Leitung der Documenta tritt nach Antisemitismus-Vorwürfen zurück
Die Documenta, eine der größten Kunstveranstaltungen weltweit, hat kürzlich für Schlagzeilen gesorgt, nachdem die Generaldirektorin Sabine Schormann aufgrund von Vorwürfen des Antisemitismus in den ausgestellten Werken zurücktreten musste. Dieser Vorfall ereignete sich nach der Eröffnung der Kunstmesse im letzten Monat in Deutschland.
Die Veranstaltung, die alle fünf Jahre die sonst ruhige Stadt Kassel zum Mittelpunkt der Kunstwelt macht, zog diesmal über 1.500 Mitwirkende an. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 1955 wurde sie von einem Kollektiv kuratiert, nämlich von Ruangrupa aus Indonesien.
Der Aufsichtsrat der Documenta äußerte jedoch schon kurz nach der Eröffnung im Juni sein „tiefes Entsetzen“ über Inhalte, die er als „eindeutig antisemitisch“ identifizierte. Man einigte sich daraufhin mit Schormann auf eine Beendigung ihres Vertrags.
Es wurde bekanntgegeben, dass ein interimistischer Leiter ernannt werden soll.
Nur zwei Tage nach der öffentlichen Eröffnung geriet ein Werk der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi in die Kritik, da es Darstellungen enthielt, die sowohl von der deutschen Regierung als auch von jüdischen Gruppen als zu weitgehend betrachtet wurden.
In dem betreffenden Wandgemälde ist ein Schwein abgebildet, das einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ trägt. In derselben Darstellung sieht man einen Mann mit für orthodoxe Juden typischen Schläfenlocken, Fangzähnen und blutunterlaufenen Augen, der einen schwarzen Hut mit SS-Abzeichen trägt.
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Das Werk wurde verdeckt, nachdem jüdische Führer und die israelische Botschaft in Deutschland ihren „Ekel“ ausgedrückt hatten, was jedoch einen langen Schatten auf die Veranstaltung warf, die nun ihre 15. Ausgabe erlebte.
Claudia Roth, die deutsche Kulturministerin, unterstützte Schormanns Rücktritt und forderte eine Untersuchung, wie es überhaupt zur Zulassung des antisemitischen Werks kommen konnte.
Vertrauensverlust und Untersuchungen
Der Aufsichtsrat der Documenta versprach eine umfassende Untersuchung und räumte ein, dass „leider viel Vertrauen verloren gegangen“ sei. Man verpflichtete sich dazu, weitere „antisemitische Vorfälle“ zu verhindern.
Remko Leemhuis, Direktor des American Jewish Committee Berlin, kritisierte die Documenta dafür, nicht weit genug gegangen zu sein und das Problem immer noch nicht verstanden zu haben. Laut der Tageszeitung Bild war Leemhuis besonders kritisch gegenüber der Bezeichnung der Vorwürfe als „Antisemitismus“, da die Werke seiner Meinung nach eindeutig antisemitisch seien.
Die Kunstveranstaltung war bereits Monate vor ihrer Eröffnung wegen der Einbeziehung einer Gruppe palästinensischer Künstler, die die israelische Besatzung stark kritisieren, in Kontroversen geraten. Ruangrupa wurde dafür kritisiert, das Kollektiv The Question of Funding aufgenommen zu haben, das Verbindungen zur BDS-Bewegung hat. Die BDS wurde 2019 vom deutschen Parlament als antisemitisch eingestuft und von der Vergabe föderaler Gelder ausgeschlossen. Etwa die Hälfte des Budgets der Documenta von 42 Millionen Euro stammt aus öffentlichen Mitteln.
Kassel, das während des Zweiten Weltkriegs ein großes Zwangsarbeitslager beherbergte und von den Alliierten stark bombardiert wurde, sollte durch die Documenta nach der Nazi-Kampagne gegen die Avantgarde wieder auf die kulturelle Landkarte gesetzt werden.
Die Messe, die bis zum 25. September läuft, zählt nun neben der Biennale in Venedig zu den weltweit führenden Schaufenstern für zeitgenössische Kunst.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.