Zaren, Fürsten und große Dichter – sie alle schätzten öffentliche Badehäuser. Die Begeisterung für diese Tradition besteht auch heute noch fort. In manchen Städten taucht man nicht nur in mineralstoffreiches Wasser ein, sondern auch in eine ruhmreiche Vergangenheit, die weit über die Mauern der Kurorte hinausstrahlt.
Wiesbaden: Eine internationale Kurstadt mit Gesellschaftsflair
Gönnen Sie sich einen Wellness-Urlaub wie zu Kaiserzeiten: Die Kaiser-Friedrich-Therme lädt zu einem entspannenden Aufenthalt ein. Nach einer aufwändigen Modernisierung strahlt dieses Jugendstil-Bad, das 1913 eröffnet wurde, auch heute noch als eine Perle unter Deutschlands Badeanstalten. In Wiesbaden, der Hauptstadt Hessens, genießt man schon seit Langem die Vorzüge von Bad und Kur. Im 19. Jahrhundert erlangte die Stadt sogar den Status einer „Weltkurstadt“ und wurde als das „Nizza des Nordens“ bezeichnet. Neben den Gebäuden der Innenstadt, darunter unbedingt die neogotische Marktkirche mit ihren fünf Türmen, zeugen das Hessische Staatstheater und das benachbarte Kurhaus von der Blütezeit der Stadt. Beeindruckend ist auch die längste Säulenhalle Europas mit 129 Metern Länge, während im Inneren das luxuriöse Casino, der Kurpark mit seiner prächtigen Magnolienblüte und das Bowling Green gegenüber dem Haupteingang zu finden sind. Berühmte Sänger wie Herbert Grönemeyer oder Plácido Domingo treten hier regelmäßig auf. Ein Kaskadenbrunnen bietet Erfrischung, auch außerhalb von Veranstaltungen im Freien.
Baden-Baden: Spitzenreiter in der Badekultur
Gemeinsam mit Bad Kissingen und Bad Ems gehört Baden-Baden zu den drei deutschen Heilbädern und zu den elf „Großen Wasserkurorten Europas“, die 2021 von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurden. Die Badekultur der Stadt am Rande des Schwarzwalds basiert auf Thermalwasser, das aus 2.000 Metern Tiefe gewonnen wird. Schon die Römer schätzten hier die Linderung ihrer Gelenkschmerzen, und im 19. Jahrhundert zog es Persönlichkeiten wie Dostojewski, Zar Nikolaus und Bismarck an. Sie flanierten durch die Parks zum Thermalgebäude mit seiner beeindruckenden Säulenfassade. In dem Gebäude befindet sich auch eines der ältesten Casinos des Landes. Ein Stadtspaziergang durch die Gassen der Altstadt bis zu den prächtigen Villen am Michaelsberg ist sehr zu empfehlen. Das Theater und die zweitgrößte Konzerthalle Europas laden zu einem tieferen Eintauchen ein, ebenso wie die heißen Becken des Friedrichsbads und der Caracalla-Therme.
Bad Schandau: Heilquellen im Elbsandsteingebirge
Im Südosten von Dresden gelegen, erfreut sich diese Region großer Beliebtheit bei Urlaubern. Kein Wunder, denn entlang der Elbe, die von der ältesten und größten Raddampferflotte der Welt befahren wird, reihen sich Highlights aneinander: das Schloss Pillnitz, Pirna, die Basteibrücke, die Festung Königstein bis hin zum staatlich anerkannten Kneipp-Kurort Bad Schandau nahe der tschechischen Grenze. Auf engem Raum finden sich hier Spitzenkliniken, Kureinrichtungen (mit Kneipp-Zertifikat) und der Kurpark, von dem aus die historische Kirnitzschtalbahn zur Lichtenhainer Wasserfall abfährt. Im mittelalterlichen Stadtkern bietet das Zentrum des Nationalparks Sächsische Schweiz Einblicke in das nahegelegene Schutzgebiet, wo das Zusammenspiel der Natur im Vordergrund steht. Ideal, um die eindrucksvollen und aufregenden Felsformationen des Elbsandsteingebirges (nicht verpassen: die Schrammsteine) durch Wandern, Klettern oder Radfahren näher zu erkunden. Erholung findet man in den Toskana Thermen von Bad Schandau mit Saunen und heißen Bädern.
Aachen: Avantgarde mit einem großen A
Nach Kelten und Germanen waren es besonders die Römer, die von „Aquae Granni“ angezogen wurden. Mit beeindruckenden Badeanlagen rund um seine heißen Quellen ist es die westlichste Stadt Deutschlands, die nur aus Gründen der Listenführung auf die Bezeichnung „Bad“ verzichtet hat. Karl der Große sorgte dann für eine städtische Dynamisierung, deren Erbe noch heute sichtbar ist. Nach wochenlangen Kuren vor Ort machte er Aachen zum Zentrum seines riesigen Reiches. Europäische Berühmtheiten, die hier badeten, haben über Jahrhunderte hinweg ihre Spuren hinterlassen, von König Friedrich dem Großen bis Napoleon. Heute zieht die Stadt neben Kurgästen auch Studenten der Exzellenzuniversität RWTH und Kulturtouristen an. Ganz oben auf ihrer Besuchsliste stehen das historische Rathaus, der klassische Elisenbrunnen und vor allem der Dom mit seinem Domschatz, die 1978 als erste deutsche Kulturdenkmäler in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden.
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Miriam Köhler ist Reisespezialistin mit Fokus auf urbane Entdeckungen. Sie erkundet Hamburgs spannendste Ecken und teilt in der Rubrik „Stadttouren“ Tipps, Anekdoten und Geheimadressen, die man so in keinem Reiseführer findet – mit viel Lokalkolorit.