Punkrocker versammeln sich auf Sylt
Die Punkrock-Szene hat sich erneut auf Sylt eingefunden, um dort zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren ein mittlerweile berüchtigtes Protestcamp zu errichten. Dieses Mal richten sie sich gegen rechte Extremisten.
Die Aktion Sylt, eine Gruppe, die hinter der Organisation des Camps steht, erklärte, das Ziel sei es, „sichere Rückzugsorte für faschistische Subventionsnehmer, steuerhinterziehende Nazi-Erben und rückständige Weltzerstörer der Vergangenheit angehören zu lassen!“
Das Camp ist offiziell bei den lokalen Behörden angemeldet und darf bis zum 6. September, also bis zu sechs Wochen, bestehen bleiben.
„Es werden sicherlich mehrere hundert Menschen im Laufe der Aktion hier im Camp sein,“ sagte der 24-jährige Organisator und Sprecher des Protestcamps, Marvin Bederke, gegenüber der DPA.
Warum protestieren Punks auf Sylt?
Sylt gilt als einer der prestigeträchtigsten Sommerurlaubsorte Deutschlands.
Die Insel im Norden beherbergt zahlreiche Touristenresorts und weiße Sandstrände, die Surfer und Sonnenanbeter anlocken.
Sie ist berüchtigt als Treffpunkt für die reiche und berühmte deutsche Gesellschaft, die am Strand feiert. Tatsächlich fand hier 2022 die hochkarätige Hochzeit des Finanzministers Christian Lindner mit der Journalistin Franca Lehfeldt statt, dessen Vermögen auf 5,5 Millionen Euro geschätzt wird.
Die friesische Insel machte auch Schlagzeilen, als das 9-Euro-Ticket eingeführt wurde, das es ermöglicht, für weniger als zehn Euro pro Monat durch das Land zu reisen. Damals sorgte ein berüchtigter Artikel der Bild für Aufsehen, da befürchtet wurde, die Insel könnte von ärmeren, linksgerichteten Städtern überrannt werden.
Dies löste eine Flut von Memes aus, die schließlich zur realen ‚Punk-Invasion auf Sylt‘ führten.
Es geht nicht mehr nur um günstigen Transport
Sylt geriet dieses Jahr erneut in die Schlagzeilen, nachdem ein Video viral ging, in dem junge Leute Nazi-Parolen zu einem populären Lied riefen.
Der Vorfall löste deutschlandweit Empörung aus. Einige reagierten jedoch mit Humor und spielten auf die Memes der Sylt-Invasion an, was darauf hindeutet, dass die Punks noch Arbeit vor sich haben.
Kurz darauf wurde eine kleine Gruppe von Punks auf Sylt gesehen, wie sie ein Banner mit der Aufschrift „laut gegen Rechts“ trugen. Sie versprachen im Vorfeld eine starke Präsenz beim diesjährigen Protestcamp.
Und die Polizei ist damit einverstanden?
Die Organisatoren des Camps hatten dieses zuvor bei den lokalen Behörden angemeldet.
Der Sprecher des Kreises Nordfriesland bestätigte gegenüber dem ZDF, dass sie eine Registrierungsanfrage für ein Protestcamp vom 22. Juli bis Anfang September erhalten hatten.
Er fügte hinzu: „Grundsätzlich gibt es keine Gründe nach Versammlungsrecht, das Protestcamp zu verbieten…”
Die antikapitalistische Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD) bewarb den Protest bereits im April dieses Jahres.
In einem Beitrag auf Instagram freuten sie sich auf das traditionelle Stürmen des kostenpflichtigen Strandes und die Umwandlung des Westerländer Rathauses in die größte Punk-Kneipe des Nordens.
Sie merkten auch humorvoll an, dass die bisherigen Versuche der Gemeinde Sylt, den Protest abzuwiegeln oder zu unterdrücken, erfolglos waren: „Mal sehen, was ihnen dieses Jahr einfällt. Vielleicht Kampfdruiden oder aufblasbare AFD-Politiker? Wir sind gespannt.“
„Und wir nehmen jede Schikane der Sylter High Society gerne als Anlass, sie nur noch mehr zu verärgern.”
Die Bewohner des Camps müssen während der Dauer des Protests in Zelten schlafen, Chemietoiletten benutzen und ihren Müll entsorgen.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.