Verschwörungstheorie auf: „You can pay off meta / but you can’t pay off me“ bzw. „You can ban TikTok / take us out of the algorithm / but it’s too late“.

Glaubwürdigkeit

In aktivistischen Kreisen könnte es allerdings einen faden Beigeschmack haben, wenn sich ein weißer Rapper einen populären Konflikt nur überstülpt. Daher ist es wichtig, etwas für die eigene Glaubwürdigkeit zu tun. Macklemore kann hier beispielsweise auf einen Skandal von vor zehn Jahren zurückgreifen, bei dem er sich in einer Verkleidung zeigte, die diffamierende jüdische Stereotype darstellte (inklusive großer Hakennase). Damals bestritt er noch die antisemitische Intention seines Kostüms. Der jüdische Schauspieler und Komiker Seth Rogen glaubte ihm damals bereits nicht und beendete die Twitter-Auseinandersetzung mit den spöttischen Worten: „Erst willst du die Leute glauben machen, du wärst ein Rapper, und jetzt sollen sie dir abnehmen, dass du ein Jude bist?“

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Trump up

Wie im Krieg kann auch im Pop keine Rücksicht auf Kollateralschäden genommen werden. Macklemore wurde mit seinen beiden „Hind’s Hall“-Songs zu einem Verstärker für die pro-palästinensischen Protestierenden an amerikanischen Hochschulen. Sein Text arbeitet sich dabei dezidiert an den Demokraten ab – an Joe Biden und, nachdem dieser als Kandidat zurücktrat, an Kamala Harris: „Blood is on your hands Biden / I’m not voting for you in the fall!“ sowie „Kamala stop sending money and weapons / or you not winning Michigan.“

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Macklemores ausführliche Darstellung des Nahost-Konflikts kommt ganz selbstverständlich ohne Begriffe wie Hamas, Geiseln oder siebter Oktober aus. War da etwa etwas?

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Andererseits braucht es natürlich umso mehr dramatische Wortkreationen. Autoritäre Buzzwords wie „colonize“, „genocide“, „intifada“, „white supremacy“ und ähnlich klangvolle Begriffe, die einem auf TikTok entgegenschreien können. Entscheidend für den Social-Media-Rap-Krieger der Jetztzeit: Die Texte von frühen Slime-Platten sollten dagegen wie ein sehr differenziertes Referat klingen. Zu viel Reflexion? Das würde unser Krafttier Macklemore sicher nicht gerne sehen!

Meme-Lord

Plötzlich ist man wieder wer im Meme-Spiel.

Back 4 Good

Und siehe da, es funktioniert. Karriere-Knick überwunden. Macklemore ist wieder wer und wird beispielsweise in Deutschland neben Deichkind, Paula Hartmann oder K.I.Z auf das diesjährige Deichbrand-Festival gebucht. Herzlichen Glückwunsch. Und sollte es doch noch einmal schwierig werden mit Buchungen wegen seiner zahlreichen kontroversen Aktivitäten … wie wäre es als Gaststar beim diesjährigen ESC? Dort, wie man auch dieses Jahr sieht, hat man stets ein offenes Ohr für Israel-Kritik, äh, -Hass!

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