Thomas Quasthoff: Vom Konzertsänger zum Comedy-Star
Thomas Quasthoff hat seine glanzvolle Karriere als Konzertbassbariton beendet, um sich neuen Herausforderungen zu widmen. Heute ist er der Star einer Comedy-Show im West End von Berlin. Er gilt als einer der renommiertesten Künstler des Landes und wurde kürzlich zum „Deutschen der Woche“ gekürt.
Ein musikalischer Werdegang mit Hindernissen
Die musikalische Laufbahn von Quasthoff begann unter schwierigen Bedingungen. Aufgrund körperlicher Behinderungen, die durch die Einnahme des Medikaments Thalidomid während der Schwangerschaft seiner Mutter verursacht wurden, konnte er nicht Klavier spielen und wurde daher von der Musikhochschule in Hannover abgewiesen.
Quasthoff entschied sich jedoch, privat Musik zu studieren und gewann 1988 den ersten Preis beim internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. Dies war der Beginn einer Reihe von internationalen Ehrungen und Auszeichnungen.
Seine musikalischen Leistungen brachten ihm zahlreiche Preise ein, darunter drei Grammys. 2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 2009 die Goldmedaille der Royal Philharmonic Society und 2011 die Goldmedaille der Wigmore Hall in London.
Neben seinen Auftritten unterrichtete Quasthoff seit 1996 Musik, zunächst am Musikkolleg in Detmold und seit 2004 an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.
Ein neues Kapitel beginnt
Im Januar 2012 zog sich Quasthoff aus dem Konzertleben zurück. „Meine Gesundheit erlaubt es mir nicht mehr, den hohen Standard, den ich immer angesetzt habe, zu erfüllen“, erklärte er.
Er dankte seinen Kollegen aus der Gesangswelt, die er „diese wunderbare Profession“ nannte, und seinem Publikum für deren „Treue“. „Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen, die nun in mein Leben treten werden“, fügte er hinzu.
Eine dieser Herausforderungen war seine Veranstaltungsreihe Nachtgespräche, bei der er viele prominente Gäste aus Musik, Kultur und Politik auf der Bühne des Berliner Konzerthauses interviewte.
Letzten Montag startete Quasthoff jedoch ein neues, etwas anderes Projekt – eine Comedy-Varieté-Show namens Keine Kunst, in der er zusammen mit dem erfahrenen Varietékünstler Michael Frowin im Kabaretttheater Wühlmäuse im West End von Berlin auftritt.
Quasthoff betonte, dass die Show keine politische Satire sei, sondern sich mit Kunst und Kultur beschäftige. Das Material macht sich über amüsante „Foyer-Gespräche“, eigenartige Gewohnheiten von Schauspielern, bizarre Kunstkritiker und Hochschulaufnahmeprüfungen lustig, berichtete die Berliner Morgenpost.
Trotzdem er sich über die Gewohnheiten seiner Kollegen lustig macht, ist Übertreibung in der neuen Kabarettshow nicht vorgesehen: „Ich werde natürlich nicht auf die Bühne gehen und einfach mit dem Finger wedeln“, sagte Quasthoff. „Ich bevorzuge es, subtil und sorgfältig auf etwas hinzuweisen.“
Sein Ziel sei es, einen „entspannten, anspruchsvollen Abend“ zu bieten, ohne dass es wirke, als ob „zwei Intellektuelle auf der Bühne stehen und sich in ihrer Bildung suhlen“.
Der 53-jährige sieht Keine Kunst als eine Abgrenzung zur Mainstream-Comedy und betrachtet Kabarett als ein Mittel für etwas Anspruchsvolleres. „Es ist besser, Satire mit ein paar treffenden Worten und gutem Schauspiel geschickt zu kombinieren“, erklärte er. „In einer Show wie dieser kann man so viel mit Stimmungen und verschiedenen Charakteren machen.“
Aber subtile Konzepte einem Publikum zu vermitteln, kann eine Herausforderung sein. „Man muss wirklich viel darüber nachdenken, wie man sicherstellt, dass das, was man sagen möchte, beim Publikum auf die richtige Weise ankommt“, sagte er in der Berliner Morgenpost.
Seine Bemühungen scheinen nicht umsonst zu sein. Das Männermagazin GQ, das Quasthoff 2012 zum „Mann des Jahres“ in der Kategorie Kultur kürte, lobt seinen „unvergleichlichen Humor und sein brillantes Talent für Stimmimitationen“.
Bescheiden erklärte er gegenüber GQ: „Ob man gut ist oder nicht, hängt davon ab, ob man in Form ist und vom Geschmack der Zuschauer“, so Quasthoff. Seinen Erfolgen nach zu urteilen, muss er in Form sein.
Alex Evans
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.