Das deutsch-österreichische Regie-Duo Elsa Kremer und Levin Peter verbindet Dokumentation mit Fiktion und erzielt damit internationale Erfolge.
Ein Model, das vor seiner eigenen Perfektion flieht, ein Bestatter, der den Tod malt – und ein Film, der ihre Welten in einer von Neonlichtern beleuchteten Nacht zusammenbringt: „White Snail“ machte Elsa Kremser und Levin Peter international bekannt. Der Film wurde erstmals im internationalen Wettbewerb des Locarno Film Festivals gezeigt und mit einem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Die Hauptdarsteller Marya Imbro und Mikhail Senkov – beide Laienschauspieler – erhielten gemeinsam den „Pardo for Best Performance“. Das Drehbuch verfolgte bereits einen ungewöhnlichen Ansatz: Es enthielt nur Situationen und Entwicklungen, ließ aber die Dialoge offen. „Wir kannten Marya und Mikhail so gut, dass wir wussten, wie sie sprechen und reagieren würden“, erklärt Levin Peter.
Dass Senkov im Film in einer Leichenhalle arbeitet, ist kein Zufall – es ist auch sein realer Beruf. Kremser traf ihn vor zehn Jahren in der weißrussischen Hauptstadt Minsk und besuchte kurz darauf seine Wohnung, deren Wände mit Ölgemälden bedeckt waren. Die Gemälde zeigten Tote, jedoch nicht als starre Illustrationen. „Sie wirkten seltsam lebendig, gleichzeitig verletzlich und mit einer unerwarteten Zärtlichkeit“, erinnert sich Kremser. „Misha feiert in seinen Bildern die Vergänglichkeit und zeigt, dass jeder Körper letztendlich verfällt.“ Aus dieser Erfahrung entstand die Idee zu White Snail.
Die Verflechtung von Dokumentation und Fiktion
Der Film greift Elemente aus den Biografien seiner Schauspieler auf, bindet sie jedoch in eine andere, verdichtete Realität ein. Während Senkovs Malerei den Tod in poetischen Formen darstellt, verkörpert Imbro als Model die Welt der Perfektion – eine Rolle, die an ihr echtes Leben erinnert, da Imbro tatsächlich als Model arbeitet. Doch hinter der perfekten Fassade verbergen sich Verletzlichkeit: Depressionen, Zweifel und suizidale Gedanken prägen ihren Charakter. White Snail vereint diese scheinbar gegensätzlichen Welten – und stellt das soziale Streben nach Perfektion der Erfahrung von Verfall und Ende gegenüber.
Visuell hat Minsk die Ästhetik des Films geprägt. „Wir hatten die Stadt mit grauen Gebäuden verbunden“, sagt Levin Peter. „Vor Ort entdeckten wir die wilden Farben der Nächte, die futuristischen Satellitenstädte, die Einkaufszentren im Neonlicht.“ Viele Szenen wurden ausschließlich mit vorhandenem Licht gedreht: Neonlichter, Straßenlaternen, Handybildschirme. So entstand die Ästhetik zwischen direkter Dokumentarfilmweise und poetischer Beleuchtung.
Deutsch-österreichische Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit zwischen Elsa Kremser und Levin Peter war von Anfang an grenzüberschreitend. Beide studierten an der Filmakademie Baden-Württemberg, bevor sie 2016 ihre Produktionsfirma Raumzeitfilm in Wien gründeten – seitdem bewegen sie sich selbstverständlich zwischen Österreich und Deutschland. Dieser doppelte Bezug prägt auch ihre Produktionsweise. „In Österreich ist der Kunstfilm stärker vom kommerziellen Arbeiten getrennt und genießt mehr Ansehen“, berichtet Kremser. Deutschland bleibt jedoch ein fester Bestandteil: Ihre Filme entstehen immer in enger Zusammenarbeit mit regionalen Förderprogrammen und Sendern wie ZDF oder ARTE. Hier gibt es keine klassische Arbeitsteilung. Ideenentwicklung, Finanzierung, Drehbuch – alle Entscheidungen werden im Dialog getroffen. Ihre Filme tragen eine gemeinsame Handschrift.
Europäische Talentprogramme
Kremser und Peter haben wichtige Impulse durch europäische Talentprogramme erhalten. Sie erhielten ein Kompagnon-Stipendium, durchliefen das TorinoFilmLab und wurden später von Eurimages finanziert. Für Peter sind diese Plattformen vor allem ein Ort des intensiven Austauschs: „Die Diskussion mit anderen internationalen Filmemacherinnen und Filmemachern und das gegenseitige Lesen von Drehbüchern kann sehr bereichernd sein und unsere eigenen Projekte voranbringen.“
Mehr Geld zur Unterstützung des Kinos in Deutschland
Aktuell kommt neue Dynamik aus Berlin: Der Kulturminister Wolfram Weimer hat angekündigt, die Mittel zur Förderung des Kinos bis 2026 fast zu verdoppeln – künftig sollen jedes Jahr 250 Millionen Euro zur Verfügung stehen, um Planungssicherheit zu schaffen und internationale Produktionen zu stärken. Kremser und Peter begrüßen diesen Schritt und hoffen, dass dadurch vielen Filmemachern die notwendige Unterstützung für ihre Arbeit gewährt wird.
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Lena Hoffmann ist eine Kulturjournalistin mit Leidenschaft für Theater, Literatur und alternative Kunstformen. Seit 2018 berichtet sie für Inside-Reeperbahn.de über Hamburgs kulturelle Szene und bringt dabei authentische Stimmen, neue Perspektiven und kreative Ausdrucksformen zum Vorschein.