Gershwin: verlorenes Musical über 1930er-Deutschland feiert Uraufführung in Dresden

Oktober 14, 2026

Leeres Theaterbühnen-Setting mit Vintage-Requisiten unter einem Scheinwerfer

Die Dresdner Staatsoperette bringt erstmals in Europa George Gershwins Musical Pardon My English auf die Bühne – mehr als sieben Jahrzehnte nach der New‑York‑Uraufführung. Die Wiederaufnahme wirft nicht nur ein Licht auf ein lange vergessenes Werk, sondern verändert auch kurzfristig den Spielplan der sächsischen Theaterszene.

Worum es geht

Im Zentrum steht ein Kleinkrimineller, der durch einen Schlag auf den Kopf seine Persönlichkeit verliert und plötzlich als anständiger Bürger auftritt. Diese Wandlung sorgt für Verwirrung in seinem Umfeld und verläuft zugleich in einer Liebesgeschichte mit der Tochter des ermittelnden Polizisten.

Zwei anonymisierte Darsteller in slapstickartiger Pose auf einer Bühne
Die Inszenierung nutzt Slapstick und Parodie, sichtbar in Kostüm und Bühnenbild.

Die Inszenierung verbindet Elemente der Parodie mit Slapstick und einer Prise Absurdität; die Handlung spielt bewusst mit Rollenklischees und komischen Verwechslungen, ohne Anspruch auf psychologische Tiefe.

Geschichte eines Stücks

Gershwins Musical war 1933 am Broadway zu sehen, blieb dort jedoch nur kurzlebig: Nach 43 Aufführungen wurde die Produktion eingestellt. Im Kontext der Zeit wurden Aufführungen, die Deutschland zum Gegenstand komödiantischer Darstellung machten, zunehmend problematisch und gerieten dadurch in Vergessenheit.

Historisches Broadway-Theater von außen in den 1930er Jahren
Gershwins Pardon My English lief 1933 kurz am Broadway und verschwand dann aus dem Repertoire.

Fast ein Jahrhundert später bringt die Dresdner Bühne das Werk nun in veränderter historischer Lage wieder zur Aufführung – erstmals auf dem europäischen Kontinent.

  • Komponist: George Gershwin
  • Titel: Pardon My English
  • Uraufführung: Broadway, 1933 (43 Aufführungen)
  • Europa-Premiere: Dresdner Staatsoperette, 27. November
  • Themen: Identitätswechsel, Liebe, Pointe‑komische Verwechslung
  • Spielstätte: Eine der wenigen reinen Operettenbühnen Europas

Warum die Neuinszenierung relevant ist

Die Aufführung bietet eine kulturelle Neubewertung: Ein Werk, das durch historische Umstände aus dem Repertoire fiel, wird nun in einem anderen historischen Kontext gezeigt. Das eröffnet Diskussionen über Erinnerungskultur und die Rolle von Unterhaltung in politisch aufgeladenen Zeiten.

Für Dresden bedeutet die Produktion zudem eine Stärkung des Profils als Standort für Operette und leichte musikalische Bühnenkunst – eine Nische, die in Europa nur noch selten exklusiv bespielt wird.

Die Premiere am 27. November wird deshalb nicht nur als Theaterereignis gesehen, sondern auch als Beitrag zur Aufarbeitung und Wiederentdeckung eines vernachlässigten Teils des Musical‑Kanons.

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