Auseinandersetzung um gewalttätiges Computerspiel eskaliert
Am Freitag entbrannte eine heftige Diskussion um ein gewalttätiges Computerspiel, das trotz der Einwände der Regierung, die den mit 50.000 Euro dotierten ersten Preis teilweise finanziert, bei den Deutschen Computerspielpreisen die höchste Auszeichnung erhielt.
Kontroversen um den Ego-Shooter Crysis 2
Seit der Nominierung des Ego-Shooters Crysis 2 Anfang März wurde im Parlament heftig über das Spiel debattiert. Dieses steht im Zusammenhang mit dem Preis, der unter anderem von der Regierung mitfinanziert wird.
Wolfgang Börnsen, der kulturpolitische Sprecher der CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel, äußerte sich kritisch: „Unabhängig von der technischen Finesse sollten sogenannte Ballerspiele nicht prämiert werden.“
Dennoch sprach sich am Donnerstagabend eine unabhängige Jury in Berlin für Crysis 2 als Gewinner des Hauptpreises aus. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass das Spiel von den Frankfurter Entwicklern Crytek „Publikum und Experten gleichermaßen überzeugt und begeistert“ habe und hob die „technologische, qualitative und wirtschaftliche“ Leistung hervor.
Diese Anerkennung dürfte Börnsen kaum besänftigen, der bereits zuvor die Jury dafür kritisiert hatte, dass sie technische Qualität über kulturpädagogische Werte stellte – entgegen der Parlamentsresolution von 2007, die zur Gründung des Preises führte.
Sponsoren und Kritik an der Juryentscheidung
Der Preis wird vom Staatsminister für Kultur, Bernd Neumann, sowie den Branchenverbänden BIU und GAME gesponsert.
In einer Stellungnahme im Namen der Koalition, die vor der Bekanntgabe des Gewinners verfasst wurde, behauptete Börnsen, dass die Wahl der Jury gegen Artikel 1 des Grundgesetzes – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – verstoße und es Eltern erschwere, gegen gewalttätige Spiele Position zu beziehen. Er brachte sogar die Möglichkeit ins Spiel, die Jury zu ersetzen.
EA Games, der Vertrieb des kontroversen Titels, wies Börnsens Kritik zurück. Sprecher Martin Lorber betonte, dass der Unterhaltungswert eines Spiels ein ebenso gültiges Kriterium für die Preisvergabe sei wie der Bildungswert.
Auch innerhalb des Parlaments gab es Kritik an der Haltung der Koalition. Sebastian Blumenthal von der FDP, Vorsitzender des Unterausschusses für neue Medien, kritisierte Börnsens „undifferenzierte Killerspiel-Rhetorik“. Er verwendete den abwertenden deutschen Begriff für besonders gewalttätige Videospiele.
Sigmund Ehrmann, Sprecher der SPD für Kultur und Medien, stimmte zu, dass die Verwendung dieses Begriffs durch die Konservativen Zweifel an ihrer Objektivität wecke. Er wies darauf hin, dass die Jury, zu der auch Vertreter der Koalition gehörten, ihre Entscheidung mit einer Zweidrittelmehrheit getroffen hatte. „Das sollte nicht diskreditiert werden“, sagte Ehrmann.
Selbst innerhalb der Koalition gibt es Uneinigkeit. Das technologische Gremium Cnetz, das kürzlich von Koalitionspolitikern gegründet wurde, erinnerte ihren Kollegen daran, dass der Film „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino, der viele gewalttätige Szenen enthält, mit öffentlichen Geldern gefördert wurde.
Kontroverse am Jahrestag des Erfurter Amoklaufs
Die Kontroverse um den Sieg von Crysis 2 fiel auf den zehnten Jahrestag des Amoklaufs von Erfurt. Gewalttätige Videospiele wurden nach der Tragödie stark kritisiert, nachdem bekannt wurde, dass sie zu den Lieblingsbeschäftigungen des jugendlichen Schützen Robert Steinhäuser gehörten, der an seiner ehemaligen Schule 16 Menschen tötete, bevor er sich selbst erschoss.
The Local/jpg
Ähnliche Beiträge:
- Auszeichnung für den „Stehenden Mann“ aus der Türkei: Ein Symbol des Protests geehrt in Deutschland
- Junger Fotograf gewinnt Preis: Faszinierendes Fuchsbild überzeugt Jury!
- Massive Attack gegen Zensur: Neues Netzwerk unterstützt freie Meinung in Gaza-Diskussion
- Proteste ausgelöst: „Israel-Hasser“ erhält renommierten Philosophiepreis!
- Bild-Preis löst Alarm aus: Deutsche Medien sehen kritische Signale

Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.