Teilnehmer eines Projekts des Aspen Institute Deutschland schildern, wie sie gegen falsche Informationen in Sozialen Medien vorgehen – und warum das heute wichtiger ist als je zuvor. Angesichts neuer Technologien wie KI und jüngster politischer Umbrüche stehen Debattenqualität und Vertrauen in Informationen auf dem Prüfstand.
Das Aspen Institute Deutschland hat für sein Programm #InfluencersAgainstDisinfo in Berlin wiederholt internationale Akteurinnen und Akteure eingeladen, um in Workshops und Studienreisen Strategien gegen Falschinformationen zu erarbeiten. Die Initiative, getragen von einer unabhängigen, gemeinnützigen Denkfabrik, zielt darauf ab, Praktikerinnen aus Zivilgesellschaft, Medien und Bildung miteinander zu vernetzen.
Bianka Fuller – Psychologin aus Budapest
Bianka Fuller arbeitet als Psychologin und beobachtet, wie irreführende Gesundheitsinformationen psychische Belastungen verstärken. Sie betont, dass vereinfachte Erklärungen zu psychischen oder medizinischen Themen zwar hilfreich sein können, dabei aber stets auf überprüfbaren Fakten basieren müssen.
In ihrer Arbeit auf Instagram, TikTok und in einem eigenen Podcast versucht Fuller, Nutzerinnen und Nutzern Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie gesundheitliche Fehlinformationen schneller erkennen. Durch die Teilnahme am Projekt des Aspen Institute habe sie neue praktische Ansätze kennengelernt, wie Communitys sensibilisiert und Widerstandsfähigkeit aufgebaut werden können.
Für Fuller ist der Kontext in Ungarn prägend: Unter der bis April 2026 amtierenden Regierung sei die Bevölkerung lange Propaganda ausgesetzt gewesen. Der Regierungswechsel habe aber auch gezeigt, dass Engagement wirkt — und wachsam bleiben lohnt.
Svatopluk Barek (28) – Content Creator aus Chýně
Svatopluk Barek produziert erklärende Formate und Podcasts und hat einen Videokurs namens #GeneraceAI für Schülerinnen und Schüler entwickelt. Sein Ziel: jungen Menschen die Mechanismen künstlicher Intelligenz und deren Manipulationspotenziale verständlich machen.
Er sieht im Verfall des vertrauensvollen Austauschs eine der größten Gefahren für die Demokratie. Sein Podcast legt bewusst Wert auf respektvollen Streit: unterschiedliche Positionen werden diskutiert, ohne den Gesprächspartner zu delegitimieren. So entstehe Vertrauen — eine Ressource, die gezielte Desinformationsakteure zu untergraben versuchen.
Barek weist zudem auf historische Muster hin: Informationskampagnen, etwa aus Russland, hätten bereits vor militärischen Aktionen begonnen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Deswegen plädiert er dafür, dass Staaten wie die Tschechische Republik und Deutschland ihre Anstrengungen im Kampf gegen Falschinformationen verstärken.
- Quellen prüfen: Seriöse Herkunft, Autorinnen/Autoren und Belege hinterfragen.
- Faktenchecks nutzen: Unabhängige Prüfstellen konsultieren, bevor Inhalte weiterverbreitet werden.
- Medizinische Infos skeptisch behandeln: Bei Gesundheitsthemen auf Expert:innenmeinungen und Studien achten.
- Bildung stärken: Digitales und medialer Kompetenzunterricht, insbesondere zu KI, fördern.
- Konstruktiven Austausch pflegen: Gegensätzliche Meinungen ohne Abwertung diskutieren, um Vertrauen zu sichern.
Die Stimmen aus Budapest und Chýně zeigen, dass der Kampf gegen Desinformation nicht allein eine Aufgabe von Politik und Technik ist. Influencerinnen, Educator:innen und Journalist:innen können lokal ansetzen und zugleich grenzüberschreitende Standards unterstützen.
Für Leserinnen und Leser bedeutet das konkret: Aufmerksamkeit beim Teilen von Inhalten, kritische Prüfung von Gesundheits- und Politikmeldungen und die Bereitschaft, Medienkompetenz zu fördern — in Familien, Schulen und im Freundeskreis. Solche Schritte tragen dazu bei, dass öffentliche Debatten auf überprüfbaren Fakten beruhen und Demokratie resilienter wird.
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Lena Hoffmann ist eine Kulturjournalistin mit Leidenschaft für Theater, Literatur und alternative Kunstformen. Seit 2018 berichtet sie für Inside-Reeperbahn.de über Hamburgs kulturelle Szene und bringt dabei authentische Stimmen, neue Perspektiven und kreative Ausdrucksformen zum Vorschein.