Wer entscheidet beim diesjährigen Berlinale-Wettbewerb über den Goldenen Bären, die Silbernen Bären und den Alfred-Bauer-Preis? An der Spitze des Gremiums steht die Schauspielerin und Filmemacherin Isabella Rossellini — und das Jury-Ensemble verbindet prominente Namen aus Schauspiel, Produktion, Regie und Kostümbild. Schon die Zusammensetzung selbst sagt viel über die inhaltlichen Schwerpunkte und die internationale Reichweite des Festivals aus.
Isabella Rossellini leitet die Jury in diesem Jahr. Die Tochter von Ingrid Bergman und Roberto Rossellini hat in mehr als vierzig Spielfilmen mitgewirkt und mit Regisseuren von David Lynch bis Peter Greenaway gearbeitet. International bekannt wurde sie durch ihre Rolle in David Lynchs „Blue Velvet“ (1986). Am Rande der Berlinale ist Rossellini außerdem in dem Film „Late Bloomers“ zu sehen, der außer Konkurrenz gezeigt wird.
Die Festivalleitung hält zudem einen Platz frei aus Solidarität mit dem iranischen Regisseur Jafar Panahi, der kurz nach seiner Einladung inhaftiert wurde. Panahi, dessen früheres Werk „The White Balloon“ mit der Camera d’Or in Cannes ausgezeichnet wurde, ist zu einer symbolischen Figur für Fragen von Kunstfreiheit und politischer Repression geworden; er wurde zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und mit einem langjährigen Berufsverbot belegt.
Das Juryteam im Überblick
- Jan Chapman (Produzentin, Australien) – international bekannt durch die Produktion von „The Piano“ (Oscar-prämiert). Sie leitet eine eigene Produktionsfirma und kooperiert weiterhin mit Regisseuren wie Jane Campion.
- Nina Hoss (Schauspielerin, Deutschland) – seit den 1990er-Jahren in Film und Fernsehen präsent; 2000 als Shooting Star der Berlinale ausgezeichnet. Bei diesem Festival läuft zudem „A Girl Called Rosemarie“ als Tribut an den kürzlich verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger.
- Aamir Khan (Schauspieler/Produzent, Indien) – einer der prägenden Köpfe des modernen Bollywood-Kinos; sein Weg vom Darsteller zum Produzenten hat mehreren seiner Filme internationale Beachtung und Oscar-Registrierungen gebracht.
- Guy Maddin (Regisseur, Kanada) – Kultregisseur mit einem Faible für stilisierte, experimentelle Erzählweisen; sein stummfilmähnliches Werk „Brand Upon the Brain!“ wurde einst bei der Berlinale mit Live-Orchester und einer Erzählerrolle von Rossellini gezeigt.
- Sandy Powell (Kostümbildnerin, GB) – in London ausgebildet, mehrfach für den Oscar nominiert und dreifache Oscar-Preisträgerin, unter anderem für „Shakespeare in Love“.
Die Bandbreite der Jury-Mitglieder spiegelt verschiedene Blickwinkel auf Kino: Schauspielkunst, Produktionspraxis, Regieführung und visuelle Gestaltung sind gleichwertig vertreten. Für Filmschaffende bedeuten Entscheidungen dieses Gremiums erhöhte internationale Sichtbarkeit und oft einen Anschub für Festival- und Vertriebswege.
Die Vergabe der Preise wird am Ende der Berlinale bekanntgegeben und bleibt ein Gradmesser dafür, welche Themen, Stile und künstlerischen Herangehensweisen das Festivaljahr prägen — zugleich steht die Jury mit ihrer Zusammensetzung exemplarisch für Debatten über Meinungs- und Kunstfreiheit in der Filmwelt.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.