Befürchtungen eines Nobelpreisträgers
In einem seiner letzten Gespräche äußerte der deutsche Nobelpreisträger Günter Grass seine Sorge, dass die Menschheit unbewusst in einen Weltkrieg stolpern könnte. Dieses Interview führte er mit der spanischen Zeitung El Pais kurz vor seinem Tod am Montag.
Globaler Konflikt am Horizont
„Auf der einen Seite haben wir die Ukraine, deren Lage sich nicht bessert; in Israel und Palästina verschlimmert sich die Situation; dazu kommt das Desaster, das die Amerikaner im Irak hinterlassen haben, die Gräueltaten des Islamischen Staates und die Probleme in Syrien“, erklärte Grass während des Gesprächs, das am Dienstag veröffentlicht wurde.
„Überall gibt es Krieg; wir laufen Gefahr, die gleichen Fehler wie früher zu machen; so können wir, ohne es zu merken, in einen Weltkrieg schlafwandeln“, fügte er hinzu.
Das letzte Interview eines Literaturgiganten
Das Interview, das laut der meistverkauften Zeitung Spaniens in Grass‘ Haus in Lübeck im Norden Deutschlands am 21. März geführt wurde, war das letzte vor seinem Tod im Alter von 87 Jahren.
Günter Grass, der 1959 mit seinem Debüt- und bekanntesten Roman „Die Blechtrommel“ weltweiten Ruhm erlangte, war zeitlebens ein Pazifist und lehnte die Stationierung von Atomraketen auf deutschem Boden ab.
In dem ausführlichen Gespräch mit El Pais äußerte er auch seine Besorgnis über den Klimawandel und die Überbevölkerung.
„All dies zusammen lässt mich erkennen, dass die Dinge endlich sind, dass wir nicht unendlich viel Zeit haben“, sagte er.
Eine Stimme gegen das Vergessen
Über Jahrzehnte hinweg forderte Grass Deutschland auf, sich seiner nationalsozialistischen Vergangenheit zu stellen. 1999 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen, wobei die Schwedische Akademie seine „ausgelassenen schwarzen Fabeln“ lobte, die „das vergessene Gesicht der Geschichte“ darstellen.
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.