Beim Austin City Limits Festival Anfang Oktober setzte Lorde ein deutliches Zeichen: Die neuseeländische Musikerin trat mit einer Jacke auf, an deren Saum auf Deutsch die Botschaft „Freiheit für Palästina“ zu lesen war — wenig später teilte sie ein Foto des Kleidungsstücks in ihrer Instagram‑Story und verknüpfte es mit dem Namen Robert Kraft. Die Aktion fällt in die laufende Debatte um Konzertverbote, Stadionpolitik und politische Äußerungen von Künstlerinnen und Künstlern.
Lorde, die Jacke und die Instagram‑Markierung
Bei ihrem Auftritt am 3. Oktober trug Lorde das auffällige Kleidungsstück. Zwei Tage später veröffentlichte sie ein Bild der Jacke in ihrer Story und verlinkte dabei ein Profil, das mit Robert Kraft in Verbindung gebracht wurde.

Medienberichte wiesen jedoch darauf hin, dass es sich bei dem getaggten Account offenbar um eine Fan‑Seite handelte und nicht um ein verifiziertes Konto des Stadion‑Besitzers. Eine weitere Erklärung von Lorde dazu blieb aus.
Warum Robert Kraft relevant ist
Der Name Kraft spielt insofern eine Rolle, als er Eigentümer des Gillette Stadium in Foxborough ist und die NFL‑Franchise New England Patriots kontrolliert. Anfang September war Kraft in die Kontroverse um einen geplanten Auftritt von Macklemore als Voract von Ed Sheeran involviert: Er hatte sich gegen den geplanten Gig im Gillette Stadium ausgesprochen.

Seine Begründung lautete, Veranstaltungen in seinem Stadion sollten keinen Raum für Hassrede bieten. Kraft verwies auf Material von früheren Macklemore‑Shows sowie auf eine Vorgeschichte problematischer Äußerungen, weshalb ein Auftritt für ihn eine Grenze überschritten hätte.
Der Auslöser: Macklemores Bühnenaktionen
Bei Konzerten im MetLife Stadium hatte Macklemore die Parole „Free Palestine“ gerufen, Bilder aus Gaza gezeigt und seinen Protestsong aus 2024 gespielt. Anschließend berichtete er, Ed Sheeran habe ihn informiert, Kraft habe sich mit weiteren Stadionbetreibern abgestimmt — mehrere Veranstaltungsorte hätten danach Bedenken geäußert.
Als Folge kündigte der US‑Promoter Messina Touring Group die Zusammenarbeit mit Macklemore. Zugleich zogen weitere Acts ihre Beteiligung an Teilen von Sheerans Tour zurück, darunter Finneas, Aaron Rowe, Lukas Graham und die Tourband Beoga.
Reaktionen aus dem Lager der Tour
Ed Sheeran erklärte, die Entscheidung über Macklemores Ausschluss sei vom US‑Veranstalter getroffen worden; er habe versucht, in Gesprächen eine Lösung zu finden. Bei einem Konzert in Philadelphia sprach Sheeran später ausführlich über die Situation, bezeichnete die Lage in Gaza als «katastrophal» und entschuldigte sich dafür, Fehler in der Handhabung gemacht zu haben.
Macklemore kündigte an, eine Million US‑Dollar aus Tour‑Einnahmen an Hilfsorganisationen zugunsten der Palästinenser:innen zu spenden.
- Konsequenzen für Tourplanung: Stadionbetreiber können Einfluss auf Künstler‑Bookings ausüben, was Tourneen abrupt verändern kann.
- Freie Meinungsäußerung vs. Sicherheits‑ und Reputationsrisiko: Veranstalter wägen politische Botschaften gegen mögliche Störungen und Imageschäden ab.
- Vertragsrisiken für Künstler: Promoter‑Entscheidungen können Verträge beenden und Einkommensströme unterbrechen.
- Spenden als Reaktion: Finanzielle Zuwendungen von Künstlern sind Teil der öffentlichen Reaktion und beeinflussen die mediale Wahrnehmung.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Anfang September | Robert Kraft äußert Bedenken gegen Macklemores Auftritt im Gillette Stadium |
| Konzerte im MetLife Stadium (vorher) | Macklemore ruft „Free Palestine“, zeigt Bilder aus Gaza |
| 3. Oktober | Lorde trägt Jacke mit der Aufschrift „Freiheit für Palästina“ beim Austin City Limits Festival |
| 5. Oktober | Lorde postet ein Foto der Jacke in ihrer Instagram‑Story und markiert ein Profil, das mit Robert Kraft in Verbindung gebracht wird |
Der Vorfall zeigt, wie schnell sich künstlerische Aussagen und Stadion‑Entscheidungen gegenseitig beeinflussen können. Für Publikum, Veranstalter und Künstler bleibt offen, welche Maßstäbe künftig bei politischen Statements auf der Bühne gelten — und wie Tour‑Ökonomie und Meinungsfreiheit gegeneinander abgewogen werden.
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Tom Schneider ist Musikliebhaber, DJ und Redakteur bei Inside-Reeperbahn.de. Er schreibt mit Herzblut über neue Bands, alte Legenden und die Hamburger Clubszene. Seine Artikel verbinden Recherche mit persönlichem Erleben und bieten echten Mehrwert für Musikfans.