Das englischsprachige Magazin Exberliner widmet seine aktuelle Ausgabe drei sehr unterschiedlichen Berliner Themen: die Modenschauen der Fashion Week, eine Ausstellung über misslungene Designobjekte und ein freches Lernbuch für Deutsch-Anfänger. Alle drei Beiträge zeigen, wie eng Mode, Design und Sprache in der Stadt miteinander verhandelt werden — und was das für Besucher und Bewohner praktisch bedeutet.
Modebetrieb trifft Nachwuchs: Die Fashion Week in Mitte
Berlin setzt im Januar erneut auf Laufstege und Marktplätze für Trends: Die Mercedes‑Benz‑Fashion‑Week bringt etablierte Marken und junge Labels zusammen und macht Bebelplatz und andere Locations zu Anlaufstellen für Einkäufer, Journalisten und Brancheninsider. Wer dabei ist, reicht von traditionellen Häusern wie Hugo Boss bis zu jungen Berliner Entwürfen.

Die Shows sind überwiegend Fachpublikum vorbehalten, doch wer die richtigen Kontakte hat, kommt gelegentlich trotzdem hinein — oder zumindest auf eine der vielen Partys, die in der Stadt folgen. In diesem Jahr ziehen besonders zwei Namen Aufmerksamkeit auf sich: das Newcomer‑Label No Ifs und der provokante Designer Patrick Mohr, der erneut mit einer inszenierten Präsentation für Gesprächsstoff sorgen will.
Parallel zur Laufstegdichte finden in der Stadt mehrere Fachmessen statt, die für Einkäufer und Marken wichtig sind. Vor allem die urbane Streetwear‑Szene konzentriert sich in Tempelhof, während spezialisierte Formate wie eine Denim‑Messe in Oberschöneweide erneut Denim‑Interessierte anziehen.
- Mercedes‑Benz Fashion Week — Jan 20–23 | Bebelplatz, Unter den Linden, Mitte
- Jam (Denim) — Jan 20–22 | Rathenauhallen, Wilhelminenhofstr. 83–85, Oberschöneweide
- Premium — Jan 20–23 | Luckenwalder Str. 4–6, Kreuzberg
- Spirit of Fashion — Jan 20–22 | Karl‑Marx‑Allee 131A, Friedrichshain
- Bread & Butter — Jan 20–22 | Flughafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke 5
Schlechter Geschmack als Ausstellungsstück
Die Frage, was als ästhetisch gilt und was als Kitsch abgetan wird, ist älter, als man denkt. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts legte ein Prager Kunsthistoriker ein umfassendes Inventar des „schlechten Geschmacks“ an — ein Ansatz, der jetzt in Berlin eine zeitgenössische Fortsetzung findet.

Ein Museum hat eine Sammlung zusammengestellt, die Objekte versammelt, die zwischen ironischer Provokation und handfester Geschmacklosigkeit schwanken: Sneakers mit Promi‑Motiven, Porzellanvasen in Tierformen oder luxuriös anmutende, jedoch seltsam fehlplatzierte Accessoires. Die Präsentation ordnet die Stücke in Kategorien wie verfälschte Materialien oder übertriebene Ornamentik — und liefert damit zugleich ein Instrument zur Diskussion über Designstandards und Konsumästhetik.
Für Besucher hat die Ausstellung zwei Effekte: Sie provoziert und sie bietet die Möglichkeit zur Selbstreflexion. Gerade nach Geschenk‑reichen Feiertagen wird sichtbar, wie eng Geschmack mit Identität und sozialem Kontext verbunden ist.
Ausstellung: Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks | Museum der Dinge, Oranienstr. 25, Kreuzberg. Laufzeit bis 11. Jan.
Deutsch lernen — mit spitzer Feder
Sich sprachlich fit zu machen, kann frustrierend sein: Klassische Lehrwerke und Apps treffen nicht immer den Alltag, den Lernende tatsächlich erleben. Ein neues Lehrbuch nähert sich dem Thema deshalb von der satirischen Seite und verlegt die üblichen Übungsszenen in die Berliner Kneipenwelt.
Statt fiktiver Figuren wie Günther und Greta arbeiten die Autoren mit einer modernen, konkret gezeichneten Familie und Szenen, die man in Kreuzberg oder Neukölln ebenso antreffen könnte: ein kleiner Laden, eine Bar, das alltägliche Durcheinander der Stadt. Die Illustrationen geben den Charakteren eine leicht lädierte, aber erkennbare Persönlichkeit — stets mit einem ironischen Blick auf deutsche Alltagssituationen.
Das Buch will Lernende unterhalten und gleichzeitig die Fähigkeit trainieren, sich sprachlich in realen, oft unhöflichen oder komischen Situationen zurechtzufinden. Indem es auch Selbstironie fördert, zielt es darauf ab, kulturelle Barrieren abzubauen und mehr Gelassenheit im Umgang mit Fehlern zu erzeugen.
Buchtipp: Deutsch für den Ausländer — Florian Lamp & Heldrich Johannes, Der Grosskonzern, 254 Seiten.
Insgesamt zeigt die Ausgabe von Exberliner, wie eng Modenarrative, Designdebatten und Sprachpraxis in Berlin verwoben sind: Sie sind nicht nur Ausdruck kultureller Vorlieben, sondern beeinflussen auch, wie die Stadt sich nach außen präsentiert und wie ihre Bewohner miteinander umgehen.
Ähnliche Beiträge:
- Kitsch als Schönheitssymbol: „Für mich hat Kitsch etwas Schönes“
- Berlin entdecken: Von Mitte über Prenzlauer Berg bis Kreuzberg!
- Verpassen Sie nicht: 11 Top-Events in Deutschland, die Sie diesen Juli erleben müssen!
- Demna revolutioniert Gucci: Underground-Rap erobert die Fashion Week!
- Entdecken Sie die Kieze: Berlins ikonische Viertel mit Charakter!

Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.