Eine Kindheit in den USA: Weihnachten als religiöses Fest
Als ich in einer katholischen Familie in den USA aufwuchs, war Weihnachten ein ausgesprochen religiöses Fest: Die Mitternachtsmesse an Heiligabend, Adventskränze, die mit drei violetten Kerzen für Buße und einer rosa Kerze für Freude geschmückt waren. Schon bevor wir Kinder die nahende Weihnachtszeit richtig erahnen konnten, besuchten wir am 8. Dezember die Kirche, um die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria zu feiern, die den Messias gebären sollte, ohne gesündigt zu haben.
In den USA wurde jedoch der religiöse Aspekt von Weihnachten schnell von kitschigen Weihnachtsliedern über Santa Claus in jedem Geschäft, unpassenden Weihnachtspullovern, einer Flut von Weihnachtsverkäufen, die am Black Friday begannen, und den überall in Einkaufszentren platzierten Weihnachtsmännern in den Schatten gestellt.
Umzug nach Deutschland: Eine neue Perspektive
Als ich vor fast 20 Jahren nach Berlin zog, stellte ich fest, dass meine Freunde – selbst jene, die katholisch aufgewachsen waren – eine entspanntere Einstellung zur Religion hatten. Der Kirchgang am Sonntag war keine Pflicht, obwohl die Läden geschlossen waren. Und trotz der Existenz einer christdemokratischen Partei waren offene religiöse Bekundungen nördlich von Bayern selten zu sehen. Ein entspannter Atheismus schien unter meinen Bekannten die Norm zu sein.
Umso überraschter war ich, als sogar meine atheistisch angehauchten deutschen Freunde Adventskränze auf ihren Tischen hatten und ihren Kindern erzählten, dass das Christkind die Geschenke bringt – im Gegensatz zu dem rundlichen Kerl in Rot, der sich durch den Schornstein zwängt.
Deutsche Weihnachtstraditionen: Tief verwurzelt und musikalisch
„Selbst für Menschen, die sich nicht als religiös betrachten, gehört der Kirchgang in Deutschland zur Weihnachtstradition“, erklärte Sandra Baron, eine Deutsche, die in den USA gelebt hat und sich selbst zu dieser Gruppe zählt, gegenüber The Local.
Ich entdeckte, dass deutsche Weihnachtslieder nicht einfache Kinderreime über Santa Claus und seine Rentiere sind, sondern vier- bis fünfstrophige religiöse Lieder, die tatsächlich musikalisches Können erfordern.
„Deutschland ist eine Kultur, die viel stärker auf Traditionen basiert“, fügt die Amerikanerin Kim Preiss hinzu, die ursprünglich aus Wisconsin stammt.
„In Amerika ist alles viel kommerzieller. Mit Black Friday und Amazon Weihnachten dreht sich alles ums Geldverdienen“, sagt Preiss, die seit 15 Jahren in Deutschland lebt.
Deutsche Weihnachtsmärkte: Tradition statt Kommerz
Deutsche Weihnachtsmärkte generieren jährlich Milliarden Euro, laut deutschen Branchengruppen und Analysten. Doch die Stände, die Bienenwachskerzen, gestrickte Handschuhe und Keramikvasen verkaufen, wirken weniger kommerziell als die Auslagen in den USA, wo Flachbildfernseher neben künstlichen Weihnachtsbäumen stehen, deren Farbe möglicherweise nicht einmal grün ist.
„Vielleicht versuchen die Menschen, religiös tolerant zu sein, indem sie ‚Happy Holidays‘ statt ‚Merry Christmas‘ sagen“, erzählte Mandi Althoff, eine Halb-Deutsche, Halb-Amerikanerin, die gerade nach einem siebenjährigen Aufenthalt in Kalifornien nach Deutschland zurückkehrte, The Local.
„In Deutschland weiß man, dass Weihnachten bedeutet, dass Jesus geboren wurde.“
Ähnliche Beiträge:
- Weihnachtsvorabend: Tannenbaum, Christkind und Santa Claus – Feierliche Bräuche!
- Adventszeit: Romantik pur mit Plätzchen, Adventskalendern, Nikolaus & Weihnachtsmärkten!
- 10 einflussreiche Schwarze Persönlichkeiten: Ihre Spuren in der deutschen Geschichte
- Ozzy Osbourne Trauerzug: Bewegende Bilder des tränenreichen Abschieds
- Berliner feiern am 8. Mai: Warum gibt es diesen zusätzlichen Feiertag?

Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.